Von Jörg-Uwe Nieland und Hektor Haarkötter
Abstract: Wer sich fragt, warum die Kommunikationswissenschaft als »öffentliche Wissenschaft« in den Medien so wenig thematisiert wird, muss die Thematisierungsfunktion der Medien kritisch hinterfragen. Seit bald 30 Jahren nimmt sich die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. dieser Aufgabe an und stellt sich dem Einfluss der sogenannten Künstlichen Intelligenz, der Desinformation sowie der Macht der Plattformen, der Ohnmacht der Rezipient:innen wie auch der Wissenschaft entgegen. Im Sinne einer transformativen öffentlichen Forschung publiziert die Initiative nach gemeinsamer Recherche und Diskussion von Wissenschaftler:innen, Journalist:innen und Expert:innen jährlich eine Liste vernachlässigter Nachrichten. Nachrichtenaufklärung wird verstanden und praktiziert als Kritik an der fehlenden Thematisierung und der Unterdrückung von Nachrichten und Diskursen. Nachrichtenvernachlässigung ist so gesehen auch eine Kategorie von Desinformation. Der Beitrag stellt die Forschungserträge zur »negativen Nachrichtenwerttheorie«, zu »Agenda Cutting« sowie zu »Junk News« vor.
Keywords: Nachrichtenaufklärung, journalistische Selbstreflexion, Agenda Cutting, Negativer Nachrichtenwert, Junk News
Anlässlich des dreihundertsten Geburtstags von Immanuel Kant sei an die Essenz seines Nachdenkens über Aufklärung erinnert: Der Weg »aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit« (Kant 1999: 19) setzt erstens den öffentlichen Gebrauch der Vernunft voraus und ist zweitens als ein offener Prozess zu begreifen (vgl. Frick 2021: 25). Dieser Grundgedanke der europäischen Aufklärung sollte auch Fixstern für die Medien- und Kommunikationswissenschaft sein (vgl. Haarkötter/Nieland 2018b: 3).
»Öffentliche Wissenschaft« als öffentlicher Gebrauch der Vernunft
Aufklärung in Zeiten der Verdunkelung, um es etwas pathetisch auszudrücken, bleibt das vornehme Ziel dieser Anstrengungen. Denn verglichen mit den Zuständen im 17. und 18. Jahrhundert sind heute »Ignoranz und politische Unfreiheit nur anders verpackt und es steht ungleich viel mehr auf dem Spiel« (Bloom 2023: 42). Auch weil, wie der ehemalige Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit schreibt, »ein Teil des Publikums die Insel des zuverlässigen Journalismus im Ozean der sozialen Medien seltener ortet und ansteuert« (de Weck 2024: 180). Die Verdunkelung und das wachsende Unbehagen, das etwa der Soziologe Armin Nassehi konstatiert (vgl. Nassehi 2021: 12), erfordern Gegengewichte: einerseits einen standfesten Journalismus trotz Medienkrise, Boulevardisierung und faktenfernen Denkstils sowie andererseits eine Kommunikationswissenschaft, die kritisch, öffentlich und transformativ auftritt.
Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) beschreibt transformative Forschung als einen »gesellschaftlichen Suchprozess«, der Akzeptanz, Legitimation und Partizipation erfordert (zit. n. Krüger/Meyen 2018: 351). Eine transformative Kommunikationswissenschaft setzt sich nach diesem Verständnis mit wissenschaftlichen Mitteln für gesellschaftspolitische Belange ein. Sie untersucht, welche Akteure, Strukturen und Prozesse im Bereich der öffentlichen Kommunikation Transformationen behindern und welche Akteure, Strukturen und Prozesse Transformationen fördern – um sie durch fachöffentliche Aufmerksamkeit und andere Maßnahmen zu stärken (vgl. Krüger/Meyen 2018: 351). Die in Deutschland gegründete »Initiative18« setzt sich dafür ein, dass freie, sichere und nachhaltige Medien als das 18. Nachhaltigkeitsziel in die Liste der aktuell 17 »development goals« der Vereinten Nationen aufgenommen und gefördert werden (vgl. Initiative18 2024). Sie versteht diese Weiterentwicklung des Zielkatalogs als Beitrag zur gesellschaftlichen Transformation, weil angesichts der Macht der Plattformen die Sicherstellung von Presse- und Rundfunkfreiheit sowie der Erhalt der Medienvielfalt wesentlich zur nachhaltigen Entwicklung beitrügen. Dazu zählt für die Initiator:innen auch und gerade die »Bekämpfung von Desinformation und schädlichen Inhalten« (vgl. Initiative18 2024), was auf die starke Rolle kommunikationswissenschaftlicher Forschung in diesem Feld verweist.
Tatsächlich greift auch die Charta des »Vereins Öffentliche Medien- und Kommunikationswissenschaft« (2019) diesen Aspekt auf. In Paragraf 9 dieser Charta heißt es: »[G]esellschaftliche Akteure sollen im Forschungsprozess mitwirken können.« So soll öffentliche Medien- und Kommunikationswissenschaft befähigt werden, »sich aktiv an der Bearbeitung gesellschaftlicher Probleme und Herausforderungen zu beteiligen« (vgl. Krainer 2022: 4).
Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. hat das programmatische Ziel, verschiedene an der Nachrichtenproduktion Beteiligte zusammenzubringen, und bezieht in ihrer Arbeit auch unterschiedliche gesellschaftliche Akteure ein. Die Initiative bemüht sich um einen offenen und auf Transformation ausgerichteten Dialog zwischen (Sozial-)Wissenschaftler:innen, Expert:innen aus der journalistischen Praxis und der interessierten wie engagierten Öffentlichkeit. Sie bezieht Stellung gegen auch durch künstliche Intelligenz konstruierte Desinformationen und vernetzte Verschwörungsmythen (vgl. Ludes 2018a: 17; Nieland 2022: 3). Ferner betreibt sie eine aktive Medienkritik, indem sie die Perspektiven der journalistischen Selbstkritik mit der Kritik von Wissenschaft oder Medienpublikum zusammenbringt (vgl. Hasebrink/Beaufort/Oehmer-Pedrazzi 2021: 451f., 445f.).
Hauptbetätigungsfeld der INA ist die Beschäftigung mit Themen und Diskursen, die von den Medien vernachlässigt werden – kurz: die Thematisierung der Nicht-Thematisierung. Bei aller positiven Resonanz, die die Arbeit der Initiative in der scientific community sowie den Medien erfährt, könnten und sollten noch weitere Kooperations- und Diskussionspartner gerade aus der Medien- und Kommunikationswissenschaft gefunden werden. Denn auf solche Partner ist die Initiative angewiesen, schon um die an Universitäten und Hochschulen angesiedelten Rechercheseminare garantieren zu können, in denen nach vernachlässigten Themen und Diskursen geforscht wird. Die Zwänge der modularisierten Stundenplangestaltung, einseitige Forschungsorientierung vieler Institute und auch einzelner Wissenschaftler:innen erschweren eine größere Anschlussfähigkeit der INA. Das ist Grund genug, in diesem Beitrag die Initiative, ihren Anspruch, ihre Arbeitsweise und die Befunde ihrer Begleitforschung zur Nachrichtenaufklärung vorzustellen und damit für ein Engagement weiterer Kolleg:innen aus verschiedenen Disziplinen zu werben. Dies dient vor allem dazu, den (interdisziplinären) Anspruch einer kritischen, transformativen Wissenschaft einlösen zu können. Der vorliegende Aufsatz befasst sich nicht nur mit öffentlicher, transformativer Wissenschaft, sondern er möchte auch selbst zur Öffentlichkeit beitragen oder sie herstellen, vergrößern, erweitern – er tut also das, wovon er handelt.
Zur Rolle der Kommunikationswissenschaft in Krisenzeiten
Veränderungen und Krisen, denen moderne Gesellschaften immer häufiger ausgesetzt sind, fordern die Sozialwissenschaften heraus. Zur Bewältigung dieses Phänomens, das bereits als »Multikrise« identifiziert worden ist (Brüning 2024: 176), sind mindestens drei verschiedene Maßnahmen erforderlich: Notwendig sind erstens Diagnosen, die idealtypisch Begriffe ableiten, Theorieangebote diskutieren sowie auf quantitative wie qualitative Studien gestützt sind. Zweitens gilt es abzuschätzen, ob nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Gesellschaft über die Ressourcen und Strukturen verfügt, Veränderungen und Krisen zu beschreiben und zu meistern. Drittens tut eine gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit den Veränderungen und Krisen not (vgl. Dickel 2020: 79). Krisen fordern laut Nassehi (2020: 33) die verschiedenen Kontrollverhältnisse einer Gesellschaft heraus – Kontrollverhältnisse, die Kontinuität in der diskontinuierlichen Welt bewahren sollen.
Angesichts der gravierenden Herausforderungen durch die Klimakrise oder die Kriege in der Ukraine und im Nahen und Mittleren Osten sind die Prinzipien der Demokratie – wie politische Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Minderheitenschutz und Partizipation – bedroht (vgl. Krüger/Meyen 2018: 349). Deshalb ist eine Reflexion darüber notwendig, welche Auswirkungen dies auf die Rolle der Medien in der Öffentlichkeit hat und was es für die Qualität demokratischer Medien bedeutet (vgl. Eisenegger/Udris 2021: 93ff.). Zudem stellt sich die Frage, wie den sich wandelnden Anforderungen an die Beobachtungs- und Kommunikationsleistung der Medien begegnet werden kann (vgl. Beaufort 2021: 71).
Zuallererst hat sich die Kommunikationswissenschaft mit den Veränderungen und Krisen der Medien und des Journalismus zu beschäftigen. Hier ist zu diskutieren, ob der Journalismus insgesamt oder einzelne Teile (Sparten etc.) sich in einer Krise befinden (vgl. Weischenberg 2018: 4), welche Auswege aus der Krise vorgeschlagen werden und welche Akteure hier gefragt sind. Roger de Weck (2024: 150ff.) schlägt vor, »Journalismus mehr als Projekt, denn als Produkt« zu begreifen.
Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht werden Fragen nach den Arbeitsbedingungen und dem Rollenverständnis der Journalist:innen, der Medienqualität (vgl. Riedl 2024: 68), der Konzentration und Vermachtung der Medienstrukturen, der Medienethik, der Medienkompetenz und der Medienaktivitäten des Publikums bedeutsam. Laut de Weck befinden wir uns »in einer von anti-deliberativen Algorithmen geprägten Öffentlichkeit fügsamer Follower« (de Weck 2024: 106).
Gerade die Zunahme an »Bullshit« (Frankfurt 2006) und Desinformation, Cancel Culture und »moralischer Panik« (Hübl 2024a) sowie Hass erfordert eine transformative Kommunikationswissenschaft. Erste Vorschläge, wie man mit dieser Entwicklung umgehen soll, liegen vor und verdienen mehr Aufmerksamkeit sowohl in der Fachdiskussion als auch in der öffentlichen Debatte (vgl. Hübl 2024b; Kramp/Weichert 2024). Hinzu kommen noch die mit der Datafizierung und Automatisierung zusammenhängenden Probleme. Die Verwendung von KI nimmt nicht nur rasant zu, rechtliche und vor allem medienethische Fragen sind weitgehend ungeklärt.
An dieser Stelle ist die Kommunikationswissenschaft als öffentliche Wissenschaft gefordert. Das Fach muss mit seinen Theoriedebatten, Methoden, Befunden und auch deren Vertreter:innen sicht- und hörbar werden, die als kritische Expert:innen Antworten auf die gesellschaftlichen Herausforderungen suchen und sich einmischen (vgl. Krainer 2022: 5).
Die Kommunikationswissenschaft, der vorgehalten wird, in jüngster Zeit kaum noch in die öffentliche Debatte einzugreifen, sollte sich mit Entwicklungen außerhalb der eigenen Disziplin beschäftigen, um nicht der Gefahr der Nabelschau zu erliegen (vgl. Krüger/Meyen 2018: 353f.). Aktuell wären dies gesellschaftliche Prozesse, die nicht nur die vermeintliche »Überforderung« der Gesellschaft, sondern vor allem den Aufstieg des Populismus und die Kriege in der Ukraine sowie im Nahen und Mittleren Osten thematisieren. Risiken, Krisen und Konflikte sind nicht nur eine Herausforderung der medialen Vermittlung. Für die Kommunikationswissenschaft sind sie deshalb zentral, weil ihre Rolle in der Demokratie auf dem Spiel steht (vgl. Ritzi 2014). Denn augenblicklich bilden »Populismus und der raumgreifende ›Boulevardismus‹« eine »Allianz, die per Provokation und Bewirtschaftung von Ängsten und Aufgeregtheiten die Wählerschaft bzw. Nutzerschaft maximiert« (de Weck 2024: 13). Offensichtlich greift Aufmerksamkeitsspekulation (vgl. Hendricks/Vestergaard 2018) um sich. Diese Spekulation beruht auf dem Prinzip, dass häufig geklickte Themen durch Selbstverstärkung Informationsblasen erzeugen, die wie wirtschaftliche Spekulationsblasen funktionieren. Durch Hypes werden Themen überbewertet und erhalten zu viel Aufmerksamkeit, ähnlich wie Immobilien oder Aktien. Je mehr Aufmerksamkeit sie bereits haben, desto mehr zusätzliche Aufmerksamkeit ziehen sie an. Meta-Diskussionen in den Medien, bei denen Nachrichtensender nicht über die Ereignisse selbst, sondern über Kommentare in sozialen Medien zu diesen Ereignissen berichten, vergrößern diese ›Informationsblasen‹ weiter. Der Grund dafür ist offensichtlich: Diese Informationen sind kostenlos verfügbar und schaffen leicht zusätzliche Aufmerksamkeit (vgl. Hübl 2024b: 59).
Zu fordern, dass die Kommunikationswissenschaft in der Öffentlichkeit eine größere Rolle spielt, reicht nicht aus. Kommunikationswissenschaftler:innen sollten nicht warten, bis sie gefragt werden, sondern – gemeinsam – die Initiative ergreifen und mit dem Verein »Öffentliche Medien- und Kommunikationswissenschaft« oder eben der INA nach den Gründen suchen, warum sie nicht gefragt werden.
Warum Nachrichtenaufklärung?
Nachrichtenaufklärung schließt an die Grundhaltung der Aufklärung an und erfährt angesichts des aktuellen Medienwandels eine besondere Brisanz, weil »der Kampf gegen allzu bequeme Geschichten […] heute wichtiger ist denn je, denn die bunten Scheinwelten werden mit immer größerer Effizienz in die Hirne von Primaten gepumpt, die von der Evolution darauf nicht vorbereitet wurden und damit heillos überfordert und übersättigt sind« (Bloom 2023: 39).
Diese Überforderung fällt zusammen mit einem veränderten Mediennutzungsverhalten sowie der Polarisierung des Publikums zu einem Rückgang des Vertrauens in die Medien. Das Publikum bezweifelt zunehmend die Objektivität und Unabhängigkeit der Berichterstattung; teilweise vermeidet und verweigert es Nachrichten bereits. Der Mainzer Langzeitstudie zufolge vertrauten noch 44 Prozent der deutschen Bevölkerung im Jahr 2022 den Medien voll und ganz, 31 Prozent dagegen lediglich »teils, teils« (vgl. Quiring et al. 2024: 2). In Deutschland ist das Vertrauen in öffentlich-rechtliche Sender tendenziell höher als in Online-Medien und private Medien, wobei jüngere Generationen eine kritischere Haltung einnehmen (vgl. Quiring et al. 2024: 4f.). Die Studie hebt hervor, dass Faktoren wie politische Einstellungen, die Nutzung sozialer Medien und persönliche Erfahrungen mit Nachrichtenquellen das Vertrauen beeinflussen. Zudem stellen die Autor:innen fest, dass das Vertrauen stark von der politischen Ausrichtung abhängt: Menschen mit einer kritischen Haltung gegenüber dem Establishment neigen dazu, den Medien weniger zu vertrauen. Insbesondere die Wahrnehmung von Fake News und die Polarisierung der öffentlichen Debatte tragen zur Skepsis bei. In Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild: Das Vertrauen in die Medien ist rückläufig, wobei auch hier öffentlich-rechtliche Medien besser abschneiden als private Anbieter (vgl. Hasebrink/Beaufort/Oehmer-Pedrazzi 2021: 455f.). Insgesamt verdeutlichen die Befunde, wie dringend notwendig es ist, das Vertrauen in die Medien wiederherzustellen und zu stärken.
Journalist:innen sind deshalb aufgefordert, ihren demokratischen Auftrag, ihre Arbeitsweisen und ihre Entscheidungen zu erklären – auch und gerade, wenn sie als Angehörige angeblicher »Systemmedien« oder einer vermeintlichen »Lügenpresse« verunglimpft werden. Sie müssen, wie es Stefan Niggemeier (2016: 8) ausdrückt, »dahin gehen, wo es wehtut, sie müssen wissen, was ihnen vorgeworfen wird, […] müssen Rechenschaft ablegen, […] streiten, erklären und […] argumentieren«. Dies unter erschwerten Bedingungen, denn die fortschreitende Digitalisierung und vor allem die Etablierung von Plattformen verändert ihre Arbeitsweise und schränkt ihren Handlungsspielraum spürbar ein (vgl. Weischenberg 2018; von Engelbrechten-Ilow 2023).
Nachrichtenaufklärung erfordert die Auseinandersetzung mit einer veränderten Öffentlichkeit. Während ihr von Habermas zu Beginn der 1960er-Jahre diagnostizierter Strukturwandel (vgl. Habermas 1990) in der »Vermachtung« der politischen Öffentlichkeit mündete, gerät sie angesichts eines »neuen Strukturwandels« (Habermas 2022; vgl. bereits Imhof 2006; 2011) gefährlich aus dem Gleichgewicht. Immer häufiger werden ungeprüfte, unvollständige oder sogar falsche Informationen verbreitet, und der Journalismus sieht sich einer »toxischen Rhetorik« (Weischenberg 2018) ausgesetzt. Treiber dieser Entwicklung sind die Täuschungen und Lügen, die von populistischen Politikern wie Trump, Putin oder Orban verbreitet werden. Angriffe auf die Medienfreiheit und Propaganda sind nicht erst seit dem Ukraine-Krieg ein Thema, und durch Hassreden, Shitstorms und Verschwörungsgeschichten hat die Qualität der öffentlichen Debatte erheblich gelitten (vgl. Russ-Mohl 2017). Laut Peter Ludes führen die Begleiterscheinungen von Globalisierung und Digitalisierung oftmals zum Bruch der Kommunikationsregeln und zivilisatorischen Standards: »Digitaltechnisch formatierte soziale Netze verbreiten leichter als je zuvor organisierte Meinungsmacht und fördern Koordinationen sowie Kooperationen, selbst für trivialste Zwecke.« (Ludes 2018b: 1) Diese Spiralen der Banalisierung können als Prozesse der Enttraditionalisierung oder Verdunkelung interpretiert werden (vgl. Ludes 2018b: 9). Medienkritik und Nachrichtenaufklärung sollten sich aktiv gegen diese Banalisierung und Brutalisierung wenden (vgl. Nieland 2022: 4).
Inzwischen häufen sich die Anzeichen, dass nicht mehr nur von einem Strukturwandel, sondern einer Strukturzerstörung gesprochen werden muss. Das Geschäftsmodell der (klassischen) Medien ist erodiert. Die Folgen sind fatal. Roger de Weck (2024: 159) zitiert Penny Abernathy, die Leiterin der Medill-Studie, zu den Effekten in sogenannten Medienwüsten: »Erstens geht die Wahlbeteiligung zurück. Zweitens nimmt die Korruption in Politik und Wirtschaft zu, und die Steuern gehen rauf […]. Drittens: Desinformation und Fehlinformationen verbreiten sich stärker«.
Ziel der Arbeit der INA
Ohne umfassende Meinungs- und Redefreiheit ist eine Nachrichtenaufklärung nicht möglich (vgl. Pöttker 2016). Nachrichtenaufklärung kämpft gegen alle Formen der Desinformation. Neben der Verbreitung von Fake News gehört dazu auch das Agenda Cutting – die absichtliche Behinderung von Geschichten und Diskursen in der Öffentlichkeit. Daher gründet jede Form der Nachrichtenaufklärung auf der Anerkennung von Tatsachen und Gegebenheiten, die eine gemeinsame Welt konstituieren. In dieser Welt werden unterschiedliche Meinungen und Perspektiven nicht nur akzeptiert, sondern sie erhalten auch Raum zur Entfaltung. Nachrichtenaufklärung verbindet die Welt der Nachrichten mit dem Bereich gesellschaftlicher und politischer Aufklärung. Der nachrichtliche Journalismus bereitet die Fakten der Welt auf und stellt sie in anerkannten Darstellungsformen allgemein medial zur Verfügung (vgl. Haarkötter 2015: 176). Aus diesem Grund sind gesellschaftliche Aufklärung, journalistische Publizistik und Demokratie untrennbar miteinander verbunden. Als konstruktive Kritik am Journalismus zielt die Nachrichtenaufklärung darauf ab, negative Entwicklungen in der Mediengesellschaft aufzuzeigen sowie Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren.
Die Medienkritik der Initiative Nachrichtenaufklärung erfolgt auf zwei Ebenen: als journalistische Selbstkritik und als Fremdkritik aus einer wissenschaftlichen Fachperspektive bzw. aus der Sicht der Rezipient:innen (vgl. Haarkötter 2020: 99). Die Initiative bemüht sich, gesellschaftlich und politisch relevante Themen sowie Diskurse zu benennen, die in den Medien ignoriert oder vernachlässigt werden, und so die kritische Öffentlichkeit zu fördern.
Die Initiative Nachrichtenaufklärung e.V. (INA): Vorbilder, Historie und Arbeitsweise
Die beiden großen Politskandale der USA der 1970er-Jahre, die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere und die Watergate-Affäre, lieferten den Impuls für die Gründung des »Project Censored« im Jahr 1976. Kritische Wissenschaftler:innen und Journalist:innen haben sich seitdem zum Ziel gesetzt, »critical media literacy, independent journalism, and democracy« (www.projectcensored.org/#ourmission) zu fördern. Auf die drei drängenden Probleme, nämlich zum einen »Lack of Critical Media Literacy«, zum zweiten »Concentration of Media Ownership« und zum dritten »Limited Access to Trustworthy Information« richtet das Projekt seine Arbeit aus und offeriert drei »Lösungen«: erstens »Free Press, Media Literacy, and a Democratic Self-Government«, zweitens »Countering Misinformation and Disinformation« sowie drittens »Making Educational Materials Availible«. Das folgende Zitat aus dem umfangreichen Maßnahmenkatalog gibt einen Hinweis auf die kritische wie aufklärende Arbeit von Project Censored:
»We promote public awareness of, trust in, and support for independent news sources that provide meaningful alternatives to corporate news reporting. Our promotion of independent journalism includes tools for educators and the general public to enhance peoples’ critical media literacy skills, and therefore enrich each persons’ interactions with news media.« (https://www.projectcensored.org/#ourwork).
Neben der Website, dem Newsletter und einem Podcast dokumentieren die umfänglichen Jahrbücher die Arbeit (vgl. aktuell Roth/Huff 2024).
Inspiriert durch die Arbeit von Project Censored wurde 1997 an der Universität Siegen die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) ins Leben gerufen (vgl. Ludes/Schanze 1999; Haarkötter/Nieland 2018b: 3). Ähnlich wie das Project Censored sieht die Initiative Nachrichtenaufklärung ihre Aufgabe darin, jährlich vernachlässigte Themen zu veröffentlichen (http://www.derblindefleck.de/top-themen/). Konkret kürt eine aus Wissenschaftler:innen, Journalist:innen und Studierenden bestehende Jury die »Top Ten der Vergessenen Nachrichten«. Die Basis der Juryarbeit bilden Themenvorschläge zu vernachlässigten Nachrichten und Rechercheprotokolle, die in Lehrveranstaltungen an verschiedenen Hochschulen im deutschsprachigen Raum erstellt werden. Die Vorschläge stammen aus der Bevölkerung, von NGOs, aus der Wissenschaft sowie von Journalist:innen und Teilnehmer:innen von Rechercheseminaren (vgl. Nieland 2022: 5). Die Einreichung der Themen erfolgt über die Website der Initiative (http://www.derblindefleck.de/thema-einreichen/). Inzwischen erreichen die Initiative 70 bis 90 ernst zu nehmende Themenvorschläge pro Jahr.
In den Lehrveranstaltungen werden die einzelnen Themen einem mehrstufigen Bearbeitungs- und Prüfverfahren unterzogen. Zunächst erfolgt eine »Sachverhaltsrecherche«. Bei diesem »Fact-Checking« wird unter anderem Kontakt zu den Einreicher:innen aufgenommen, um die Hintergründe der Einreichung und erste relevante Quellen zu erfahren. Danach geht es um die gesellschaftliche Relevanz des Themas: Wer ist davon in welchem Ausmaß betroffen oder könnte betroffen sein? Es folgt eine Medienanalyse – Abfragen der einschlägigen Datenbanken geben darüber Aufschluss, inwieweit das Thema medial vernachlässigt wurde. Dieser Schritt wird ergänzt durch Interviews mit Journalist:innen, Wissenschaftler:innen, Vertreter:innen von NGOs und anderen Fachleuten, die zu allen drei Arbeitsschritten (Sachverhaltsprüfung, Relevanzbestimmung und Vernachlässigung) ihre Einschätzung abgeben sowie idealtypisch weitere Quellen und weitere Ansprechpartner:innen nennen (vgl. Haarkötter 2016: 368; Nieland 2022: 5).
Das Treffen der INA-Jury zur Auswahl der »Top Ten der Vergessenen Nachrichten« dient nicht nur der Herstellung von Öffentlichkeit, sondern ist selbst eine Form öffentlicher Wissenschaft. Durch die Zusammensetzung der Jury kommen Wissenschaftler:innen mit praktizierenden Journalist:innen zusammen, die aktiv an der Öffentlichkeitsarbeit beteiligt sind und somit zur gewünschten publicity beitragen. Die Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks ist fester Medienpartner der INA und regelmäßig an der Recherche und Auswahl der Top Ten beteiligt. Die Veröffentlichung der Liste erfolgt in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der DLF-Nachrichtenredaktion, die in ihren Hauptnachrichtensendungen auf die neu gekürten Top Ten hinweist. Der Erfolg dieser Initiative ist messbar: Ein erheblicher Teil der neuen Themenvorschläge aus der Bevölkerung wird über die Website oder die E-Mail-Adresse der DLF-Nachrichtenredaktion eingereicht. Public Science ist somit ein zentrales Konstruktionsprinzip der INA.
Die Auswahl und Bekanntgabe der »Top Ten der Vergessenen Nachrichten« wird flankiert von Veranstaltungen und Publikationen über die Ursachen der Vernachlässigung und Unterdrückung von Nachrichten (vgl. Ludes/Schanze 1999; Pöttker/Schulzki-Haddouti 2007; Haarkötter/Nieland 2018a). Seit 2015 lädt die INA zudem in Kooperation mit dem Deutschlandfunk zum »Kölner Forum für Journalismuskritik« ein, um einen Dialog zwischen Journalist:innen, Wissenschaftler:innen, zivilgesellschaftlichen Gruppen und der interessierten Öffentlichkeit anzustoßen (vgl. http://www.derblindefleck.de/koelner-forum-fuer-journalismuskritik/). Auf dem 8. Forum wurde beispielswese über die Themen »Macht, Medien und Menschen: Wie gelingt Kommunikation in der Krise?« und »Zwischen Kritik, Polemik und Hetze: Wie reden über Nahost?« diskutiert. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird der »Günter-Wallraff-Preis für Pressefreiheit und Menschenrechte« verliehen (vgl. http://www.derblindefleck.de/guenter-wallraff-preis/), der eine hohe Sichtbarkeit erlangt hat und damit auch das Interesse an anderen Themen der INA fördert (vgl. Nieland 2022: 5). Preisträger 2019 waren unter anderem das European Journalism Observatory (EJO) sowie der saudi-arabische Blogger und Menschenrechtsaktivist Raif Badawi. 2022 wurde Julian Assange, Mitbegründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, für sein Engagement in den Bereichen Recherche und Zivilcourage ausgezeichnet (vgl. Nieland 2022: 6), und im Jahr 2023 erhielt der inzwischen im russischen Gulag verstorbene Menschenrechtsaktivist Alexei Nawalny den Preis. 2024 ehrte die Initiative Nachrichtenaufklärung zwei Frauenfriedensinitiativen im Nahen Osten – die israelische »Women Wage Peace« und die palästinensische »Women of the Sun« – für ihre Friedensarbeit, die sich unter anderem in gemeinsamen Auftritten zeigt (vgl. http://www.derblindefleck.de/guenter-wallraff-preis/). Und im Jahr 2025 schließlich wurde die belarusische Menschenrechtsaktivistin Maria Kalesnikowa geehrt. Der Preis ist nicht nur eine Auszeichnung »gegen das Vergessen«, sondern soll auch die Erinnerung an die Opfer von Gewalt wachhalten.
Um die internationale Ausrichtung zu stärken, beteiligt sich die Initiative Nachrichtenaufklärung seit 2022 am »Global Media Forum« der Deutschen Welle (vgl. Nieland 2022: 6). In diesem Rahmen (vgl. www.dw.com/de/global-media-forum-medien-unter-druck/a-69333040) veranstaltete sie gemeinsam mit Kolleg:innen von Project Censored und dem »Netzwerk Globaler Süden in den Medien« (https://globalersueden.de/), das sich für eine größere Sichtbarkeit der sogenannten ›Entwicklungsländer‹ in den Medien einsetzt, ein Panel mit dem Titel »Covering the global south: Western media and agenda cutting«. Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit mit Project Censored intensiviert, unter anderem durch gemeinsame Publikationen, Veranstaltungen und die (unregelmäßige) Veröffentlichung einer Liste der Top Five der international vernachlässigten Nachrichten ab 2023 (vgl. Nieland 2022: 6).
Die hier knapp aufgezählten Aktivitäten der Initiative Nachrichtenaufklärung verfolgen ein doppeltes Ziel: Neben der Kernaufgabe, vergessene, vernachlässigte und unterdrückte Themen zu identifizieren, geht es darum, die Öffentlichkeit auf politische und gesellschaftliche Diskurse aufmerksam zu machen, die sonst wenig Beachtung finden oder eine alternative Perspektive zum Mainstream darstellen. Das Prinzip der öffentlichen Wissenschaft ist in vielfältiger Weise in der Satzung, der Struktur und der personellen Zusammensetzung des INA verankert.
Beiträge zur kommunikationswissenschaftlichen Theoriedebatten
Mit ihrer Publikationsreihe »Medien – Aufklärung – Kritik« will die Initiative Nachrichtenaufklärung sowohl in kommunikationswissenschaftliche als auch in gesellschaftliche Debatten eingreifen und zur Theoriebildung und Methodendiskussion im Fach beitragen. Im Folgenden skizzieren wir vier Bereiche der aktuellen Forschungsaktivitäten.
Negative Nachrichtenwerttheorie
Die Analysen und Diskussionen zur Nachrichtenselektion und Nachrichtenvernachlässigung vor allem während der Jurysitzung mündeten in einer grundlegenden Kritik an der Nachrichtenwerttheorie. Bekanntermaßen hat die Nachrichtenwerttheorie eine lange Tradition und wurde in den letzten Jahrzehnten intensiv diskutiert und weiterentwickelt. Während der Ansatz heute oft unkritisch verwendet wird und die Nachrichtenfaktoren in der journalistischen Ausbildung häufig als Orientierungskatalog dienen, verfolgten die Begründer des Nachrichtenwertansatzes eine medienkritische Intention: Die Friedensforscher:innen Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge (1965) fragten, warum bedeutende internationale Konflikte wie die Kongo-, Kuba- oder Zypern-Krise so wenig mediale Aufmerksamkeit erhielten. Ihre Analyse mündete in der Aufforderung, Nachrichtenfaktoren als journalistische Orientierungshilfe nach Möglichkeit zu meiden (vgl. Haarkötter 2016: 370).
Auch die Initiative Nachrichtenaufklärung fragt nach Gründen für die geringe Aufmerksamkeit von bestimmten Themen und schlägt vor, den News Value-Ansatz auch »subtraktiv« zu betrachten und ihn in eine negative Nachrichtenwerttheorie umzudeuten: Je mehr Nachrichtenfaktoren von einem Ereignis abgezogen werden, desto schwieriger wird es für dieses Ereignis, als Nachricht wahrgenommen zu werden (vgl. Haarkötter 2020: 98; Nieland 2022: 6).
Zahlreiche auf den Nachrichtenwertansatz gestützte Studien zeigen, dass in der journalistischen Berichterstattung prominente Akteure, nationale oder regionale Ereignisse überrepräsentiert, stereotype Erwartungen bestätigt sowie gewaltsame, kontroverse oder wertverletzende Tatsachen überbetont werden (vgl. mit einer kritischen Interpretation Gerhards 1991: 25; Schicha 2007: 27f.).
Mit der Medialisierung und Digitalisierung gewinnen die Techniken des Aufmerksamkeitsmanagements an Bedeutung. Das Ergebnis sind eine ausgeprägte Personenzentrierung und die Zunahme von Konfliktinszenierungen und Skandalkommunikation (vgl. Imhof 2006: 198f.). Diese Entwicklung fordert die kritische Kommunikationswissenschaft heraus: Die negative Nachrichtenwerttheorie bezieht sich sowohl auf individuelle als auch auf institutionelle Entscheidungen im Journalismus. Viele in Wissenschaft und Forschung tätige Personen haben Erfahrungen mit dieser negativen Nachrichtenwerttheorie gemacht, da ihre Themen und Fragestellungen oft nicht mit den einfachen Maßstäben der Nachrichtenfaktoren übereinstimmen (vgl. Nieland 2022: 7). Öffentlichkeitsarbeit in der Wissenschaft bedeutet daher auch, sich mit der negativen Nachrichtenwerttheorie auseinanderzusetzen und daraus Erkenntnisse für die eigene wissenschaftliche Publikationspraxis abzuleiten. In diesem Bereich leistet die Initiative Nachrichtenaufklärung Pionierarbeit.
Agenda Cutting
Ein weiteres bedeutendes Forschungsgebiet der Initiative Nachrichtenaufklärung konzentriert sich auf die Kritik am Agenda-Setting-Ansatz. Dieses Konzept, das sowohl theoretisch als auch empirisch gut etabliert ist, besagt, dass Medien Themen setzen. Im Gegensatz dazu wurde der umgekehrte Prozess bisher wenig erforscht. Den Begriff »Agenda Cutting« haben erstmals Wober und Gunter in einem Buch über Television and Social Control (1988) erwähnt. Es liegt nahe, dass dort, wo Themen aktiv thematisiert werden, auch Themen bewusst von der Agenda ausgeschlossen bleiben. Die interessante Frage für die Kommunikationswissenschaft ist, ob dieser Prozess unwillkürlich oder absichtlich erfolgt – also ob die Agenda auch durch das bewusste Weglassen bestimmter Themen beeinflusst wird.
Colistra (2008) unterscheidet drei Formen von Agenda Cutting: Erstens, Themen auf der Nachrichtenagenda niedrig einzustufen; zweitens, Themen nach ihrer Platzierung von der Agenda zu entfernen; und drittens, Themen von Anfang an zu ignorieren. Buchmeier (2020) betont das »epistemische Dilemma« bei der Untersuchung fehlender Inhalte und kommt zu dem Schluss, dass Agenda Cutting ein intentionaler Akt ist, der sich auf relevante und kontroverse Themen konzentriert (vgl. zum ganzen Abschnitt Haarkötter 2023).
Obwohl Agenda Cutting in der Forschung weniger Aufmerksamkeit erhält als Agenda Setting, belegen empirische Studien seine Existenz und Auswirkungen. Sie zeigen, dass westliche Medien ganze Regionen wie den Globalen Süden sowie spezifische Themen wie Menschenrechtsverletzungen und Korruption oft vernachlässigen.
Ludescher (2023) dokumentiert eine starke Marginalisierung von Ländern des Globalen Südens in Nachrichtensendungen wie der Tagesschau, die sich während der COVID-19-Pandemie 2020 verschärfte. Schuler (2023) offenbart, wie der Medienkonzern Bertelsmann durch strategisches Agenda Cutting unliebsame Recherchen verhindert, indem kritische Berichte gefiltert und Redaktionen manipuliert werden. Krüger, Beuthner und Endt (2024) betonen die Bedeutung von Presse- und Wissenschaftsfreiheit für eine kritische Berichterstattung. Ihre Studie zeigt, dass juristische Strategien wie einschüchternde Klagen (SLAPPs, strategic lawsuits against public participation) die Berichterstattung beeinflussen und einen »chilling effect« erzeugen, der die Öffentlichkeit benachteiligt.
An dieser Stelle setzt die Arbeit der Initiative Nachrichtenaufklärung an. Sie ist der Überzeugung, dass »investigative journalistische (und zum Teil auch wissenschaftliche) Recherche Agenda Cutting entgegenwirken und somit einen Beitrag zur (Journalismus-)Kritik und Nachrichtenaufklärung leisten kann« (Haarkötter/Nieland 2023b: 7).
Junk News
Der Boulevardjournalismus und die vielfältigen (journalistischen?) Unterhaltungsangebote in den klassischen Medien wie auch den sogenannten sozialen Medien werden in der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft kaum behandelt. Dies überrascht, denn das Unterhaltungsangebot ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Und nicht nur für die Informationsangebote, sondern auch für die unterhaltenden Angebote besteht der Wunsch des Publikums nach Übersicht und Ordnung. Die Beurteilung der Qualität (vgl. Arnold 2008 sowie jüngst Riedl 2024) in den Medien muss deshalb auf die Unterhaltungsangebote ausgedehnt werden. In einer Ära, in der Desinformation und »digitale Demagogie« (Fuchs 2018) die journalistische Berichterstattung zunehmend gefährden, fällt es dem Publikum immer schwerer, zwischen Kuriositäten, Belanglosigkeiten und Relevanz zu unterscheiden. Eine solche Unterscheidung ist deshalb der zentrale Pfeiler der Nachrichtenaufklärung und erlangt gerade im Zusammenhang mit »Junk News« (Fenton 2009) an Bedeutung. Der Begriff geht auf Carl Jensen, den Gründer von Project Censored, zurück (vgl. Jensen 2001: 251). Gemeint sind damit, analog zu »junk food«, leicht verdauliche und wenig relevante news stories ohne journalistischen Nährwert. Ventorini (2019: 129) beschreibt die Gefahren dieser reißerischen Geschichten und oberflächlichen Meldungen: »›Junk news‹ is dangerous not because it is false, but because it saturates public debate, leaving little space to other discussions, reducing the richness of public debate and preventing more important stories from being heard.«
Um das Phänomen Junk News systematisch zu erfassen, schlagen wir vier Erscheinungsformen vor: Junk News erster Ordnung – Nachrichten ohne Substanz oder Relevanz: Diese Nachrichten zielen auf Belanglosigkeiten, Privates, Sensationelles und Skandalöses ohne gesellschaftliche Relevanz. Sie sind übertrieben formuliert und leicht konsumierbar. Junk News zweiter Ordnung – Gesellschaftliche Relevanz als leere Hülle: Diese Nachrichten besitzen hohe gesellschaftliche Relevanz, konzentrieren sich jedoch auf unwichtige Aspekte wie prominente Personen, ohne die tatsächliche Relevanz zu beleuchten. Junk News dritter Ordnung – Gesellschaftliche Relevanz in kleiner Dosis: Diese Meldungen kombinieren private Aspekte mit gesellschaftlich relevanten Themen, erfordern größere journalistische Sorgfalt und enthalten relevante Informationen für viele Menschen. Junk News vierter Ordnung – Persönliches und Privates als Transportmittel relevanter Informationen: Diese Berichte nutzen Persönliches und Privates als Mittel zur Vermittlung gesellschaftlich relevanter Informationen und haben den höchsten Aufklärungswert. Ein Beispiel sind Berichte über das Engagement von Prominenten in sozialen Projekten.
Eine Bewertungsskala für Junk News könnte ähnlich wie der Nutriscore für Lebensmittel hilfreich sein, um den journalistischen Gehalt einzustufen. Junk News erfordern Investitionen sowohl in Medienkompetenz, um eine »Bullshit-Resistenz« (Hübl 2024b) auszubilden, als auch in den Journalismus bzw. die Ausbildung von Journalist:innen.
Fazit: Mehr Licht für die Nachrichtenaufklärung
In Anbetracht der massiven Beeinträchtigungen des gesellschaftlichen Diskurses und des Zusammenhalts sind Medienkritik und Nachrichtenaufklärung unerlässlich. Weil der Fortbestand von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und individuellen Freiheiten auf verlässliche Informationen, Meinungsfreiheit sowie kritische Reflexionen angewiesen ist, thematisiert und reflektiert die Initiative Nachrichtenaufklärung die journalistischen Entscheidungen, Routinen und Abläufe im Hinblick auf »Auf- und Abklärung, Zeigen und Nicht-Zeigen« (Ludes 2007: 75). Sie bemüht sich um »konstruktive Journalismuskritik«, die darauf abzielt, Öffentlichkeit zu schaffen und durch die Ergebnisse sowohl wissenschaftlicher als auch (bürger-)journalistischer Recherchen zu einer gesellschaftlichen Transformation hin zu mehr Nachrichtengerechtigkeit und Medienmündigkeit beizutragen. Diese Bemühungen beruhen auf der Identifikation negativer Entwicklungen und Gefährdungen und zeigen Verbesserungsmöglichkeiten auf (vgl. Haarkötter 2020: 99). Die Initiative plädiert für einen anderen Journalismus, der über die bloße Kritik hinausgeht. Eine kritische Kommunikationswissenschaft ist hier aufgerufen, »ihre gesellschaftlichen Bedingungen und damit auch ihre soziale Funktion [zu] reflektieren« (Nieland 2022: 4).
Angesichts aktueller Krisen – wie der Erschütterung nationalstaatlicher Autonomie, der Verletzlichkeit und Anfälligkeit der globalen Märkte sowie der Fragen nach der kulturellen Zugehörigkeit und der Asymmetrie zwischen verschiedenen Milieus und Geschlechtern (vgl. Nassehi 2020: 36) – ist es notwendig, eine mehrdimensionale, demokratietheoretisch fundierte Forschung zu betreiben. Diese Forschung sollte zum einen evaluieren, wie sich die Auffassungen darüber verändern, was unter demokratisch normativer Medienqualität verstanden wird. Zum anderen gilt es zu untersuchen, wie sich diese Auffassungen in den Informationsangeboten sowie in den sich wandelnden Erwartungen der Nutzer:innen niederschlagen (Beaufort 2021: 71).
Digitalisierung und Algorithmierung bergen die Gefahr, dass soziale und dis-soziale Medien kollektive Mythen beschleunigen und damit neue Wahrnehmungszwänge erzeugen (vgl. Nieland 2022: 9). Dies führt zu einer Neugestaltung von Zusammenhalt und Ausgrenzung (vgl. Ludes 2018a: 35). An dieser Stelle wird die demokratiepolitische Bedeutung der Initiative Nachrichtenaufklärung im Sinne einer öffentlichen Medien- und Kommunikationswissenschaft deutlich (vgl. Krainer 2022: 5). Denn die Initiative tritt zum einen öffentlich als Instanz gesellschaftlicher Kritik auf und transformiert zum anderen diese Kritik in die Zusammenarbeit mit anderen kritischen Instanzen (wie dem Project Censored, aber auch Medienanbietern wie dem Deutschlandfunk und der Deutschen Welle) und unterstützt schließlich verfolgte Journalist:innen, Journalist:innenorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen (insbesondere durch die öffentliche Verleihung der Günter Wallraff-Preises).
Der Forderung von Beaufort folgend (2021: 74), motiviert und aktiviert die Initiative Journalist:innen, Wissenschaftler:innen, zivilgesellschaftliche Gruppen und Bürger:innen dazu, sich am offenen Diskurs zu beteiligen, Netzwerke zu bilden und die Medien aufzufordern, »die Diversität der realen gesellschaftlichen Verhältnisse widerzuspiegeln und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts beizutragen«.
Über die Autoren
Hektor Haarkötter, Prof. Dr., lehrt Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt politische Kommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg; zuvor war er als Journalist und Fernsehregisseur fast 20 Jahre lang vor allem für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig. Ehrenamtlich ist er Vorsitzender der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V., die jährlich die »Top Ten der Vergessenen Nachrichten« wählt, und hat den »Günter Wallraff-Preis für Menschenrechte und Pressefreiheit« initiiert.
Jörg Uwe Nieland, Dr., Senior Scientist an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und assoziierter Mitarbeiter am Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln sowie Vorstandsmitglied der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören u. a.: Medialisierung und Medienentwicklung, Sportkommunikation und Sportpolitik, Politische Kommunikation sowie Populärkultur.
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Zitationsvorschlag
Jörg-Uwe Nieland, Hektor Haarkötter: Öffentlichkeit und Transformation durch Thematisierung der Nicht-Thematisierung. Die Initiative Nachrichtenaufklärung und ihr Beitrag für eine transformative Kommunikationswissenschaft. In: Journalistik. Zeitschrift für Journalismusforschung, 2, 2025, 8. Jg., S. 183-202. DOI: 10.1453/2569-152X-22025-15308-de
ISSN
2569-152X
DOI
https://doi.org/10.1453/2569-152X-22025-15308-de
Erste Online-Veröffentlichung
Juli 2025
