Die Erfindung der Journalistik in der DDR Ein Beitrag zur Fachgeschichte der Nachkriegszeit

Ein Beitrag zur Fachgeschichte der Nachkriegszeit

von Michael Meyen

 

Abstract: Dieser Beitrag fragt am Beispiel der Journalistik in der frühen DDR nach dem Zusammenspiel von Politik, Medienpraxis und Wissenschaft. Welchen Einfluss haben die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Anforderungen der Redaktionen auf Forschung und Lehre? Gestützt auf die Feldtheorie Bourdieus sowie auf Akten, Zeitzeugen und Veröffentlichungen der Ausbildungseinrichtung in Leipzig wird gezeigt, dass die Logik des wissenschaftlichen Feldes und das dort entwickelte Know-how Eingriffe der herrschenden Partei gebrochen haben. Wichtiger als die Wünsche der SED-Spitze waren die Signale aus der journalistischen Praxis, weil man dort auf das Personal angewiesen war, das aus Leipzig kam. Die DDR-Journalistikwissenschaft wurde allerdings erst von den Schülern der ersten Professorengeneration entwickelt. Diese Fachkonstruktionen mit einem Fokus auf Stilistik, journalistische Methodik, Genres und den Arbeitsprozess in den Redaktionen war vollkommen anders als die sozialwissenschaftlich ausgerichtete westdeutsche Kommunikationswissenschaft und auch deshalb nach 1989 nicht integrierbar.

 

1 Erkenntnisinteresse, theoretische Basis und Quellen

Dieser Beitrag fragt am Beispiel der Journalistik in der frühen DDR nach dem Zusammenspiel von Politik, Medienpraxis und Wissenschaft. Welchen Einfluss haben die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Anforderungen der Redaktionen auf die Ausgestaltung von Forschung und Lehre in Studiengängen, die sich in ihrem Namen zur Ausbildung im Bereich der öffentlichen Kommunikation bekennen (Zeitungs- und Kommunikationswissenschaft, Publizistik, Journalistik) und so auch suggerieren, dabei helfen zu können, „einen Gebrauch der Massenmedien im öffentlichen Interesse zu garantieren“, oder wenigstens Wissen zu liefern, das „das Funktionieren des ‚Werkzeugs‘ durchsichtiger“ macht (Lazarsfeld 1973: 8, 15)? Zugespitzt und auf einen theoretischen Begriff gebracht: Wie autonom sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem Fach, das in Kaiserreich und Weimarer Republik zunächst vor allem auf Wunsch von Praxisorganisationen eingerichtet wurde (vgl. Bruch 1980, Kutsch 2016), dann keineswegs nur in der Zeit des Nationalsozialismus Spielball politischer und wirtschaftlicher Interessen war (vgl. Duchkowitsch, Hausjell & Semrad 2004; Pöttker 2005; Meyen & Wendelin 2008) und bis heute vom Bedeutungsgewinn der Medien und dem Drang der Studierenden in entsprechende Berufe profitiert (vgl. Meyen & Löblich 2006: 33-71)?

Theoretische Basis für die Suche nach Antworten ist die Feldtheorie von Pierre Bourdieu. Der Begriff Feld soll hier helfen, die „Kulturproduktion“ zu verstehen und einen „Kurzschluss“ zwischen „Text“ und „Kontext“ zu vermeiden. Felder sind in dieser Theorie „relativ autonome“ Räume, die anderen Gesetzen unterworfen sind als der „Makrokosmos“, auch wenn sie sich den Zwängen, die von dort kommen, nicht ganz entziehen können. Anforderungen von außen (etwa Legitimationswünsche einer Partei, ein bestimmter gesellschaftlicher Problemlösungsbedarf oder Anregungen aus dem Journalismus) würden allerdings „nur durch die Vermittlung des Feldes zum Tragen“ kommen. Die „Logik des Feldes“ breche solche Zwänge und bringe sie in eine spezifische Form (Bourdieu 1998: 17-22). Da Bourdieu das wissenschaftliche Feld als eine soziale Welt konzipiert hat, in der es wie auch sonst überall Herrschaftsbeziehungen gibt, wird die Autonomie für ihn „eine der großen Fragen“: Welche „Widerstände“ und welche „Mechanismen“ kann der Mikrokosmos des wissenschaftlichen Feldes oder Unterfeldes (etwa: der Journalistikwissenschaft) einsetzen, um sich äußeren Zwängen zu entziehen, „die durch Herkunft und Umfang der verfügbaren Gelder, Verordnungen, Forschungsaufträge, Vertragsbestimmungen usw. ausgeübt werden“? Höchstes Ziel (und für Bourdieu einer der „entscheidenden Unterschiede“ zwischen den Disziplinen) ist es dabei, nur den „eigenen, internen Maßgaben zu folgen“ (ebd.: 18f.).

Auf den ersten Blick scheint es mindestens merkwürdig, dieses Problem am Beispiel der DDR erörtern zu wollen, der Haupteinwand lässt sich aber mit Bourdieu in eine Forschungsfrage umformulieren. Da die „objektiven Beziehungen zwischen den Akteuren“ in jedem sozialen Feld den Spielraum von Personen oder Institutionen bestimmen (vgl. Bourdieu 1998: 17-25), werden der Grad der Autonomie und die Beziehungen zur Politik genau wie die Akteure, die Hierarchien und die Logik des Feldes zum Untersuchungsgegenstand: Welche Akteure haben mitgespielt, wer hatte wem etwas zu sagen und welches Kapital war nötig, um aufsteigen zu können? Dies ist auch deshalb interessant, weil die soziale Position (der eigene Kapitalbesitz im Vergleich zu anderen) zugleich den Habitus bestimmt. Der Habitus ist bei Bourdieu nicht angeboren, sondern speist sich aus den Erfahrungen, die ein Mensch macht. Diese (individuellen und kollektiven) Erfahrungen führen zu „Systemen dauerhafter Dispositionen“, die als „strukturierende Strukturen“ wirken (Bourdieu 1976: 165). Das Habitus-Konzept ist Bourdieus Versuch, den Antagonismus von Struktur und Handlung zu überwinden, und erlaubt so nicht nur, die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in unterschiedlichen historischen Kontexten zu untersuchen (weil sie in einer der großen, systematischen Gesellschaftstheorien verortet werden kann, vgl. Park 2013), sondern bietet zugleich einen Link zwischen der Sozialisation und dem Fachverständnis auf der einen Seite sowie den Strukturen des jeweiligen wissenschaftlichen Feldes und des sozialen Raumes insgesamt auf der anderen Seite. Weitgehend unbemerkt von den Akteuren generiert der Habitus ein Verhalten, das der Logik des Feldes entspricht, ihnen (den Akteuren) deshalb als „vernünftig“ erscheint und in biografischen Äußerungen folglich ohne größere Hemmungen dokumentiert wird.

Trotzdem kann auch auf den zweiten Blick gefragt werden, ob sich Bourdieus Annahmen (entwickelt im Frankreich der 1960er und 1970er Jahre) tatsächlich eignen, die Anfänge der Journalistikwissenschaft in der DDR zu untersuchen. Es ist bekannt, dass der Journalismus in diesem Land Teil des politischen Feldes war und dass am Machtpol immer die Politiker standen. Das bedeutet: Im Zweifel wurde nicht das veröffentlicht, was journalistisch geboten war (etwa: Informationen zur Orientierung in einer komplexen Gesellschaft), sondern was den gerade aktuellen Zielen des jeweiligen Herausgebers am besten zu helfen schien (vgl. Meyen & Fiedler 2011, Fiedler 2014). In der Ausbildung wurde dieser Einfluss zwar einerseits durch die akademische Logik gebrochen. So scheiterte zum Beispiel der Versuch von Emil Dusiska, ab 1967 Dekan der Leipziger Fakultät für Journalistik und dann bis 1978 Direktor der Sektion Journalistik, in Berlin außerhalb der Universität ein Institut für Journalistik mit eigenem Promotionsrecht zu etablieren (vgl. Knipping 2017). Andererseits geht aber auch die aktuelle Literatur von starken „Eingriffen der SED in die Publizistikwissenschaft“ aus und davon, dass sich die Vorstellungen der Partei in Sachen Studieninhalt und Studienorganisation „am Vorbild der journalistischen Praxis in der Sowjetunion“ orientiert hätten. „Ziel war es, umfassend geschulte, politisch indoktrinierte Kader auszubilden“ (Jedraszczyk 2017a).

Dieser Beitrag zeigt erstens, wie die Logik des wissenschaftlichen Feldes solche Einflüsse von außen gebrochen hat. Diese Einflüsse konnten schon deshalb nicht so stark sein, wie in der Literatur vermutet wird, weil die Politik in der DDR andere Prioritäten hatte als die Journalistenausbildung und ihr für eine Lenkung im Detail schlicht das Know-how fehlte. Dies gilt noch stärker für die Sowjetunion, wo die gleichnamige akademische Disziplin ebenfalls in den Kinderschuhen steckte und außerdem sowohl in der Universität als auch im Journalismus an ganz andere Tradition anknüpfen musste. Wichtiger als die Vorgaben der SED-Spitze oder gar die Orientierung an einem (wie auch immer gearteten) Vorbild in Moskau oder Leningrad waren deshalb, das ist die zweite These dieses Beitrags, die Signale aus der journalistischen Praxis der DDR. Dort war man auf das Personal angewiesen, das aus Leipzig kam, und setzte folglich alles daran, dass die Absolventinnen und Absolventen das konnten, was im Redaktionsalltag gebraucht wurde.

Die erste Professoren-Generation allerdings, These drei, war noch nicht in der Lage, eine Journalistikwissenschaft ‚Made in GDR‘ zu erfinden. Anders als zum Beispiel Walter Hagemann in der Bundesrepublik (vgl. Wiedemann 2012) fehlten Hermann Budzislawski, Wieland Herzfelde, Wilhelm Eildermann oder Heinrich Bruhn (um nur vier Namen zu nennen) dafür akademischer Ehrgeiz und der Glaube an das Journalismus-Ideal der Partei (Budzislawski) oder die Vorbildung, die auch in der DDR nötig war, um an der Universität reüssieren zu können. Das journalistische Übungssystem, bis 1990 Kern des Praxis-Curriculums, wurde erst von den Schülern dieser Gründerväter entwickelt – eine Parallele zum Westen, wo ebenfalls die erste Absolventengeneration der Nachkriegszeit bestimmte, wie ‚gute‘ Publizistik-, Journalistik- oder Kommunikationswissenschaft (bis heute) auszusehen hat (vgl. Meyen 2007; Löblich 2010).

These vier schließt hier direkt an: Dass es sich dabei um zwei völlig verschiedene Fachkonstruktionen handelte (hier mit einem Fokus auf Stilistik, journalistische Methodik, Genres und den Arbeitsprozess in den Redaktionen, dort als empirische Sozialwissenschaft), ist mit den Unterschieden in der Logik des sozialen Raums insgesamt und hier besonders des politischen Feldes zu erklären. Dies heißt auch: Die Journalistikwissenschaft in der DDR war nicht ‚besser‘ oder ‚schlechter‘ als das Fach, das sich auf der anderen Seite der innerdeutschen Grenze aus der gleichen Tradition entwickelte (Stichworte: Gründung des Instituts für Zeitungskunde 1916 in Leipzig, zaghafte Akademisierung am Ende der Weimarer Republik, Instrumentalisierung durch den Nationalsozialismus, vgl. Averbeck 1999, Koenen 2016). Die DDR-Journalistikwissenschaft war anders als die westdeutsche Kommunikationswissenschaft und auch deshalb nach 1989 nicht integrierbar (vgl. Meyen & Wiedemann 2017). Urteile über wissenschaftliche Qualität hängen immer auch vom jeweiligen Paradigma ab und damit von den Interessen, denen die Richter folgen (vgl. Kuhn 1973).

Diese Argumentation stützt sich neben der Fachliteratur auf drei Quellentypen – auf die Überlieferungen des Medienlenkungsapparates im Bundesarchiv und der Leipziger Ausbildungseinrichtungen (Fakultät, Sektion) im Universitätsarchiv, auf Veröffentlichungen der Leipziger Ausbildungseinrichtung sowie auf Zeitzeugengespräche und private Überlieferungen. Persönlich interviewt wurden für diesen Beitrag sechs Dozenten (alphabetisch: Fritz Beckert, Werner Michaelis, Hans Poerschke, Klaus Preisigke, Karl-Heinz-Röhr, Wulf Skaun), von denen fast alle auch in Leipzig Journalistik studiert haben (Ausnahmen: Beckert, Michaelis, vgl. Meyen 2015), sowie Ingeborg Schmidt, von 1954 bis 1958 Studentin an der Fakultät, damit auch eine Protagonistin im Roman „Das rote Kloster“ von Brigitte Klump (1991) und später mit Siegfried Schmidt verheiratet, Dozent an der Sektion Journalistik. Dazu kommen Interviews mit Franz Knipping (1965 bis 1967 Dekan der Fakultät für Journalistik) und Heinz Halbach (1977 bis 1992 Professor), beide ebenfalls aus dem eigenen Nachwuchs (vgl. Meyen 2017), sowie ein Professorenkatalog, den Hans-Dieter Daniel (2015) in jahrelanger Kleinarbeit zusammengestellt hat.

Dieser Beitrag führt mehrere Quelleneditionen und Publikationen des Autors zum Themenfeld zusammen (vgl. Meyen 2015, 2017; Meyen & Wiedemann 2017) und versteht sich als Anregung, tiefer in die Geschichte der DDR-Journalistikwissenschaft einzusteigen. Eine solche Geschichte kann er schon deshalb nicht ersetzen, weil die Brille von Bourdieu den Blick ganz zwangsläufig auf die Feldstrukturen (Relationen zwischen Positionen), den Habitus der Akteure und die Feld-Autonomie lenkt und so nur am Rande erlaubt, sich mit den Inhalten von Lehre und Forschung zu beschäftigen.

 

2 Hermann Budzislawski: Ein „Amerikaner“ als Gründungsvater

Brigitte Klump kam aus einer Bauernfamilie in Glöwen, hatte ihr Abitur 1953 in Havelberg gemacht, ein Jahr in Berlin beim Wochenblatt Der Freie Bauer als Volontärin gearbeitet und war von dort zum Studium an die Leipziger Fakultät delegiert worden, obwohl sie eigentlich Kritikerin werden und Theaterwissenschaft studieren wollte. Beim Aufnahmegespräch im Presseverband habe sie das erste Mal Hermann Budzislawski gesehen, den Dekan der Fakultät für Journalistik. „Ein Mann mit einem Gesicht aus Stein. Einen Querbinder um den Hals.“ Budzislawski habe gefragt, worin sie die Aufgabe der Zeitung sehe, und erwartet, „das hat er mir später erzählt, ich würde mit den Leninschen Begriffen operieren, die Zeitung habe kollektiver Agitator, Propagandist und Agitator zu sein, Sprachrohr der Partei.“ Da ihr „die Pressetheorie“ nicht „geläufig“ gewesen sei, habe sie kurz überlegt und dann berichtet, wie die Bauern Zeitungen nutzen. Als Brotpapier, auf dem stillen Örtchen. „Alles lachte“, und Brigitte Klump hatte ihren Studienplatz (Klump 1991: 27, 35f.).

Wie das so ist mit solchen Erinnerungen: Die anderen Beteiligten sind längst tot. Hermann Budzislawski wusste bei diesem Gespräch im Sommer 1954 vielleicht noch nicht einmal, dass er wenig später erster Dekan der neuen Fakultät werden würde. Franz Knipping, seit 1951 Student am Institut für Publizistik und Zeitungswissenschaft in Leipzig, ab 1954 wissenschaftlicher Assistent und dann 1965 selbst Dekan, hat kurz vor seinem Tod erzählt, dass ein anderer Professor (Wilhelm Eildermann) damals „schon seine Antrittsrede als Dekan vorbereitet“ hatte. „Die lag fix und fertig in seinem Schreibtisch. Plötzlich wurde entschieden, den Amerikaner an die Spitze zu stellen. So nannte man Budzislawski damals. Das war für alle total überraschend“ (Knipping 2017).

Eildermann oder Budzislawski: Im Rückblick ist das eigentlich keine Frage. Der „Amerikaner“, Jahrgang 1901, brachte nicht nur einen Doktortitel mit (erworben 1923 in Tübingen), sondern die Aura eines weitgereisten Journalisten. Er hatte für Ossietzkys Weltbühne geschrieben, im Exil die Neue Weltbühne geleitet und dann in den USA Karriere gemacht (vgl. Schmidt 2017). Seine Rückkehr in den Osten Deutschlands war für die SED eine Prestigefrage. Budzislawski habe „als antifaschistischer Publizist einen großen Namen“, schrieb Willi Lehmann, Personalchef der Deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, am 22. April 1948 in seiner Berufungsempfehlung. In der Emigration seiner Gesinnung treu geblieben, einer „der ganz wenigen fortschrittlichen Spezialisten für internationales Pressewesen, die für die Besetzung eines Lehrstuhls an der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät in Frage kommen“ [1]. Friedrich Behrens, in Leipzig Dekan dieser Fakultät, hatte in seinem Antrag an das sächsische Volksbildungsministerium am 12. Februar 1948 auch auf die Konkurrenz verwiesen. Budzislawski würden zwei weitere Angebote vorliegen – aus Berlin „und von einer anderen deutschen Universität“ [2].

Der Umworbene wusste um seinen Wert. Ernst Bloch und Julius Lips: Das war die Liga, in der Budzislawski spielte. Das Trio bekam ein „Sondergehalt für Rückkehrer“ [3], und als Budzislawski im Herbst 1948 tatsächlich als erster der drei neuen Stars aus den USA in Leipzig eintraf, schaffte er es mit diesem Argument, die Miete für das „sehr schöne“ Haus in Eutritzsch von 300 auf 200 Mark im Monat zu senken [4]. Aus dem Journalisten wurde trotzdem kein Akademiker. Er hielt zwar Vorlesungen (zunächst über die „Geschichte der öffentlichen Meinung in Europa“ und die „Technik des Journalismus“), bot Seminare und Übungen an und baute das (noch sehr kleine) Institut für Publizistik auf, zu dem im Herbst 1949 ein Assistent (Hans Meergans) und eine Sekretärin gehörten, machte aber zugleich das weiter, was er am besten konnte. Sein Radiokommentar, ausgestrahlt an jedem Donnerstag, sei „der meistgehörte“ im Leipziger Sender, schrieb er im November 1949 an Helmut Holtzhauer, Minister für Volksbildung in Dresden, um den Wunsch nach einem Dienstwagen zu untermauern. Außerdem in der Waagschale: die vielen „Vorträge und Ansprachen“ sowie die Provisorische Volkskammer, wo Budzislawski seit 7. Oktober 1949 Abgeordneter war und, glaubt man seinem Selbstzeugnis, „mehr oder weniger“ die Kulturbund-Fraktion leitete [5]. Vorsitzender war nominell Klaus Gysi.

„Vor Budzislawski hatten wir alle Respekt“, sagte Ingeborg Schmidt, Kommilitonin von Brigitte Klump, Anfang 2017 in Leipzig. „Wir waren stolz, dass wir ihn bei uns hatten. Er hat jede Woche zwei Stunden Vorlesung gehalten, zwei Jahre lang.“ Und die anderen Professoren? „Heinrich Bruhn und Wilhelm Eildermann waren verdiente Genossen, die man unterbringen musste. Ich habe dort kein Wort gelernt, aber ich schimpfe heute auch nicht darüber.“ Die Aufbaugeneration brauchte die alten Kämpfer (die ‚misstrauischen Patriarchen‘) als ‚politische Ersatzväter‘ (vgl. Schüle, Ahbe & Gries 2006). Die Kommunisten, die oft schon in der Weimarer Republik und dann vor allem in der Zeit des Dritten Reiches gegen den Faschismus gekämpft und persönliche Opfer wie Gefangenschaft oder Exil gebracht hatten, waren auch deshalb über jeden Zweifel erhaben, weil viele der Jungen selbst irgendwie ‚mitgemacht‘ hatten und erst durch den Eintritt in die FDJ auf die Seite des Siegers gekommen waren (vgl. Niethammer 1994).

Zu Bruhn und Eildermann gleich mehr. In Sachen Budzislawski liegen die Zeitzeugen nicht weit auseinander. Heinz Halbach, Jahrgang 1930, kurz vor Kriegsende als Hitlerjunge in Prag in den Volkssturm verpflichtet, kannte ihn schon aus dem Radio, als er sich noch um junge Landarbeiter kümmerte. „Ich hörte seine geschliffene Redeweise. Aber vor allen Dingen imponierten mir seine Argumente. Das las man woanders so nicht. Etwas völlig Eigenes. Als ich hörte, dass er bei den Publizisten unterrichtet, habe ich mich gefreut, bei ihm studieren zu dürfen“ (Halbach 2017). Respekt und Stolz (Ingeborg Schmidt), das ja. Teilweise sogar Verehrung wie bei Karl-Heinz Röhr, der 1956 bis 1960 Journalistik studierte und dann als „eine Art Adjutant“ von Budzislawski an der Fakultät einstieg. „Budzislawski ist die Brücke vom klassischen Akademiker zum Publizistik-Lehrer. Belesen, analytisch, kreativ, anregend, mehrsprachig“ (Röhr 2015). Als wissenschaftliches Vorbild fiel Budzislawski schon deshalb aus, weil er selbst kaum noch wissenschaftlich arbeitete. Das Buch Sozialistische Journalistik, 1966 unter seinem Namen erschienen, war eher ein Werk seiner Mitarbeiter. Karl-Heinz Röhr, der im Vorwort auch entsprechend gewürdigt wird (Budzislawski 1966: 10): „Da ist nur wenig auf seinem eigenen Mist gewachsen. Wir mussten vorarbeiten. Er hat das dann in der Luft zerrissen, etwas diktiert und auch geschrieben. Am Ende stand ein Budzislawski. Er konnte formulieren, jenseits vom Funktionärsdeutsch“ (Röhr 2015).

Dass Budzislawski von Brigitte Klump im Sommer 1954 Lenins Presseformel hören wollte, passt nicht zu dem, was sonst von ihm überliefert ist. Hans Poerschke, 1983 bis 1990 selbst Journalistik-Professor in Leipzig, hat die beiden Fronten herausgearbeitet, die sich am Vorläuferinstitut der Fakultät schon 1952 gegenüberstanden: auf der einen Seite verdiente KPD-Kämpfer wie Wilhelm Eildermann, die die Presse ganz im Sinne der „Lenin-Stalinschen Lehre“ ausschließlich als Instrument der Partei sahen, und auf der anderen Budzislawski, Dietrich Schmidt und (später) Willy Walther, für die Zeitungen mehr waren als politische Institutionen – verwandt mit der Literatur und Kinder der modernen Gesellschaft (Poerschke 2010: 159f.). Kampfinstrument der Partei vs. Spiegel der Realität: Das ist die Formel, auf die Hans Poerschke diesen Konflikt verdichtet hat. Schiedsrichter habe nach dem 13. August 1961 die Universitätsparteileitung gespielt, in Versammlungen zum Skandal um das Studentenkabarett Rat der Spötter, in denen die „bedingungslose Unterwerfung unter die Medienpolitik der Parteiführung“ gefordert worden sei (Poerschke 2010: 176). Informationen unterdrücken, Informationen so zurechtbiegen, dass sie den eigenen Interessen dienen, eine Welt erfinden, die die eigenen Bürger für den Sozialismus begeistern soll und dem Westen keinen Angriffspunkt bietet (vgl. Fiedler 2014): Mit Budzislawskis Widerspiegelungs-Theorie hatte das nichts zu tun.

Die Erfolgsgeschichte dieses „Amerikaners“ in Leipzig hat noch einen anderen dicken Schönheitsfleck – wie die Geschichte vieler Emigranten, die nach Kriegsende aus dem Westen (aus den USA, aus Frankreich, aus Großbritannien) in den Osten Deutschlands gingen. Schon im August 1949, nicht einmal ein Jahr nach Budzislawskis Ankunft in Leipzig, bekommt Willi Lehmann in der Deutschen Verwaltung für Volksbildung ein eher zurückhaltendes Zeugnis aus der Universität. Budzislawski sei zwar in die Partei eingetreten, „eine besondere Beteiligung an der Betriebsgruppenarbeit war jedoch nicht festzustellen“, schreibt Ernst Eichler, der seit Oktober 1948 „Kurator“ ist, eine Art politischer Aufpasser für die Unispitze. „Ein klares Urteil kann weder in politischer noch in wissenschaftlicher Hinsicht über ihn abgegeben werden“ [6]. Auch die erste Zwischenbilanz, die Albert Norden, Leiter der Hauptabteilung Presse im Amt für Information, im Januar 1950 vorgelegt wird, klingt eher ernüchternd. Nur zehn Absolventen im Sommer 1949, die Prüfungen „nicht voll befriedigend“. Für den Herbst 1950 erwarte man zwar 30 Absolventen, aber die „Verbindung der Institutsarbeit zur demokratischen Presse ist Budzislawski noch nicht gelungen“ [7].

Sonderlich überrascht gewesen sein dürfte der „Amerikaner“ folglich nicht, als ihm am 22. November 1950 mitgeteilt wird, das ZK der SED habe beschlossen, das Institut für Publizistik ohne ihn umzugestalten. Hinter Budzislawski liegt ein Kampf gegen Windmühlen. „Ich hatte meine Berufung nach Leipzig als einen Auftrag angesehen, mich zu einem großen Maße um die Ausbildung praktischer Publizisten zu kümmern, da ich selbst ja aus der Praxis komme“, schreibt er am 13. April 1950 an die Abteilung Hochschulwesen im Ministerium für Volksbildung in Berlin. Nur: Es fehle an Personal und vor allem an Orientierung. Kein Signal von Albert Norden, den Budzislawski aus den USA kennt, und keins von Hermann Axen, noch ein Westemigrant, seit 1949 Abteilungsleiter für Massenagitation im Parteivorstand. Budzislawski spricht mit Gerhart Eisler, Georg Stibi, Hans Mahle, Kurt Heiß [8]. Das Who‘s Who der neuen Medienwelt im Osten Berlins. Er entwirft eine Studien- und Prüfungsordnung [9] und schickt dieses Papier am 16. Juni 1950 auch an Paul Wandel, den Minister für Volksbildung, als der Parteivorstand wochenlang nicht reagiert [10]. Alles vergeblich, obwohl Budzislawski auf die Erfahrungen verweist, die die Sowjetunion mit der Journalistenausbildung gemacht hat, und sogar anbietet, sich „mehr auf das Gebiet der Theorie zurückzuziehen“ [11]. Er darf zwar seinen Titel behalten, weiter im Radio sprechen und darauf hoffen, irgendwann auch wieder vor Studenten zu stehen, sein Institut aber wird Ende 1950 geschlossen.

 

3 Budzislawskis Kollegen: Karrieren auf Parteiticket

Als Hermann Budzislawski im Sommer 1954 die Bewerberin Brigitte Klump interviewt, haben der „Amerikaner“ und die Leipziger Journalistenausbildung dreieinhalb turbulente Jahre hinter sich. Vom 27. bis 29. November 1950 überprüft eine Kommission aus Berlin alle Studenten. Im Hintergrund schon aktiv: Eduard Schulz, der eine Sternschnuppenkarriere hinlegt, wie sie nur in Zeiten radikaler Machtwechsel möglich ist und so vielleicht auch nur in den Babytagen der DDR. In den Akten taucht dieser Schulz das erste Mal am 20. November 1950 auf – in einem Schreiben an das Ministerium, das den Briefkopf der Friedenspost trägt, der Wochenzeitung der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, wo Schulz seit 1949 Redakteur ist. Kein Zweifel: Hier spricht der neue starke Mann in Leipzig. Budzislawski? Solle den Betrieb noch fortführen, bis das Ministerium sein Institut schließt, und künftig über die „Geschichte der Presse in den kapitalistischen Ländern“ sprechen. „Weitere Vorlesungen kommen für ihn, soweit wir sehen, nicht in Frage.“ Schulz selbst kündigt Vorlesungen über die „Geschichte der sowjetischen und der volksdemokratischen Presse“ an, fordert eine „Dozentur für Praktische Journalistik und Zeitungswissenschaft“ und erwähnt beiläufig, dass Hermann Axen dafür Georg Krausz vorgeschlagen habe, seit Oktober Redakteur beim Neuen Deutschland und vorher im Parteiapparat [12].

Wie viele Studenten die Überprüfung Ende 1950 überstehen, sagen die Unterlagen nicht zweifelsfrei. Als Eduard Schulz im November seinen Brief schreibt, sollen 101 eingeschrieben gewesen sein, davon 55 Erstsemester [13]. In einer Anweisung des Ministers für Volksbildung vom 8. Januar 1951 ist dann von 80 die Rede [14]. Das stimmt in etwa mit den Zahlen überein, die das neue Institut für Publizistik und Zeitungswissenschaft Anfang 1952 vorlegt (78 übernommen, elf exmatrikuliert). An den ersten Budzislawski-Studenten und an ihrem Professor lässt dieser Bericht kein gutes Haar. „Bürgerliche und kleinbürgerliche Elemente“ seien das gewesen. Berufsziel: unklar, Vorlesungsbesuch: zufällig. „Was den Studenten in diesen Vorlesungen dargeboten wurde, war zumindest unmarxistisch. Grundlage bildeten die Methoden der Schools of Journalism. Es wurde versucht, diese ‚Theorien‘ auf unsere Aufgaben und Verhältnisse anzuwenden.“ Namentlich genannt wird zum Beispiel Carl N. Warren, der 1934 ein Buch über Nachrichtenfaktoren vorgelegt hatte (vgl. Warren 1934) [15].

Eduard Schulz ist da schon wieder Geschichte, fristlos gekündigt Ende Juni 1951 nach „Vergewaltigungsvorwürfen“ (Schemmert & Siemens 2013: 210). Hermann Budzislawski hat Gerhard Harig, Staatssekretär für Hochschulwesen, schon am 14. Mai wissen lassen, dass er „Dinge“ über Schulz erfahren habe, die „eine Zusammenarbeit ausschließen“ würden. Anlass dieses Briefes ist die Situation des „Amerikaners“. Das Gehalt kommt zwar nach wie vor, „aber meine Professur schwebt im luftleeren Raum“. Er wisse nicht, ob er im Sommersemester, das längst begonnen hat, überhaupt lese und was er dann vorbereiten oder ankündigen solle [16]. Zwei Monate später, als Budzislawski erneut an Harig schreibt, hat sich an seiner Lage nichts geändert. Fred Oelßner, Sekretär für Propaganda im ZK, hat ihm aber inzwischen mitgeteilt, dass die Partei ihn weiter als akademischen Lehrer sehe und dass „eine Neuordnung der Institutsangelegenheiten unmittelbar“ bevorstehe. [17] Diese „Neuordnung“ wird am Ende dieses heißen Sommers dann Wilhelm Eildermann anvertraut, einem der beiden Professoren, bei denen Ingeborg Schmidt „kein Wort gelernt“ hat. Der andere, Heinrich Bruhn, ist schon seit Februar 1951 Professor und wird das bis zum 1. Januar 1977 bleiben. Mit der Universität hatten beide vorher nichts zu tun.

Bruhn, 1913 als Sohn eines Tischlers und einer Arbeiterin in Holstein geboren und damit einer der jüngsten ‚misstrauischen Patriarchen‘ im Generationengefüge der DDR (vgl. Schüle, Ahbe & Gries 2006), hat früh Kontakt zur Arbeiterbewegung, wächst über den Jungspartakus und den Jugendverband in die KPD hinein und wird 1936 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Abgesessen unter anderem im KZ Fuhlsbüttel, mit Frau und Mutter. 1939 eingezogen und Anfang 1945 von den US-Amerikanern gefangen genommen. Nach der Freilassung im Mai wird Heinrich Bruhn zunächst Polizist in den Mansfeld-Betrieben, dann Funktionär (Sekretär im SED-Kreisvorstand Hettstedt) und 1948 schließlich Redakteur bei der Tageszeitung Freiheit. Wie bei Eduard Schulz geht plötzlich alles sehr schnell: 1949 zur Landesparteischule delegiert, gleich als Lehrer dabehalten, im Juni 1950 Leiter der Nachwuchsschule für Redakteure beim ZK der SED in Kleinmachnow, von dort nach einem einzigen Lehrgang an die Universität berufen, „mit vollem Lehrauftrag für das Fach ‚Geschichte der KPdSU (B)‘“. Auch der Einkommenssprung ist gewaltig: von 720 Mark in Kleinmachnow auf 2800 in Leipzig. Ein Blick in Bruhns Personalakte zeigt, dass diese Entscheidung Hals über Kopf fiel. Als die Universität das Staatssekretariat in Berlin am 1. März 1951 um eine Berufung zum 1. Februar bittet (also rückwirkend), liegen in Leipzig noch nicht einmal die Personalunterlagen vor [18].

Ob Heinrich Bruhn diese Blitzkarriere genießen konnte? Mit dem „Fall Schulz“ im Nacken und später dann mit Studentinnen wie Brigitte Klump, die sehr genau registrierten, dass er keinen Doktortitel führte? „Ich habe mir meine Professur nicht erschlichen“, sagt Bruhn bei Brigitte Klump (1991: 59) in einem persönlichen Gespräch mit der Studentin, vermutlich noch in ihrem ersten Studienjahr, 1954/55. „Ich habe sie für Verdienste in der Arbeiterbewegung bekommen.“ In den Akten bittet Bruhn im Frühjahr 1955, zur Kasernierten Volkspolizei gehen zu dürfen. Kaderinstrukteur Schöne schreibt, der Professor habe „große Schwierigkeiten, den Anforderungen der Universität gerecht zu werden“. Seine „umfangreiche politisch wichtige Tätigkeit“ mache es ihm schwer, „sich wissenschaftliche Arbeitsmethoden und Kenntnisse anzueignen“ [19]. Bruhn ist seit Oktober 1954 Abgeordneter der Volkskammer, in der Fraktion des FDGB, wie eine Wahlperiode später Budzislawski. Die Partei braucht Bruhn aber an der Universität und delegiert ihn 1956 an die Parteihochschule nach Moskau, wo er 1959 ein Diplom als Gesellschaftswissenschaftler bekommt. Das ist noch keine Promotion, aber auch nicht mehr der „Professor ohne Abitur“, bei dem Brigitte Klump (1991: 59) studiert hat.

Auch Wilhelm Eildermann, 1897 in Bremen geboren, die Eltern Tabakarbeiter und Hausfrau, bringt kein Abitur mit nach Leipzig, dafür aber jahrzehntelange Praxiserfahrung. Schon mit 15 Volontär bei der Bremer Bürgerzeitung, arbeitet er in den 1920ern bei zahlreichen KPD-Blättern, wird 1929 Chefredakteur der Tribüne in Magdeburg und wenig später zu 21 Monaten Festungshaft verurteilt. Ein „Wanderredner“ (der alte Eildermann 1977 über den jungen), gestählt durch Illegalität, Gefangenschaft und Flucht, die ihn 1944 in die Redaktion der Zeitung Freies Deutschland nach Moskau führt und schließlich in die Antifa-Schulen. Dass dieser Mann nach seiner Rückkehr in den Osten Berlins den Pressedienst der SED-Führung leitet, passt in seinen Lebenslauf. Die Professur in Leipzig tut das nicht. Die Partei schickt Wilhelm Eildermann im Spätsommer 1951 an die Universität, weil die Sternschnuppe Eduard Schulz viel zu schnell verglüht ist.

Der Fehlgriff Eduard Schulz hat Folgen, die über die Berufung des Feuerwehrmanns Wilhelm Eildermann hinausgehen. Die Pläne, das Institut für Publizistik und Zeitungswissenschaft zu einer Fakultät oder gar zu einer selbständigen Hochschule auszubauen, müssen von einem Tag auf den anderen auf Eis gelegt werden. Am 2. Mai 1951 treffen sich Heinrich Bruhn und Eduard Schulz in Leipzig mit Vertretern der Universität, des Ministeriums und der Abteilungen Agitation und Propaganda im ZK der SED, um die Zukunft der Journalistenausbildung in der DDR abzustecken. Ergebnis: Personal, Geld und Zeit reichen im Moment noch nicht für eine ganz neue Einrichtung, die nur noch dem Amt für Information untersteht. Also eine Nummer kleiner: eine eigene Fakultät mit Internat in Leipzig. Frei sein von den akademischen Fesseln, die eine Philosophische Fakultät den angehenden Journalisten selbst in der sozialistischen DDR anlegt. Berufungen, Promotionen, Habilitationen: Warum die anderen Disziplinen mitreden lassen, wenn es doch um die Herolde des neuen Vaterlandes geht? Eine Zuordnung zur Philosophischen Fakultät werde „aus politischen Gründen für unzweckmäßig gehalten“, sagt die kleine Runde am 2. Mai 1951. Zwei Wochen später rudert Staatssekretär Harig zurück. Handschriftlich notiert er auf dem Sitzungsprotokoll: „Angesichts der ungeklärten Lage in Leipzig (Prof. E. Schulz) ist die Umwandlung in eine Fakultät jetzt unmöglich“ [20].

Ziemlich genau drei Jahre später (am 14. Mai 1954) ist es dann doch soweit: Wilhelm Eildermann schreibt wieder an den Staatssekretär und beantragt die Gründung einer Fakultät für Journalistik. 1951 sei ein solcher Schritt noch nicht erwogen worden (eine glatte Lüge; auch Gerhard Harig muss es besser wissen), „weil die wissenschaftlichen Kader fehlten, weil über Umfang und Verlauf der Ausbildung noch nicht völlige Klarheit herrschte und weil man noch nicht übersehen konnte, ob das Institut die gestellten Aufgaben erfüllen würde.“ Jetzt, drei Jahre später, sei aber klar, dass diese Konstellation „den Besonderheiten der Journalistik nicht gerecht werden konnte“. Eildermann verweist auf die sonst „nicht übliche Aufnahmeprüfung“, auf die „besondere Art der Werbung“, die durch diese Prüfung notwendig werde, auf die „praktische Ausbildung“, die „in einzelnen Fällen“ auch verlangt habe, „erfahrene Fachleute aus der Pressepraxis zu berufen, die nicht immer ein Universitätsstudium nachweisen können“, sowie auf die „besonders intensive politisch-moralische Erziehung, die unter anderem auch durch die Zusammenfassung der Studierenden in einem Internat begünstigt wird“ [21].

Der Antragsteller weiß, was er dem Zeitgeist schuldig ist. Die „einzelnen Fälle“, von denen Eildermann spricht, sind in Leipzig die Regel. Von den Professoren hat nur Wieland Herzfelde eine höhere Schule besucht. Von ihm wird gleich noch zu sprechen sein. Karl Jakobi, der ab September 1951 anderthalb Jahre „zeitgenössisches Pressewesen“ lehrt, kommt wie Bruhn und Eildermann aus der alten KPD. Er ist Chefredakteur der Landes-Zeitung in Schwerin, als ihn der Ruf der Universität ereilt, und wird im Mai 1953 vom Sekretariat des ZK der SED als Chefredakteur zur Volksstimme nach Magdeburg geschickt [22]. Hedwig Voegt, seit Herbst 1953 Dozentin für Literaturgeschichte, hat bei der Telegraphen-Union gelernt, ist 1925 in die kommunistische Partei eingetreten und wurde von den Nationalsozialisten unter anderem im Zuchthaus Lübeck-Lauerhof und in Fuhlsbüttel eingesperrt. Im Februar 1954 trifft außerdem Wladimir Andrejewitsch Ruban aus Kiew ein und bringt, folgt man Wilhelm Eildermann, „die Erfahrungen der Sowjetwissenschaft nach Leipzig“ [23]. Ruban bleibt bis Ende Juli 1956. Sein Thema ist die Geschichte der Presse daheim. „Eigentlich waren das keine akademisch ausgebildeten Lehrer“, sagt Heinz Halbach ein halbes Jahrhundert später über den Habitus seiner Lehrer. „Von systematischer Forschungsarbeit hatten alle keine Ahnung. Sie hatten Lebenserfahrung und waren politisch aktiv gewesen. Mehr nicht. Deshalb pickten sie aus dem Kreis der Studenten Leute heraus, von denen sie meinten, das könnten vielleicht mal Wissenschaftler werden. Alle Seminare wurden damals von Hilfsassistenten wie mir geleitet. Es gab einfach nicht so viele Assistenten“ (Halbach 2017).

Groß gefragt wurden die Auserwählten nicht. Heinz Halbach: „Im Juli 1954 lud Wilhelm Eildermann sieben, acht Leute aus unserem Studienjahr ein und sagte: Ihr arbeitet hier ab dem 1. September als Assistenten. Ich meldete mich sofort und erwiderte: Nein, ich bin dagegen. Ich fühle mich nicht geeignet. Eildermann sagte: Naja, aber die Abteilung Agitation des ZK hat euch bereits bestätigt.“ Aus der Traum, „etwas Vernünftiges“ (Halbach) zu machen, richtig studieren zum Beispiel oder für die Zeitung schreiben. „Später kamen Kommissionen, die mit jedem Absolventen geredet haben“, sagt Heinz Halbach. „1954 wurde überhaupt nicht gefragt. Du wirst da eingesetzt, Schluss.“ Halbach hat von nun an „fast jedes Jahr eine neue Funktion“. Pressegeschichte, Auslandspresse, Fernstudium (vgl. Halbach 2017). Seinen gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen geht es nicht anders. Eine akademische Karriere ist (noch) keine Option – weil man an die Universität gekommen ist, um sich auf den Journalismus vorzubereiten, weil schon das für Arbeiterkinder mehr ist, als sich ihre Familien hatten vorstellen können, weil es keine wissenschaftlichen Vorbilder gibt, an denen man sich orientieren kann. Journalistik ‚Made in Leipzig‘ muss erst noch erfunden werden (vgl. Meyen & Wiedemann 2017). Von Feldautonomie kann zu diesem Zeitpunkt keine Rede sein.

Ein Mix aus Jungspunden, die mehr oder weniger freiwillig vor den Studenten stehen, und aus alten KPD-Kämpen, die die Universität als Professoren das erste Mal von innen sehen: Darunter leidet die Reputation der jungen Disziplin (oder mit Bourdieu: ihr wissenschaftliches Kapital). Genau wie in der Bundesrepublik, wo renommierte Praktiker wie Walter Hagemann (Münster), Fritz Eberhard (FU Berlin), Hanns Braun und Otto B. Roegele (München) die Publizistik- und Zeitungswissenschaft aus dem Sumpf der NS-Verstrickung ziehen, aber erst 1968 die erste Habilitation feiern können (Kurt Koszyk an der FU), wird der Neuling aus der Medienwelt von den alteingesessenen Disziplinen auch in der DDR geschnitten. Die Parteileitung der Universität ist im Juli 1954 zwar für die Fakultätsgründung mit Promotionsrecht, nimmt aber die Bedenken ernst („keine habilitierten Professoren“) und fordert die Genossen auf, enger mit der Hochschulleitung und dem Staatssekretariat zusammenzuarbeiten, statt sich „wie bisher“ zu isolieren und „nur mit der Fachabteilung im ZK“ zu verkehren [24].

Das Promotionsrecht bekommt die Fakultät für Journalistik trotzdem erst 1960. [25] Vorher entscheidet das Staatssekretariat „von Fall zu Fall“. Begründung: zu wenig Promovierte, zu wenig Professoren im Wissenschaftlichen Rat der Fakultät. [26] Auch die Partei kann nicht helfen, selbst Franz Dahlem nicht, Stellvertreter des Staatssekretärs und (wichtiger) nach seiner Rehabilitierung ab Februar 1957 Mitglied des ZK der SED. Die „Hochschultradition“ ist selbst in einer Diktatur des Proletariats nicht von heute auf morgen zu schleifen. [27] Der Plan für eine Journalistik-Hochschule in Berlin, den Emil Dusiska in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre entwickelt und dabei (ohne es zu sagen) an den ersten entsprechenden Versuch aus den frühen 1950ern anknüpft, wird ausdrücklich das Promotionsrecht vorsehen. [28]

Auch Berufungen wären an dieser Dusiska-Hochschule leichter durchzusetzen gewesen als an der Leipziger Universität. Während die anderen Disziplinen auch in der DDR spätestens ab Mitte der 1950er Jahre die Dreierlisten an das Ministerium schicken, die man aus anderen deutschen Staaten kennt [29], hat die Journalistik in aller Regel nur einen Kandidaten – und der erfüllt die üblichen Standards eigentlich nicht. Um die Personalnot nur mit einem Beispiel zu illustrieren: Als Hermann Budzislawski dem Rektor am 11. August 1959 vorschlägt, Arnold Hoffmann mit der Wahrnehmung einer Dozentur für Bildjournalistik zu beauftragen, muss er regelrecht betteln, denn der Kandidat hat gerade erst sein Diplom bekommen, im Fernstudium, als Chefredakteur der Illustrierten DDR. Ein „neues Gebiet“, schreibt Budzislawski. Folglich kaum „Fachleute“, schon gar nicht „mit entsprechender akademischer Laufbahn“. Man müsse deshalb „sehr oft auf erprobte Kräfte der Praxis zurückgreifen, um erst einmal das Fundament zu legen“. Zum Glück habe das ZK nun eine solche Kraft empfohlen (der Wink mit der Macht), und der Rektor möge schnell entscheiden, da Hoffmann „sonst anderweitig verwendet wird“. Gute Leute mit der richtigen Einstellung und einer reinen Vita sind auch im zehnten Jahr der DDR Mangelware. Budzislawskis Angebot: Arnold Hoffmann werde in zwei Jahren einen Doktortitel haben. [30] Dass das dann dreieinhalb Jahre dauert, ist kein Makel, sondern bei acht Jahren Durchschnitt vom Studienabschluss bis zur Promotion (so eine Zwischenbilanz von 1965) fast ein Sprint. [31] Egal ob Professur oder Dozentur: Das Problem der formalen Qualifikation bleibt den Leipziger Journalistenausbildern erhalten. 15 Jahre später wird im Dreieck Universität-Ministerium-Partei nicht mehr über die Promotion diskutiert, sondern über fehlende Habilitationen. [32]

Das größte Missverständnis in der Leipziger Gründerriege ist Wieland Herzfelde, der Hermann Budzislawski aus den USA kannte und 1949 auf dem gleichen Ticket wie sein späterer Dekan an die Universität Leipzig kam. Gründungsmitglied der KPD, vor allem aber eine Verleger-Legende. Der Malik- und der Aurora-Verlag gehören zum Schrein der deutschen Linken. Trotzdem: Ein Professor war dieser Wieland Herzfelde nicht. Gerhard Menz, jeder Parteinahme unverdächtig (vgl. Jedraszczyk 2017b), zweifelte schon im August 1948 in einem Gutachten, dass eine dreiseitige Rezension (die einzige akademische Publikation des Kandidaten, die zu finden war) reiche, um jemanden als Professor für Literatur zu berufen, „ganz abgesehen davon, dass dazu auch das akademische Lehrgeschick gehört, wofür vorläufig keinerlei Belege vorliegen“ [33]. Das Ministerium in Dresden sieht das Ende 1949 ganz ähnlich, weiß aber, dass das Versprechen an den berühmten Genossen nicht „ohne Kränkung“ zurückgenommen werden kann. [34]

Herzfelde und sein Lehrstuhl wechseln zum 1. September 1952 an das Institut für Publizistik und Zeitungswissenschaft. Direktor Eildermann bittet den Rektor schon ein halbes Jahr später, diese Entscheidung zurückzunehmen. Er habe überhaupt erst kurz vor Weihnachten davon erfahren und sei bis dahin davon ausgegangen, dass Herzfelde zwar Vorlesungen am Institut hält (über Weltliteratur sowie über Literatur und Kunstkritik), ansonsten aber bei den Germanisten bleibe. [35] Da man dort froh ist, das Kuckucksei los zu sein, hat die Fakultät für Journalistik fortan einen Klotz am Bein. Erst im Herbst 1958 ist Herzfelde bereit, sich bis zur Pensionierung beurlauben zu lassen, obwohl sich Institutsdirektor und Dekan beim zuständigen Staatssekretariat in Berlin permanent über die Bequemlichkeit und die Unfähigkeit ihres Kollegen beklagen.

Daniel Siemens (2013: 32-37) hat das Porträt eines „Außenseiters“ geschrieben, den die DDR zwar gebraucht habe, um sich mit einem großen Namen zu schmücken, der dann aber an der Universität um jeden Einfluss gebracht worden sei, vielleicht sogar mit antisemitischen Motiven. Die Akten zeichnen ein anderes Bild. Hier ist Wieland Herzfelde ein Mann, der die Professur als verdienten Lohn für seine Dienste an der Sache sieht. Anders als Bruhn oder Eildermann bemüht er sich nicht einmal darum, die Standards der Universität zu bedienen, und verärgert so die Kollegen. Wilhelm Eildermann muss dem Staatsekretariat schon im Sommer 1953 versprechen, Herzfeldes Vorlesungen durch offene Kritik zu verbessern, statt Studenten und Lehrkräfte weiter „hinter seinem Rücken munkeln“ zu lassen. Die Beteiligten wissen, dass der Professor buchstäblich „auf der Straße läge“, wenn man seinen Lehrstuhl streichen würde. [36] Budzislawskis Interventionen in Berlin sind dann Legion. Zwei Kostproben: „Die Zusammenarbeit mit Prof. Herzfelde wird unmöglich, sobald von ihm die Erfüllung seiner Amtspflichten verlangt wird“ (Budzislawski am 8. Dezember 1955). [37] Und: „Herzfelde hat noch niemals Forschung betrieben und weiß gar nicht, was das ist“ (Budzislawski am 1. August 1958) [38]. Dieser Streit ging an Studenten und Mitarbeitern nicht vorbei. „Damals verstand ich wirklich die Welt nicht mehr“, sagt Heinz Halbach im Rückblick. „Diese berühmten Professoren, berühmte Antifaschisten, beide Juden. Und bekriegen sich. Ich habe versucht zu schlichten, was mir aber nicht gelungen ist“ (Halbach 2017).

 

4 Ausbildungsinhalte: Die Journalistik auf dem Weg zu einem Praxisstudium

In der Literatur hält sich die Vorstellung, dass die Fakultät für Journalistik an der Universität Leipzig 1954 nach „Moskauer Vorbild“ gegründet worden sei (Jedraszczyk 2017a). An der Lomonossow-Universität gab es seit 1952 eine Fakultät für Journalistik, ausgegründet aus der Philologischen Fakultät, die seit 1947 eine Abteilung Journalistik hatte. Bis dahin war es in der Sowjetunion üblich, den Pressenachwuchs an Parteischulen zu trainieren, ohne jeden akademischen Hintergrund (vgl. Zassursky 2016). Der Journalist als Funktionär der KPdSU.

Eduard Schulz und Wilhelm Eildermann, die länger in der Sowjetunion gearbeitet haben, könnten dieses System kennengelernt haben. Genau wie Hermann Budzislawski verweisen beide in Konzeptpapieren und Briefen immer wieder auf das Mutterland des Sozialismus. Rhetorische Begleitmusik, die die Entscheider gnädig stimmen soll. Vielleicht hat zumindest Schulz tatsächlich entsprechende Pläne. Im Bericht der Leipziger Volkszeitung über seinen Antrittsbesuch heißt es am 7. Januar 1951 ausdrücklich, der neue Professor werde „die Erfahrungen der Sowjetpresse“ anwenden. „Vorbild für die Arbeit des Instituts werden die publizistischen Abteilungen an den Universitäten Moskau und Leningrad sein“ [39]. Der Gedanke, eine eigene Fakultät zu gründen und dafür ein Internat zu schaffen, taucht am 30. November 1950 das erste Mal in den Akten auf – kurz nachdem Eduard Schulz auf der Bildfläche erschien und die Studenten überprüft worden waren. Material aus der Sowjetunion steht plötzlich auf der Tagesordnung: Lektionen aus Moskau und Leningrad sollen beschafft werden, Literatur, Zeitungen und Zeitschriften [40]. Nach dem Abgang von Schulz sucht das Staatssekretariat im Sommer 1951 fieberhaft einen Gastprofessor, der die Vorlesung über sowjetische Publizistik übernehmen kann, und hofft, dass die Bruderpartei hilft [41]. Ein echter Sowjet-Bürger (Wladimir Andrejewitsch Ruban aus Kiew) trifft aber erst im Februar 1954 in Leipzig ein.

Vorher kennen die Leipziger Professoren zwar die Studienpläne aus der Sowjetunion [42], wirklich nützlich ist das jedoch nicht. Sie wissen: Es läuft dort ziemlich anders als in der DDR. Der Journalismus ist anders, die Tradition ist anders, und die Praxis hat andere Wünsche. Auf Bitte von Wilhelm Eildermann beschreibt der Moskauer Dozent Juschin im Februar 1954 die beiden Abteilungen seiner Fakultät: Zeitung und Verlag. „Wenn ich Ihrem Brief nach urteile, unterscheiden sich die Aufgaben des Instituts ein wenig von den Aufgaben, die vor unserer Fakultät stehen. Ist es so?“ [43] Im Klartext: Selbst wenn Eildermann gewollt hätte, kann er das sowjetische Modell nicht kopieren. Es gibt dieses Modell so auch noch gar nicht. Im Juli 1954 lehnen die Moskauer ab, Vorlesungen an Eildermann zu schicken. Die beiden fraglichen Themen (Industrie und Landwirtschaft in der Sowjetunion) hätten 1953/54 Premiere gehabt und müssten nun erst einmal überarbeitet werden. [44]

Im September 1954, die Leipziger Fakultät ist gerade gegründet, fährt Heinz Mießlitz nach Moskau, Sektorenleiter in der Abteilung Wissenschaft und Propaganda des ZK der SED. Ein ausführlicher Bericht aus erster Hand, jetzt erst. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die Moskauer Fakultät bildet „literarische Redakteure“ aus und „Wissenschaftler auf dem Gebiet des Verlagswesens“. Die ersten vier Semester nur Vorlesungen und die Seminare ab dem fünften dann zu Übersetzungen, zum literarischen Stil, zur „Redaktion der Massenliteratur“. Kaum Lehrbücher, nur Hilfsmaterial. Die Wissenschaft der Journalistik müsse auf „der ganzen Welt“ erst entwickelt werde. Trotzdem rät der Moskauer Dekan, „die Ausbildung redaktioneller Kader auch bei uns in ähnlicher Weise zu entwickeln“. Schließlich brauche auch die DDR „gute Fachliteratur und andere Bücher“ [45].

Das mag sein. Noch mehr brauchte die DDR Journalisten, die für die Sache sind und schreiben können. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre gibt es einen regen Brief- und Reiseverkehr zwischen Leipzig und den großen sowjetischen Fakultäten. Man schickt sich Lehrpläne, Literatur, Übungszeitungen. Hermann Budzislawski fährt nach Leningrad, Moskau, Kiew. Er sieht dort, dass die Kollegen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie er. Alteingesessene Disziplinen, die die Journalistik vertreiben wollen. Praktiker, die sich als Künstler verstehen und nicht glauben wollen, dass man den Journalismus lernen kann. Erster Dekan in Moskau ist Jewgeni Chudjakow, vorher stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung Iswestija. Die beiden Genossen sprechen auf Augenhöhe miteinander. Suchende, die neugierig auf das sind, was die anderen gerade ausprobieren. Wenn Budzislawski es nicht schon vorher gewusst hat, sieht er auf diesen Reisen auch den wichtigsten Unterschied: Dort wird in Philologie investiert und hier in redaktionelles Handwerk. Der Journalist Chudjakow wird in Moskau schnell erst inoffiziell und 1965 dann auch offiziell von Yassen Zassursky abgelöst, einem ausgewiesenen Literaturwissenschaftler aus guter Familie (schon der Vater vertrat die Sowjetunion im Ausland), spezialisiert auf amerikanische Romanciers (vgl. Zassursky 2016). Fazit der Leipziger Delegierten: In der Sowjetunion würden Universitäten, Praktiker und die „leitenden Genossen“ die „praktizistische Methode der Ausbildung, wie sie in den USA üblich ist, völlig“ ablehnen [46].

Auch der „Amerikaner“ in Leipzig führt nicht sofort Labor-Klassen ein, in denen die Studenten fast wie im richtigen Journalistenleben Artikel produzieren und redigieren. Für ein solches „Übungssystem“ braucht es gut anderthalb Jahrzehnte und den starken Arm von Emil Dovifat, der die Mitarbeiter des „Instituts für Theorie und Praxis der Pressearbeit“ gleich nach seiner Berufung im Studienjahr 1966/67 weitgehend von der Lehre befreit und das Curriculum entwickeln lässt, über das der Nachwuchs dann bis zum Ende der DDR an den Journalismus herangeführt wird [47] (vgl. Röhr 2015). In Budzislawskis erstem Studienplan von Mitte 1950 gibt es neben marxistischen Fächern, Allgemeinbildung und Fremdsprachen (also ganz viel Stoff) lediglich Praktika und Übungen in deutscher Sprache. Talent ist aber schon hier wichtig: „Die Sprachprüfung muss darüber entscheiden, ob der betreffende Student sich für das Studium der Publizistik eignet. Bei schlechter Leistung Wechsel der Fachrichtung!“ [48] Wer wie Heinz Halbach im Herbst 1951 anfängt, hat dann in den ersten beiden Jahren jede Woche vier Stunden Deutsch („Sprache und Stilistik“) und vier Stunden Praxisübungen. [49]

Zu wenig, sagt die Redaktion des Neuen Deutschland im Juni 1952, weil die Praktikanten aus Leipzig nicht „in der Lage sind, in dem schnellen Tempo der Pressearbeit gut und verantwortlich zu arbeiten“. [50] Immer noch zu wenig, sagen der Verband der Deutschen Presse (VDP) und dann auch die Parteiführung 1955, obwohl bei den Aufnahmegesprächen die Eignung für den Beruf von Anfang an mindestens genauso wichtig ist wie die Gesinnung und obwohl viele Studenten nicht nur im Seminarraum schreiben, sondern in den Ferien oder zwischendurch auch in richtigen Redaktionen. Ingeborg Schmidt spricht heute von „Trockenschwimmübungen“ an der Universität, immer einen Tag in der Woche. „Dort wurden die Genres aufgeteilt und abgearbeitet. Nachricht, Bericht, Porträt, Feuilleton, Reportage. Das haben wir der Reihe nach gelernt. Außerdem gab es Vorlesungen dazu. Wir konnten uns dann selbst daran versuchen, vielleicht fünf Stunden lang. Und dann haben wir uns das gegenseitig vorgelesen und ausgewertet. Das war alles nicht für die Zeitung gedacht, aber trotzdem anstrengend.“ Trockenschwimmen eben. „Ich habe das bedauert. Die Nachrichten, die ich als Volkskorrespondentin geschrieben habe, sind immer veröffentlicht worden.“ Auf den Deutschunterricht lässt sie dagegen bis heute nichts kommen. „Dafür war ich dankbar. Die Stilistik war für mich ein integraler Bestandteil des Studiums. Wir hatten ja viel, was nicht unbedingt zum Beruf gehört hat. Deutsche Sprache und Stilistik: Das war unser Handwerkszeug.“

Wenn man nach sowjetischen Einflüssen in Leipzig sucht, wird man am ehesten in diesem Bereich fündig. Joachim Pötschke (1997: 142f.), 1951 Absolvent der Vorläufereinrichtung der Fakultät für Journalistik und 1977 bis 1989 Professor für Stilistik der Sprache im Journalismus, hat auf eine Vorlesung von Waldimir Ruban hingewiesen (das ist der Gastprofessor aus Kiew), die schnell gedruckt worden sei (vgl. Ruban 1954), sowie auf ein Lehrbuch der Moskauer Linguistin Elise Riesel (1959). Beide Veröffentlichungen haben auch einen Platz in den Erinnerungen von Werner Michaelis (2015) – dort allerdings lediglich als „eine gute Ergänzung zu dem, was wir selbst schon wussten“. Für diese Deutung sprechen der zeitliche Ablauf und die handelnden Personen. Deutschdozenten gab es in Leipzig schon vorher: neben Pötschke zum Beispiel Willy Michaelis, in der Weimarer Republik Volksschullehrer und in der jungen DDR zunächst in der Lehrerausbildung (ab 1951), seinen Sohn Werner, der vorher im Leipziger Raum stellvertretender Schuldirektor war (ab 1953), oder Siegfried Krahl, der von der Arbeiter- und Bauern-Fakultät in Halle kam. Diese Seiteneinsteiger „haben überlegt, was wir den Studenten mitgeben wollen. Was braucht ein Journalist? Die drei Punkte galten eigentlich bis zum Schluss: Sprachwissen, Sprachbeurteilungsvermögen, Sprachgestaltungsfähigkeiten. Der Journalist muss seine Sprache kennen. Er muss begründen können, was er warum redigiert. Und er muss überzeugend schreiben“ (Michaelis 2015). Die Veröffentlichungen von Ruban (1954) und Riesel (1959) halfen im Lehrbetrieb und lieferten Legitimation. Von einem „Moskauer Vorbild“ kann trotzdem keine Rede sein. Elise Riesel hatte mit der Journalistik nichts zu tun (sie lehrte an einer Fremdsprachenschule), und Wladimir Ruban war Pressehistoriker (vgl. Pötschke 1997: 142). Dass er auch zur Stilistik etwas sagen konnte, lässt sich mit den Schwerpunkten der Journalistikwissenschaft in der Sowjetunion erklären. Der Bedarf nach diesem Gebiet wurde aber nicht aus Moskau bestimmt, sondern von den Wünschen der Praxis in der DDR und der dort herrschenden Partei.

Die „Beherrschung der deutschen Sprache“ ist denn auch eine der drei Säulen der Reform von 1955, beschlossen vom Sekretariat des ZK der SED am 7. September, vorbereitet durch die zentrale Delegiertenkonferenz des VDP am 12. Februar, durch Interventionen aus der Praxis und durch die Abteilung Agitation. Die anderen beiden Säulen: „journalistische Fähigkeiten“ und „gediegene fachliche Kenntnis“ [51]. Begabung: Dieser Wunsch zieht sich durch alle Papiere in dieser Sache. Um zu sichern, dass keine Luschen nach Leipzig kommen und tatsächlich „stilistisch begabte Journalisten“ ausgebildet werden können, wie eine Kommission im Staatlichen Rundfunkkomitee im Juni 1955 wünscht [52], müssen Bewerberinnen und Bewerber fortan mindestens ein Jahr in einer Redaktion gearbeitet haben. Noch kein Volontariat, aber ein Praktikum. Die Ausbilder reagieren dabei auch auf das, was sie mit dem Jahrgang von Ingeborg Schmidt und Brigitte Klump in den ersten Monaten erlebt haben. Im Herbst 1954 seien „fast nur 18jährige Oberschüler“ an die Universität gekommen, „die weder über genügende Reife noch über ausreichende Erfahrungen in gesellschaftlicher Arbeit verfügen“, heißt es im Juni 1955 in einem internen Fakultätspapier. Wenn es „eine Art Vorpraktikum“ geben würde, wäre erstens schnell klar, ob sich die Leute tatsächlich eignen. Und zweitens müsste die Fakultät ihren Studenten nicht mehr beibringen, wie man Zeitung liest, und die „primitivsten journalistischen Begriffe“ diskutieren [53].

In den 1950er Jahren in Leipzig Journalistik studieren: Das hieß auch, flexibel zu sein. Beständig ist nur der Wandel. In fast jeder Sitzung des Fakultätsrats wird über die Lehre diskutiert. Wie lang sollen Referate sein, was ist die Pflichtliteratur, was wird wie geprüft? Warum kommen nicht alle Studenten zu den Vorlesungen und wie schaffen wir es, dass sie sich besser auf die Seminare vorbereiten? Was machen wir mit den Studenten, „die nicht schreiben können“? Sollen wir „die sprachliche und stilistische Seite“ auch bei anderen Seminararbeiten mitbewerten? Verhandelt wird Studentenkritik, im Oktober 1955 etwa zu den Vorlesungen „Agrarökonomik“ und „Neueste Geschichte“, oder auch ganz generell [54]. Diese Kritik erreicht keineswegs nur FDJ-Gruppe, Parteigruppe und Dekan, sondern auch das Staatssekretariat für Hochschulwesen in Berlin – im Dezember 1954 zum Beispiel über den Rat des Bezirkes Frankfurt/Oder und einen „VdN-Kameraden“, dessen Tochter sich in Leipzig überlastet fühlt: „Mir steht ein Nachmittag zur Verfügung, an dem ich für acht Fächer arbeiten muss. (…) Ansonsten schlagen wir uns mit Leitartikeln, Kommentaren usw. herum, alles ohne Anleitung, weil der Plan erfüllt werden muss. Proteste blieben bisher ohne Erfolg“ [55].

Das Dauerbasteln am Lehrprogramm, das sich in den Akten in zahlreichen Entwürfen für immer neue Studienordnungen niederschlägt, hat nur punktuell etwas mit Druck von oben zu tun. 1950 die Installierung von Eduard Schulz, 1955 der Reformbeschluss des ZK-Sekretariats. Im Alltag der Fakultät sind die Erfahrungen wichtiger, die Lehrkräfte und Studenten vor Ort sammeln, und das, was die Redaktionen melden, die mit den Absolventinnen und Absolventen arbeiten müssen. An den vier Eckpfeilern des Studiums wird dabei nicht gerüttelt: Marxismus-Leninismus, Pressegeschichte, deutsche Sprache und Literatur, Praxis. Die Gewichte allerdings verschieben sich in Richtung redaktionelles Handwerk. Sofort gefruchtet hat dabei auch die große Reform von 1955 nicht. Wie sollte sie auch, wenn auf dem Katheder Autodidakten stehen, die selbst noch nicht genau wissen, was sie den Studenten am besten anbieten, wenn diese Studenten zwar Eifer mitbringen und guten Willen, aber kaum akademischen Background und manchmal nur das, was die Neulehrer in den Nachkriegsschulen ihnen erzählt haben, und wenn die Praxis skeptisch bleibt. Ingrid Kirschey-Feix, Jahrgang 1950, hört noch 1969 als Volontärin bei der Jungen Welt, dass Leipzig für sie bestimmt „nicht die wahre Erfüllung“ werde. „Wissen, dass man in der Praxis nicht braucht“ (Meyen & Fiedler 2011: 211).

Im Dezember 1957, knapp zweieinhalb Jahre nach der Reform von 1955, zieht die Abteilung Agitation/Propaganda des ZK der SED trotzdem eine eher positive Zwischenbilanz. Zwar sei es noch nicht ausreichend gelungen, „erfahrene Journalisten aus der Praxis“ zur Mitarbeit zu bewegen, und die „politische Ausbildung und Erziehung der Studenten“ sei nach wie vor „mangelhaft“ (vor allem bei denen, die „direkt von der Oberschule zum Studium“ gekommen seien und in Leipzig keine Funktion bekleiden), „die übergroße Mehrheit der Absolventen“ aber (seit 1951 insgesamt 374 im Direktstudium) habe sich bewährt. „Nach etwa einem Jahr Praxis werden die meisten zu vollwertigen Redakteuren“. [56]

 

5 Die Erfindung der Journalistik durch die Aufbaugeneration

Dass die Journalistik nach 1945 in Leipzig von Praktikern etabliert und erst von ihren Studenten zu einer Wissenschaft gemacht wurde, ist keine Besonderheit der DDR (vgl. Meyen & Wiedemann 2017). Bevor sich das Fach in den USA ab den 1960er Jahren an den Normen der führenden Forschungsuniversitäten orientierte und vor allem auf psychologische Theorien sowie elaborierte Verfahren der Datenauswertung setzte (vgl. Meyen 2012), wurden die akademischen Journalistenschulen von Journalisten wie Carl Ackerman (Columbia University), Walter Williams (University of Missouri) oder Raymond B. Nixon (University of Minnesota) geleitet – ausgerichtet vor allem auf handwerkliche Fähigkeiten und nicht auf wissenschaftliches Kapital (vgl. Rogers 1994). In der Bundesrepublik löste die Zeitungs- und Publizistikwissenschaft ihre Existenz-Krise nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Berufung von Praktikern, die in Gesellschaft und Universität allein mit ihrem Namen (und nicht mit ihrer akademischen Reputation) helfen sollten, den Ruf des Fachs aufzupolieren. Otto B. Roegele zum Beispiel hatte 1945 noch vor Kriegsende zwei Doktortitel in Medizin und Philosophie erworben. Den Ruf auf den Lehrstuhl für Zeitungswissenschaft in München verdankte er vor allem seiner Position in den katholischen Medien (vgl. Löblich 2010).

Einige der Leipziger Gründer hatten nicht einmal einen Doktortitel oder promovierten in vergleichsweise hohem Alter (kurz bevor sie Professoren wurden). Auch Hermann Budzislawski (der einzige Journalistikprofessor in der DDR, der noch unter Weimarer Bedingungen promoviert hatte und seinen professionellen Ruhm zugleich der bürgerlichen Presse verdankte) fiel als wissenschaftliches Vorbild aus. „Das habe ich mir selbst gesucht“, antwortete Karl-Heinz Röhr (2015) auf die Frage nach seiner Dissertation, in der es um die Presse im Fernsehzeitalter ging. Bei Werner Michaelis (2015) lief es ganz ähnlich. Budzislawski war zwar offiziell sein Betreuer, als akademischen Lehrer mag er ihn im Rückblick aber trotzdem nicht bezeichnen. „Das wäre zu viel gesagt, obwohl ich ihn als gestandenen Journalisten verehrt habe. Als Doktorvater hat er sich nicht allzu viel mit mir abgegeben. Vielleicht gab es mal einen Literaturtipp“. Auch Hans Poerschke (2015) konnte niemanden nennen, von dem er wissenschaftliches Arbeiten gelernt hat. „Uns wurde ja sehr schnell Verantwortung übertragen“. Und das Promotionsthema? „Das ist eine eigenartige Geschichte. Irgendein Thema war für mich vorgesehen. Ich habe alleine vor mich hin gearbeitet und bin davon abgekommen“.

Vor diesem Hintergrund ist es gut nachvollziehbar, warum Eigengewächse wie Karl-Heinz Röhr, Hans Poerschke oder Klaus Preisigke die Leipziger Journalistikwissenschaft ohne Hilfe von erfahrenen Mentoren selbst erfinden mussten oder konnten. In ihrer Mehrheit nach 1930 geboren und deshalb ohne Verstrickung in die Verbrechen der Nazizeit, gehörten diese Professoren zur Aufbaugeneration der DDR – zu der Generation, die die DDR bis zum Fall der Mauer trug. Um zu verstehen, warum die SED für die akademische Journalistenausbildung auch auf Menschen setzen musste, die aus dem Krieg zurückkamen oder in der Hitlerjugend waren, genügt ein Blick auf die Personalreserven der Partei. Es waren viele Positionen zu besetzen, und viele der besten Kommunisten waren von den Faschisten ermordet worden. Der Aufbaugeneration erlaubte dies schnelle Karrieren, von denen ihre Eltern und sie selbst nie zu träumen gewagt hatten und die sie an die DDR banden. Lutz Niethammer (1994) hat von einem „kollektiven Bildungsroman“ gesprochen – eine Erfahrung, die für die nachfolgenden Generationen schon deshalb nicht zu wiederholen gewesen sei, weil die neuen Eliten wie eine „Bleiplatte“ auf der Gesellschaft gelegen hätten.

Die Zeitzeugeninterviews illustrieren dieses Bild. Werner Michaelis und Fritz Beckert waren schon mit Anfang 20 Schuldirektoren und selbst auf der Suche nach qualifizierten Leuten, und Karl-Heinz Röhr wurde mit noch nicht einmal 18 Jahren beim Neuen Deutschland für den Nachtdienst in der Außenpolitik eingeteilt, als Politbüromitglied Fred Oelßner nach den Ereignissen vom 17. Juni 1953 in der Redaktion auftauchte. Es liegt allerdings auf der Hand, dass der Wunsch nach einer ‚reinen‘ Herkunft (Arbeiterkind, keine Westverwandten) die Personalauswahl und damit die Möglichkeit von akademischen Spitzenleistungen genauso einschränkte wie der Zwang, sehr viele Spitzenpositionen in sehr kurzer Zeit füllen zu müssen. Ehrgeizige junge Leute, die von Genossen angeleitet wurden, die sich zwar in der Parteiarbeit, in der Agitation und im Kampf gegen den Faschismus bewährt hatten, aber wenig von dem mitbrachten, was an einer Universität eigentlich gebraucht wird: Diese Konstellation erklärt sowohl die Unzufriedenheit vieler Studierenden (vgl. Klump 1991) als auch die anhaltenden Diskussionen um das Ausbildungskonzept. „Das Studium war mit Pressegeschichte überfrachtet, was immerhin für die Allgemeinbildung ganz nützlich war“, sagte Klaus Preisigke (2015), der sich 1961 für Journalistik einschrieb. „Was aber das eigentliche Fach angeht, die journalistische Methodik: Das war damals sehr dürftig“. Um 1969 (15 Jahre nach Gründung der Fakultät) das journalistische Übungssystem installieren zu können, das bis zur Abwicklung der Sektion Journalistik Bestand hatte, brauchte es die Studenten von Hermann Budzislawski und seinen Kollegen.

Das wissenschaftliche Feld war in der DDR allerdings nicht autonom, sondern immer dem Primat der Politik untergeordnet. Das gilt zwar bis zu einem gewissen Grad auch für die westdeutsche Kommunikationswissenschaft, wo mindestens bis zum Mauerfall häufig nach Parteibuch und politischer Loyalität berufen wurde (vgl. Meyen & Löblich 2007), in der DDR aber griff die SED sehr viel weiter in die Personalrekrutierung ein. Zum einen blieben Dekan und (ab 1969) Sektionsdirektor politische Positionen, die nicht mit herausragenden Wissenschaftlern besetzt wurden, sondern mit Parteiarbeitern, die sich in der Medienpraxis bewährt hatten (Ausnahme: Franz Knipping, vgl. Meyen & Wiedemann 2017: 1850). Zum anderen wurden die Absolventen dort eingesetzt, wo es den jeweils zuständigen Funktionären gerade sinnvoll zu sein schien. Akademische Karrieren waren deshalb weit weniger planbar als in der Bundesrepublik oder in den USA. Bei Hans Poerschke (Jahrgang 1937) zum Beispiel „hat sich buchstäblich am letzten Tag entschieden“, dass er nach dem Studium an der Fakultät blieb und nicht zu einem Blatt der Nationalen Volksarmee geschickt wurde. Warum nicht die Praxis? „Keine Ahnung. Man wurde ja eingesetzt. Für mich war es selbstverständlich, dass das so läuft“. Ziemlich ähnlich erlebte Poerschke dann einen dreijährigen Ausflug in den FDJ-Apparat, bevor er in die Wissenschaft zurückkehrte, promovierte und zum führenden Leipziger Theoretiker avancierte (vgl. Poerschke 2015). Günter Raue (1938 bis 2015) wurde nach der Promotion zum Neuen Deutschland delegiert. Bevor er zwölf Jahre später als Dozent nach Leipzig zurückkam, arbeitete Raue als Auslandskorrespondent (in Moskau) und als Wissenschaftsredakteur. Ganz ähnlich lief es bei Jürgen Grubitzsch (Jahrgang 1937), der auf 26 Jahre in leitenden Redaktionspositionen verweisen konnte, als er 1988 Professor für journalistische Methodik wurde. Die Karriere von Frank Knipping (1931 bis 2015) verlief dagegen in die umgekehrte Richtung. Knipping war Professor und kurzzeitig sogar Dekan der Leipziger Fakultät (1965 bis 1967) gewesen, als ihn die Partei 1968 als Abteilungsleiter zum Neuen Deutschland schickte. Er blieb in Leipzig zwar Gastdozent, kehrte aber nie mehr auf seine Professur zurück.

Für das Selbstverständnis (einen wesentlichen Teil des Habitus) der jüngsten Leipziger Professorengeneration blieb es nicht folgenlos, dass die politische Arbeit zuerst kam und der Posten an der Universität eine (eher zufällige) Folge von Talent und Personalbedarf war. Das durchschnittliche Promotions- und Habilitationsalter war zwar eher hoch (Anfang 30 und Mitte 40), die Eigengewächse waren aber die ersten Journalistikprofessoren in der DDR, die formal für diese Position qualifiziert waren. Wie ihre Vorgänger, die angetreten waren, Journalisten für eine neue Gesellschaft auszubilden, sahen auch die Eigengewächse Forschung als eher zweitrangig an. „Erzieher war ich gern“, sagt Karl-Heinz Röhr (2015) heute. „Ich habe gern unterrichtet. Fragen stellen, moderieren, Dinge erklären, auch wenn mir die praktische Erfahrung manchmal fehlte“. Auch Klaus Preisigke (2015) konzentrierte sich auf die Ausbildung: „Ich war gern Hochschullehrer, mit Liebe und Engagement. Ich bin mehrfach ausgezeichnet worden für gute Nachwuchsförderung. Meine Leute wussten, dass ich sie zum Ziel führen werde“. Preisigke ist bis heute stolz auf das Lehrbuch zur journalistischen Methodik, bei dem er das Autorenkollektiv (1985) geleitet hat. „Sachlich-faktisch ist das auf einem guten Niveau. Das kann mit den Hallers mithalten (vgl. Haller 1983, 1987). Das Ganze ist aber ideologisch überfrachtet“.

 

6 Fazit: Die Fakultät für Journalistik in den 1950er Jahren

Es ist an dieser Stelle nicht nötig, die Thesen aus der Einleitung zu wiederholen. Natürlich war die Fakultät für Journalistik eine Schule der Partei: Hier wurde der Nachwuchs ausgebildet, der in der Presse, im Hörfunk und im Fernsehen für die SED und ihren sozialistischen Staat werben sollte. Die Parteiführung in Berlin hat den Rahmen für diese Schule gesetzt: Wie viel Personal gibt es und wer gehört dazu, wie viele Absolventen brauchen wir und was müssen diese Absolventen am Ende können. Zu diesem Rahmen gehören auch das Desinteresse der Parteispitze an Daten zu Medieninhalten und zur Mediennutzung sowie ihr Wunsch, dass die Leipziger Absolventen in einem gelenkten Mediensystem funktionieren (vgl. Meyen & Wiedemann 2017: 1851). Die politische Logik wurde aber durch die Logik des akademischen Feldes gebrochen, das sich auch in der DDR nicht ausschließlich an den Vorgaben der führenden Partei ausrichtete, sondern zugleich an wissenschaftlichen Standards, die nicht zuletzt in der deutschen Universitätstradition wurzelten. Das heißt: Die Funktionäre, die an der neuen Fakultät Professoren wurden, mussten sich entweder akademisch qualifizieren oder aber die Universität wieder verlassen. Dass die Pläne für eine selbständige Hochschule immer wieder scheiterten (zunächst an der Personalkonstellation und später dann auch an dem Widerstand, den einmal geschaffene Strukturen immer leisten), bedeutete langfristig die Geburt der DDR-Journalistikwissenschaft. Väter und Mütter waren die Studierenden der 1950er und frühen 1960er Jahre, die von der Partei auf eine Professorenlaufbahn geschickt wurden und als erste eine komplette akademische Karriere in der neuen Disziplin durchlaufen konnten, mit Promotion und Habilitation (vgl. Meyen & Wiedemann 2017).

Dass das Ministerium für Staatssicherheit in der Analyse nicht erwähnt wurde, hat einen einfachen Grund: Es war nicht präsent. Christian Schemmert und Daniel Siemens (2013: 228) haben gezeigt, dass überhaupt nur drei Mitarbeiter für die gesamte Universität Leipzig zuständig waren, als Brigitte Klump dort Studentin wurde. An der Fakultät für Journalistik habe es Anfang 1955 einen einzigen „Geheimen Informator“ gegeben, wobei die Behörde seinerzeit ganz generell über die fehlende Qualifikation ihrer Leute klagte, über Unfähigkeit und über „Verzettelung“. Auch wenn die Stasi 1955 auf keiner Ebene mit der Stasi von 1989 gleichzusetzen ist (vgl. Kowalczuk 2014), haben Schemmert und Siemens (2013: 231) selbst aus der Anwesenheit dieser wenigen und offenbar überforderten Mitarbeiter weitreichende Konsequenzen abgeleitet. Aus Sicht der Staatssicherheit sei es damals gar nicht so wichtig gewesen, IMs zu gewinnen oder irgendwie verwertbare Informationen. Die Studenten sollten vielmehr direkt oder indirekt „von der Aufgabe und Machtfülle des DDR-Geheimdienstes erfahren“ und außerdem lernen, „diese Rolle des Staatssicherheitsdienstes nicht öffentlich (zu) thematisieren.“

Das ist schwer zu widerlegen. Menschen erleben jede „institutionalisierte Welt“ als „objektive Wirklichkeit“ und internalisieren die entsprechende Ordnung im Prozess der Sozialisation, um dann ihr Verhalten daran auszurichten und das „Wissen“ an die nächste Generation weiterzugeben – vor allem dann, wenn die Ordnung legitimiert ist, wenn es symbolische Sinnwelten gibt, die für Rechtfertigung sorgen (Berger/Luckmann 2016: 64f.). Ingeborg Schmidt, Heinz Halbach, Franz Knipping, Karl-Heinz Röhr, selbst Brigitte Klump: Für all diese Studenten war die „institutionalisierte Welt“ der jungen DDR weit größer als die Stasi. Studienplatz, Rundumbetreuung und Stipendium. Antifaschisten, die zwar als Professoren dilettierten, aber qua Lebenslauf unantastbar waren. Aufstiegsversprechen sowie früh Vertrauen und Verantwortung, für Seminare, für Zeitungen. Eine solche „institutionalisierte Welt“ hält man vor allem dann für legitim, wenn man erlebt, wie sie entsteht. Die Nachgeborenen brauchen mehr. Argumente und Sinn. Jede „institutionelle Ordnung“ muss „einer neuen Generation vermittelt werden“, muss auch dort die „Würde des Normativen“ bekommen (Berger/Luckmann 2016: 100). Dass die Lebensbahnen von DDR und Aufbaugeneration parallel verlaufen sind, sagt in der Sprache des Sozialkonstruktivismus: Die Legitimierung der symbolischen Sinnwelt Sozialismus ist später misslungen – auch den ersten Absolventen der Fakultät für Journalistik.

Was in Leipzig gelehrt wurde, hatten die Beteiligten vor Ort miteinander auszukämpfen. Um im Detail mitreden zu können, fehlten der Parteiführung in Berlin Personal und Wissen. Immer präsent waren dabei die Wünsche der Praxis. Das journalistische Feld wurde in der DDR zwar weit stärker von der politischen Logik dominiert als das wissenschaftliche Feld (vgl. Meyen & Fiedler 2011), in den Redaktionen vor Ort brauchte man aber am Ende Leute, die das Handwerk beherrschten. Themen finden, schreiben und fotografieren, redigieren, Seiten und Sendungen bauen. Deshalb war Talent bei der Auswahl von Anfang an genauso wichtig wie die Gesinnung. Die Sowjetunion wiederum konnte schon deshalb kaum als Folie dienen, weil die Zeitungen anders arbeiteten und die Sprachwissenschaftler, die zum Beispiel in Moskau das Sagen hatten, Praxiskurse an der Universität ablehnten. Die Leipziger Fakultätsgründer um Hermann Budzislawski knüpften hier eher an die Tradition des Instituts für Zeitungskunde von Karl Bücher an (vgl. Schlimper 2007) sowie an die Journalistenschulen in den USA, die der erste Dekan im Exil kennengelernt hatte. Diese beiden Verwandtschaften offen zu kommunizieren (etwa in Strategiepapieren), wäre in der DDR fatal gewesen. Stattdessen verwies man lieber auf (angebliche) ‚Vorbilder‘ in Moskau, Leningrad oder Kiew und auf Beschlüsse der SED-Spitze – eine Rhetorik, die Historiker bis heute in die Irre führt.

 

Über den Autor

Dr. Michael Meyen (*1967) ist seit 2002 Professur für Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der Universität München. Er hat 1985 ein Volontariat bei der Ostsee-Zeitung absolviert, 1988 begonnen, in Leipzig Journalistik zu studieren, und 1990/91 gegen die Abwicklung der Sektion Journalistik durch die sächsische Staatsregierung demonstriert. Die DDR ist seither einer seiner Forschungsschwerpunkte (Medienlenkung, Medienangebote, Mediennutzung, kollektives Gedächtnis). Kontakt: meyen@ifkw.lmu.de

 

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Endnoten

[1] Bundesarchiv Berlin (BA), DR 3-B 14978 (Hermann Budzislawski), Bl. 22.

[2] Friedrich Behrens an das Ministerium für Volksbildung, 12. Februar 1948. Ebd., Bl. 12.

[3] ebd., Bl. 46.

[4] Rocholl, Landesregierung Sachsen, an Erich Zeigner, Oberbürgermeister von Leipzig, 1. Oktober 1948 (Entwurf); Zeigner an Rocholl, 14. Oktober 1948. Ebd., Bl. 64, 68.

[5] Budzislawski an Holtzhauer, 11. November 1949. Ebd., Bl. 89.

[6] Budzislawski an Sindermann, 24. November 1962. In: BA, SAPMO, DY 30/ IV 2/9.02/ 67, Bl. 20.

[7] Halle an Norden, 6. Januar 1950. In: BA, DR 3, 5962, nicht paginiert.

[8] Budzislawski an Kippenhagen (sic!), 13. April 1950. Ebd.

[9] Entwurf einer Studien- und Prüfungsordnung für Publizisten im Rahmen der Gewifa Leipzig, Mai 1950. In: BA, DR 3-B 14978 (Hermann Budzislawski), Bl. 96-100.

[10] Budzislawski an Wandel, 16. Juni 1950. In: BA, DR 3, 5962, nicht paginiert.

[11] Budzislawski an Kippenhagen (wie Anmerkung 8).

[12] Schulz an Kippenhahn, 20. November 1950. In: BA, DR 3, 5962, nicht paginiert.

[13] Ebd.

[14] Minister für Volksbildung, Anweisung Nr. 81 vom 8. Januar 1951, betrifft Errichtung einer Abteilung für Publizistik und Zeitungswissenschaft an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig. In: Universitätsarchiv Leipzig (UAL), Phil Fak B 01_14_50, Bd. 2, Bl. 7.

[15] Heinrich Bruhn & Horst Illmayer: Übersicht der Bedingungen für die Entwicklung von Pressekadern an der Universität Leipzig, 11. Januar 1952. In: BA Berlin, NY 5251/63 (Nachlass Eildermann), Bl. 206-224.

[16] Budzislawski an Harig, 14. Mai 1951. In: BA, DR 3-B 14978 (Hermann Budzislawski), Bl. 102.

[17] Budzislawski an Harig, 11. Juli 1951. Ebd., B. 103.

[18] Personalbogen Heinrich Bruhn vom 20. März 1951; Lebenslauf, ohne Datum; Universität Leipzig an das Staatssekretariat für Hochschulwesen, 1. März 1951. In: UAL, PA 356 (Heinrich Bruhn), Bl. 1f., 9, 30.

[19] Schöne, Kaderinstrukteur: Beurteilung des Genossen Professor Heinrich Bruhn, 29. April 1955. Ebd., Bl. 38f.

[20] Felix-Heinrich Gentzen: Bericht über die Besprechung am 2.5.1951 im Institut für Publizistik in Leipzig, 9. Mai 1951. In: BA, DR 3/5962, nicht paginiert.

[21] Eildermann an Harig, 14. Mai 1954: Antrag auf Fakultätsgründung. In: UAL, Phil. Fak B 01 14 50, Bd. 2, Bl. 61-66, hier 62-64.

[22] BA, DR 3-B 15062 (Karl Jakobi).

[23] Eildermann an Rektor Georg Mayer, 4. September 1954. In: UAL, Journ. Fak 28, Bl. 2-7, hier 4.

[24] Parteiorganisation der SED an der Karl-Marx-Universität an das Staatssekretariat für Hochschulwesen, 22. Juli 1954. In: BA, DR 3, 5958 (nicht paginiert).

[25] Vgl. Fakultät für Journalistik: Vorschriften für Promotionsverfahren an der Fakultät für Journalistik der Karl-Marx-Universität Leipzig, 7. Januar 1960. In: UAL, Journ. Fak 44, Bl. 3-10.

[26] Schad, Staatssekretariat für Hochschulwesen, an Dr. Karras, Abteilungsleiter, 4. Dezember 1956. In: BA, DR 3, 4089 (nicht paginiert).

[27] Staatssekretär für Hochschulwesen an franz Dahlem, 1. Februar 1957. Ebd. Vgl. Karras an Georg Mayer, 30. April 1957. Ebd.

[28] Vgl. Vorlage an das Sekretariat des ZK der SED, betr. Verlegung der Sektion Journalistik der Karl-Marx-Universität Leipzig von Leipzig nach Berlin und ihre Umbildung in eine „Hochschule für Journalistik“ der DDR, 15. Juli 1970. Ausgearbeitet von Georg Förster, unterschrieben von Werner Lamberz. Nicht im Sekretariat behandelt. In: BA, SAPMO, DY 30/5462, Bl. 203-207, hier 203.

[29] Vgl. Budzislawski an Georg Mayer, 24. November 1956. In: BA, DR 3-B, 13898 (Teubner), Bl. 27f.

[30] Hermann Budzislawski an Georg Mayer, 11. August 1959. In: BA Berlin, DR 3-B, 11549 (Arnold Hoffmann), Bl. 37f.

[31] Fakultät für Journalistik, Parteileitung: Ergänzungen der Kaderanalyse vom 17.3.1965, 5. Mai 1965. In: UAL, Journ. Fak. 43, Bl. 14-19, hier 14.

[32] Vgl. exemplarisch Protokollnotiz von Hans Piazza (Prorektor für Gesellschaftswissenschaften) über Besprechung bei Minister Schirmer am 14.9.76 zum Sekretariatsbeschluss vom 3.12.75. In: UAL, SJ 2, Bl. 3-7.

[33] Gutachten von Gerhard Menz, 18. August 1948. In: UAL, PA 573 (Herzfelde), Bl. 15.

[34] Rocholl, Landesregierung Sachsen, an das Ministerium für Volksbildung der DDR, Abteilungen Hochschulen und Wissenschaft, 15. November 1949. In: BA, DR 3-B, 15048 (Herzfelde), Bl. 27.

[35] Eildermann an den Rektor, 28. Februar 1953. Ebd., Bl. 77.

[36] Zeuske, Aktennotiz über ein Gespräch mit Wilhelm Eildermann, 31. Juli 1953. Ebd., Bl. 79.

[37] Budzislawski an Nultsch, Abteilungsleiter im Staatssekretariat, 8. Dezember 1955. Ebd., Bl. 175f., hier 176.

[38] Budzislawski an Bönninger, Stellvertreter des Staatssekretärs, 1. August 1958. Ebd., Bl. 114f., hier 115.

[39] CL: Ein neues Institut für Publizistik. In: Leipziger Volkszeitung vom 7. Januar 1951.

[40] Vgl. Schulz an den Leipziger Oberbürgermeister, 30. November 1950; Aktennotiz „Neues Institut für Publizistik in Leipzig“, ohne Datum (Ende 1950). In: BA, DR 3, 5962 (nicht paginiert).

[41] Gerhard Harig an die Abteilung Propaganda im ZK der SED, 8. August 1951. Ebd.

[42] Zumindest liegen die Lehrpläne der Moskauer Abteilung Journalistik (also aus der Zeit vor der Fakultätsgründung an der Lomonossow-Universität) im Leipziger Universitätsarchiv: Journ. Fak. 59, Bl. 48-51, 52f.

[43] Juschin an Eildermann, 10. Februar 1954. Ebd., Bl. 59-63, hier 63.

[44] Chudjakow an Eildermann, 21. Juli 1954. Ebd., Bl. 66.

[45] Notizen des Genossen Mießlitz, Besuch der Journalistischen Fakultät der Lomonossow-Universität am 16. September 1954. Ebd., Bl. 1-4.

[46] Bericht über die Studienreise in die Sowjetunion, 21. Mai bis 4. Juni 1957. In: BA, DY 30 / IV 2/ 9.04 /230, Bl. 1-21, hier 1f.

[47] Ordnung für das System journalistischer Übungen im Direktstudium zur Ausbildung von Diplomjournalisten. Unterschrieben von Franz Knipping, 14. Juli 1967. In: UAL, Journ. Fak 78, Bl. 1-15.

[48] Entwurf einer Studien- und Prüfungsordnung für Publizisten im Rahmen der Gewifa Leipzig, Mai 1950. In: BA, DR 3-B, 14978 (Budzislawski), Bl. 96-100, hier 97.

[49] Studienplan für das Fach Publizistik- und Zeitungswissenschaft, ohne Datum (Ende 1951). In UAL, Phil_Fak_B_01_14_50_Bd_02, Bl. 24-26.

[50] Bodesheim: Bericht über die Kontrolle des Berufspraktikums der Publizistik-Studenten des 2. Studienjahres in der Redaktion des ND, 28. Juni 1952. In: BA, DR 3, 5962 (nicht paginiert).

[51] Horst Sindermann: System der Qualifizierung journalistischer Kader durch den Verband der Deutschen Presse. Vorlage an das Sekretariat, 2. September 1955. In: BA, DY 30/J IV 2/3A, Bl. 180-183, hier 180. – Vgl. VDP: Richtlinien für die Einstellung, Ausbildung und Prüfung der Mitarbeiter der dem. Presse. Beschlossen auf der außerordentlichen Zentralen Delegiertenkonferenz des VDP am 12.2.1955. Ebd., Bl. 184-197; Abteilung Agitation: Beschluß über die Reorganisation der Fakultät für Journalistik. Vorlage für das Sekretariat, 26.8.1955. Ebd., Bl. 198-201.

[52] Kommission für Ausbildung, 29. Juni 1955. In: BA, DR 6, 288 (nicht paginiert).

[53] Zur Immatrikulation für das Studium der Journalistik, 6. Juni 1955. In: UAL, Journ. Fak 78, Bl. 1-3.

[54] Fakultät für Journalistik: Protokoll der Fakultätsratssitzung vom 22. September 1955, S. 2. Ebd.

[55] Rat des Bezirkes Frankfurt/Oder an das Staatssekretariat für Hochschulwesen, 1. Dezember 1954. In: BA Berlin, DR 3, 5958 (nicht paginiert).

[56] odr.: Der Volksmund spricht vom „Roten Kloster“. Ein Besuch in der Fakultät für Journalistik der Leipziger Karl-Marx-Universität. In: FAZ vom 1. Oktober 1955.