Wenn Zeitungsleute konstruktiv werden Die Implementierung konstruktiver Berichterstattung bei der Verlagsgruppe Rhein Main – eine redaktionelle Begleitung

von Marc-Christian Ollrog, Megan Hanisch und Amelie Rook / Konstruktiver beziehungsweise lösungsorientierter Journalismus ist en vogue. Neben eigens kreierten Formaten wie Perspective Daily adaptieren auch zunehmend klassische Medienunternehmen das Berichterstattungsmuster. Die Chefredaktionen der zur Verlagsgruppe Rhein Main (VRM) gehörenden Zeitungen riefen 2019 das »Projekt Zukunft« ins Leben, das sich an den Zielen und Methoden des »Konstruktiven Journalismus« orientieren sollte.

Kompetenz: Zwischen den Zeilen lesen Zum Selbstverständnis westlicher Expats in der journalistischen Berufsbildung an Universitäten der Vereinigten Arabischen Emirate und Katars

von Andreas Sträter / Wer aus einem westlichen Land kommt und in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Katar angehende Journalistinnen und Journalisten unterrichtet, wird zum Grenzgänger. Lehrpläne aus England oder den USA sind nur bedingt oder in einer Light-Version anzuwenden, weil es Tabubereiche gibt. Das Problem: Nicht immer sind bestimmte Grenzen klar formuliert, so dass es bereits zu Ausweisungen kam. Der Aufsatz zeigt und diskutiert die Ergebnisse einer qualitativen Befragung von 19 Expats zum Selbstverständnis in der akademischen Journalistenausbildung am arabischen Golf.

»Ein Amoklauf, der sich im Kreise des Kapitalismus dreht« Zur Rezeption des Konzepts Stadtguerilla der RAF in linksextremen Zeitschriften Anfang der 1970er Jahre

von Gernot Pürer / Ein Jahr vor Beginn der »Mai-Offensive« von 1972, mit der die »Rote Armee Fraktion« (RAF) jene jahrzehntelange Kampagne von Anschlägen beginnt, die sie zur berüchtigtsten Terrororganisation der deutschen Nachkriegsgeschichte machen wird, publiziert die Gruppe mit dem Konzept Stadtguerilla ihre erste und bedeutendste Propagandaschrift. Dieses Grundsatzprogramm war auch eine öffentlichkeitswirksame Präsentation der Motivationen und zukünftigen Vorhaben der Gruppe. Der Beitrag geht der Frage nach, inwieweit sich die linksextreme publizistische Szene Westberlins zu Beginn der 1970er Jahre mit der Programmatik und dem Weltbild des RAF-Konzepts auseinandergesetzt hat.

BILD dir dein Afrika Eine Diskursanalyse von Afrika-Repräsentationen in der Bild-Zeitung im Kontext der Covid-19 Pandemie

von Lukas Franziskus Adolphi / Der vorliegende Beitrag ist eine diskursanalytische Untersuchung von Artikeln der BILD-Zeitung über Afrika im Kontext der Covid-19 Pandemie. Ziel ist es, zugrundliegende rassistische, koloniale und somit herrschaftsstützende Logiken sichtbar zu machen. Journalismus wird dabei als diskursives Machtinstrument verstanden, welches Herrschaftszustände entweder stabilisieren oder gefährden kann. Die empirische Analyse zeigt darüber hinaus die subversiven Möglichkeiten und gesellschaftliche Verantwortung journalistischer Arbeit auf.

Social Media als Quelle journalistischer Arbeit Einfluss der Facebook- und Twitter-Beiträge von PolitikerInnen auf die Berichterstattung von Tageszeitungen

von Anna Spatzenegger / Der vorliegende Artikel analysiert, inwiefern JournalistInnen die Auftritte von PolitikerInnen in Sozialen Netzwerken als Quelle für die Berichterstattung nutzen. Mittels einer Inhaltsanalyse wurden sechs Tageszeitungen und die Facebook- und Twitter-Accounts von neun PolitikerInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz untersucht.

Historisch bedingt Zum Akzeptanzdefizit der Journalistik in Deutschland

von Horst Pöttker / In Deutschland ist die Universitätsdisziplin Journalistik, die gegenüber dem Journalistenberuf Innovations- und (Aus-)Bildungsaufgaben zu erfüllen hat, im Vergleich zu den USA, aber auch zu Russland wenig akzeptiert. Das drückt sich u. a. in einer ablehnenden Haltung von Medienpraktikern gegenüber wissenschaftlicher Berufsbildung von Journalistinnen und Journalisten aus. Der Aufsatz geht den Gründen dafür nach.

Neue Wege im Journalismus, Weichenstellung in der Ausbildung

von Konstantin Schätz und Susanne Kirchhoff / Das Berufsfeld Journalismus ist einem rasanten Wandel unterworfen. Das wirkt sich auch auf die Ausbildung der Journalist_innen aus. Die vorliegende Studie zeigt am Beispiel der österreichischen Aus- und Weiterbildungslandschaft, vor welchen Herausforderungen diese derzeit steht und wie die Institutionen darauf reagieren. In der Bestandsaufnahme der Kursprogramme wird außerdem deutlich, welche Folgen der Digitalisierung aufgenommen worden sind und wo vor dem Hintergrund der internationalen Diskussion über eine adäquate Aus- und Weiterbildung Defizite bestehen.

The Commercial Advertiser im US-amerikanischen New Journalism um 1900 Journalistischer Unternehmergeist zwischen Kommerzialisierung und gesellschaftlicher Aufgabe

von Hendrik Michael / Der Commercial Advertiser gilt zwischen 1897 und 1901 als journalistisches Experiment des New Journalism. Unter der redaktionellen Leitung von Lincoln Steffens versuchte man ein Lokalblatt zu produzieren, welches mit ungewöhnlichen Ansprechweisen und stilistischer Qualität den Informations- und Unterhaltungsbedürfnissen bürgerlicher Schichten und einer neuen Generation von Einwanderern zu entsprechen vermochte. Der Aufsatz untersucht die situativen Handlungskontexte dieses Experiments und beleuchtet den journalistischen Unternehmergeist in der Redaktion des Commercial Advertiser in Bezug auf eine kommerzielle Medienlogik des New Journalism sowie dessen etablierte Recherche- und Darstellungsroutinen.