Think Tanks und Kriegsberichterstattung Zum Umgang ausgewählter deutscher Medien mit dem US-Think Tank ISW im Kontext des Russland-Ukraine-Kriegs

Von Matteo Emmanuello | Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 hat der Konflikt massive humanitäre Konsequenzen und stellt die Kriegsberichterstattung vor besondere Herausforderungen: Komplexe Informationslagen, strategische Einflussnahme und die Rolle nichtstaatlicher Think Tanks prägen die öffentliche Wahrnehmung. Die Arbeit untersucht, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Die Zeit und tagesschau.de ISW-Lageberichte (2022–2025) nutzen und welche Folgen dies für journalistische Qualität und Framing hat. Das ISW betreibt strategische Kommunikation, indem es durch selektive Problem- und Verantwortungs-Frames sowie ökonomisch-militärische Deutungen den Konflikt als Ressourcenkonflikt mit klaren »Gut-Böse«-Dichotomien darstellt. Medien übernehmen diese Frames häufig unkritisch, präsentieren das ISW als neutrale Autorität, ohne Quellenpluralität, transparente Einordnung seiner politischen Haltung oder Reflexion seiner Nähe zur US-Rüstungsindustrie. Zwar werden ISW-Informationen meist quellentransparent gekennzeichnet, doch dominieren Paraphrasen ohne eigene Kontextualisierung, besonders bei Kartenmaterial. Diese Praxis kann die demokratische Funktion des Journalismus in Kriegszeiten untergraben, wenn Medien eher Verstärker strategischer Kommunikation als kritische Vermittler sind. Die Studie, die im Rahmen einer Bachelorarbeit entstanden ist, leistet einen Beitrag zur Medien- und Konfliktforschung, fordert reflektierte Quellenkritik und die Entwicklung von Standards im Umgang mit geopolitisch positionierten Akteuren.