Dein Vibe – neuer Standard oder Hype? Journalistische Glaubwürdigkeit in der Digitalen Öffentlichkeit

Von Katja Schupp und Mirco Liefke | »Die zentrale Frage ist: Wie weit soll regulierend eingegriffen werden – und wie weit kann man die Resilienz der Beteiligten stärken?« eröffnete Michael Haller sein Statement beim ersten Leipziger Mediengespräch des Europäischen Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung (EIJK). Ausgehend von Erfahrungen von Journalistinnen und Journalisten sowie Forschenden aus Deutschland und den USA wurden Ansätze vorgestellt, die auf Regulierung, Medienbildung, Resilienzförderung und partizipative Projekte zwischen Publikum und Journalismus setzen. Die Journalistik dokumentiert das Gespräch auf der Basis des bearbeiteten Audioskripts. Die Herausforderungen, denen sich Journalistinnen und Journalisten durch Hassrede, Anfeindungen und Plattformlogiken gegenübersehen, diskutierten die Gäste des ersten Leipziger Mediengesprächs Ende April 2026 auf dem Mediencampus Villa Ida in Leipzig-Gohlis, moderiert von Gabriele Hooffacker (HTWK Leipzig). Prof. Stine Eckert (Wayne State University, Detroit), Prof. Michael Haller (Europäisches Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung EIJK), Dr. Judith Kretzschmar (Univ. Leipzig) und Michael Krell (TU Dresden) sprachen über die Situation in Deutschland und den USA und stellten konkrete Lösungsansätze vor.

Think Tanks und Kriegsberichterstattung Zum Umgang ausgewählter deutscher Medien mit dem US-Think Tank ISW im Kontext des Russland-Ukraine-Kriegs

Von Matteo Emmanuello | Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 hat der Konflikt massive humanitäre Konsequenzen und stellt die Kriegsberichterstattung vor besondere Herausforderungen: Komplexe Informationslagen, strategische Einflussnahme und die Rolle nichtstaatlicher Think Tanks prägen die öffentliche Wahrnehmung. Die Arbeit untersucht, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Die Zeit und tagesschau.de ISW-Lageberichte (2022–2025) nutzen und welche Folgen dies für journalistische Qualität und Framing hat. Das ISW betreibt strategische Kommunikation, indem es durch selektive Problem- und Verantwortungs-Frames sowie ökonomisch-militärische Deutungen den Konflikt als Ressourcenkonflikt mit klaren »Gut-Böse«-Dichotomien darstellt. Medien übernehmen diese Frames häufig unkritisch, präsentieren das ISW als neutrale Autorität, ohne Quellenpluralität, transparente Einordnung seiner politischen Haltung oder Reflexion seiner Nähe zur US-Rüstungsindustrie. Zwar werden ISW-Informationen meist quellentransparent gekennzeichnet, doch dominieren Paraphrasen ohne eigene Kontextualisierung, besonders bei Kartenmaterial. Diese Praxis kann die demokratische Funktion des Journalismus in Kriegszeiten untergraben, wenn Medien eher Verstärker strategischer Kommunikation als kritische Vermittler sind. Die Studie, die im Rahmen einer Bachelorarbeit entstanden ist, leistet einen Beitrag zur Medien- und Konfliktforschung, fordert reflektierte Quellenkritik und die Entwicklung von Standards im Umgang mit geopolitisch positionierten Akteuren.