Wie blicken Journalistinnen und Journalisten auf die Welt? Eine vergleichende empirische Analyse von Persönlichkeitsmerkmalen und politischen Einstellungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)

Von Katja Schmidt, Tanjev Schultz und Gert G. Wagner

Abstract: Wie sehr unterscheiden sich Journalistinnen und Journalisten von der Bevölkerung, über die sie berichten? Welche Einstellungen und politischen Meinungen herrschen in der Berufsgruppe vor, welche Persönlichkeitsmerkmale, wie z. B. Risikofreude, weisen sie auf? Diese Fragen untersuchen wir für Deutschland auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Wir nutzen diese große repräsentative Stichprobe, um die darin enthaltenen Journalistinnen und Journalisten anhand ihrer Tätigkeitsangaben zu identifizieren (unter Wahrung der Anonymität). Multivariate Analysen ermöglichen einen Vergleich mit der erwachsenen Gesamtbevölkerung, den Wahlberechtigten und der Gruppe der intensiv politisch Engagierten. Die Ergebnisse bestätigen frühere Studien, wonach Journalistinnen und Journalisten kein Spiegelbild der Bevölkerung sind. Ihre Biografien und Einstellungen entsprechen nur bedingt der Vielfalt der Gesellschaft. Zwar ist der Anteil an Journalistinnen und Journalisten mit Migrationsgeschichte inzwischen ähnlich hoch wie in der Gesamtbevölkerung, doch handelt es sich bei den Herkunftsländern überwiegend um europäische Staaten. Zudem entstammt die Berufsgruppe überdurchschnittlich häufig einem akademischen Milieu, neigt politisch leicht nach links und häufiger zu den Grünen. Journalistinnen und Journalisten halten sich für kreativer, wissbegieriger und fantasievoller als die Vergleichsgruppen; sie sind nach eigenen Angaben risikofreudiger und haben ein überdurchschnittlich hohes Vertrauen in andere Menschen.

1. Einleitung

Immer wieder kommt in wissenschaftlichen und politischen Diskussionen die Frage auf, wie repräsentativ der Journalismus für die Gesellschaft ist und wie sehr sich die Eigenschaften und Einstellungen der Journalistinnen und Journalisten von der erwachsenen Bevölkerung unterscheiden. Welche politischen Meinungen herrschen in der Berufsgruppe vor, welche sozialen Merkmale prägen sie? Relevant ist dies aufgrund der wichtigen Rolle, die der Journalismus – auch oder gerade in Zeiten des digitalen Strukturwandels – für die öffentliche Kommunikation und die demokratische Meinungsbildung spielt (vgl. Schudson 2018: 107-112, 190-194; Habermas 2022: 38-67, 96-103).

Welche Zusammenhänge zwischen Merkmalen der Journalistinnen und Journalisten, beispielsweise ihrer Parteipräferenz, und der Berichterstattung bestehen, ist zwar nicht offensichtlich und durchaus Gegenstand von Kontroversen (vgl. Kepplinger 1979; Weischenberg et al. 2006: 98-101; Reinemann/Baugut 2014). Denn Organisations- und Systemfaktoren sind für die Medieninhalte womöglich bedeutsamer als individuelle Einstellungen (vgl. Shoemaker/Reese 2014). Dass diese aber gar keine Relevanz haben sollen, erscheint bereits mit Blick auf journalistische Kommentare, in denen die Autorinnen und Autoren ihre Meinungen explizit ausdrücken, wenig plausibel. Darüber hinaus können Einstellungen und Vertrauensbeziehungen einen Einfluss auf die Nachrichtenauswahl und weitere publizistische Entscheidungen haben (vgl. Patterson/Donsbach 1996; Kepplinger 2011: 101-128; Steindl 2021: 299-301).

So komplex die Zusammenhänge im Einzelnen sein mögen – dass Einstellungen und sozialer Hintergrund, neben oder verbunden mit anderen Faktoren, für die Berichterstattung bedeutsam sein können, gehört zu den Standardannahmen der Journalismusforschung (vgl. McQuail 1994: 201-204; Weaver 1998: 456; Peiser 2000; Shoemaker/Reese 2014: 204-238). Davon geht auch die Debatte über »Diversität« aus (vgl. Lück et al. 2022; Haruna-Oelker 2023; Hoffmann 2023). Ob der Journalismus von Männern dominiert wird, ob die Erfahrungen und Sichtweisen aus Ostdeutschland in den Medien der Bundesrepublik angemessen vorkommen (vgl. Mükke 2021; Bluhm/Jacobs 2016), ob auch Menschen mit Migrationsgeschichte Leitartikel schreiben, ob es Kinder aus Arbeiterfamilien schaffen, in einflussreiche Medienhäuser zu kommen (vgl. Ataman 2021; Beer 2022: 24; Friedrichs 2023): In solchen Fragen schwingt die Erwartung mit, dass Themen und Perspektiven der Berichterstattung von der Zusammensetzung einer Redaktion beeinflusst werden. Unabhängig von etwaigen Effekten auf die Inhalte kann zudem aus Gründen der Gerechtigkeit und Chancengleichheit der Anspruch erhoben werden, dass auch jene Menschen Zugang zu wichtigen journalistischen Positionen haben sollten, denen dies früher weitgehend verwehrt geblieben ist.[1]

Die theoretischen und normativen Hintergründe solcher Ansprüche können und sollen in diesem Aufsatz nicht weiter erörtert werden. Im Vordergrund stehen Antworten auf die empirische Frage, wie ähnlich oder unterschiedlich Journalistinnen und Journalisten im Vergleich zur Bevölkerung in Deutschland sind. Dass sie kein Spiegelbild der allgemeinen Bevölkerung sind, ist in der Forschung seit langer Zeit bekannt (vgl. Weischenberg et al. 2006: 69-72). Wo und wie sie konkret abweichen, darüber existieren aber nur wenige große Studien.

Betrachtet werden im Folgenden im Rahmen einer großen repräsentativen Bevölkerungsstichprobe (SOEP; vgl. Abschnitt 3 unten), die Vergleiche zwischen verschiedenen Gruppen und eine Analyse von Berufsgruppen zulässt (vgl. Deter/van Hoorn 2023), der sozio-ökonomische Hintergrund (der insbesondere auch für die Diversität relevant ist), politische Einstellungen, allgemeine Persönlichkeitsmerkmale und subjektive Einschätzungen von Journalistinnen und Journalisten. Da die Fragen im SOEP auf die allgemeine Bevölkerung und auf sämtliche Berufsgruppen in Deutschland ausgerichtet sind, lassen sich daraus keine Erkenntnisse über journalistische Rollenverständnisse oder über die speziellen Arbeitsbedingungen in den Medien gewinnen. Eine Analyse journalistischer Teilgruppen, beispielsweise aus dem Datenjournalismus (vgl. Weinacht/Spiller 2022) oder dem »Konstruktiven Journalismus« (vgl. Steinigeweg 2022), ist hier ebenfalls nicht möglich. Dafür ist es möglich, die sozio-demographischen Merkmale der journalistischen Berufsgruppe mit denen der Bevölkerung und relevanten Teilgruppen zu vergleichen und den Vergleich auf Persönlichkeitsmerkmale, Sorgen, Vertrauen, Zufriedenheit und subjektiv empfundene Einflussmöglichkeiten auszuweiten.

Damit schließt der Beitrag an etablierte Befragungsstudien aus der Journalismusforschung an, greift aber auf eine andere Datenbasis zurück. Er nutzt erstmals das für die Menschen in Deutschland (ab 18 Jahren) repräsentative Sozio-oekonomische Panel (SOEP), um die Merkmale von Journalistinnen und Journalisten mit denen der Gesamtbevölkerung zu vergleichen. Teilweise bestätigen die Ergebnisse ältere Befunde aus der Forschung, beispielsweise eine überdurchschnittlich hohe Präferenz in der journalistischen Berufsgruppe für die Partei »Bündnis 90/Die Grünen«. Teilweise liefert die Analyse neue oder unerwartete empirische Erkenntnisse, beispielsweise zur Risikofreude. Überraschend ist, dass in unserer Analyse der Anteil von Journalistinnen und Journalistinnen mit familiärer Migrationsgeschichte ähnlich hoch ist wie in der Gesamtbevölkerung.

2. Empirische Studien zur Sozialstruktur und den Einstellungen von Journalistinnen und Journalisten in Deutschland

Nach den Untersuchungen, die Siegfried Weischenberg und sein Team in den 1990er-Jahren und nach der Jahrtausendwende vorgelegt hatten (vgl. Weischenberg et al. 1993, 1994, 2006), lieferte zuletzt die international angelegte »Worlds of Journalism«-Studie umfassende Daten zur Sozialstruktur, Arbeitssituation und zu den Einstellungen der Journalistinnen und Journalisten (vgl. Hanitzsch et al. 2019a). Im Jahr 2022 startete unter Federführung eines Teams um Wiebke Loosen vom Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut) eine neue Befragungswelle in Deutschland (vgl. Loosen et al. 2023). In früheren Jahren hatte eine Gruppe um Thomas Hanitzsch (Ludwig-Maximilians-Universität München) die »Worlds of Journalism«-Studie koordiniert und Ergebnisse für Deutschland aus Befragungen der Jahre 2014/15 veröffentlicht (vgl. Steindl et al. 2017; Hanitzsch et al. 2019b).

Die Auswertungen für 2014/15 und für 2022/23 geben den derzeit besten Überblick über zentrale Merkmale der journalistischen Berufsgruppe. Ihnen liegen jeweils repräsentative Stichproben zugrunde, mit n = 775 in der älteren und n = 1.221 in der neuen Studie (vgl. Steindl et al. 2017: 406-413; vgl. Loosen et al. 2013: 5-8). In einem zweistufigen Verfahren haben die Forschungsgruppen aus verschiedenen Quellen geschöpft, um die Grundgesamtheit zu bestimmen; benutzt wurden unter anderem Informationen von Journalistenverbänden und Webseiten von Medienunternehmen.

Definition und Abgrenzung des Berufs sind notorisch schwierig, weil »Journalist/in« in freien Mediensystemen keine geschützte Bezeichnungist. Damit hatten bereits die frühen US-amerikanischen Befragungsstudien zu kämpfen (vgl. Weaver/Wilhoit 1986, 1996), an die später sowohl deutsche als auch internationale Untersuchungen anschlossen. Wie die Pionierstudien aus den USA berücksichtigt »Worlds of Journalism« nur professionelle, hauptberuflich tätige Journalistinnen und Journalisten. Die Arbeit in Pressestellen und Public Relations zählt nicht als journalistische Tätigkeit (vgl. Steindl et al. 2017: 407). In den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit werden dagegen auch Personen, die nicht hauptberuflich im Journalismus tätig sind oder die – zum Beispiel als »technische Redakteure« – keine publizistischen Leistungen erbringen, mitgezählt. Dadurch können Angaben über die Größe und das soziale Profil der journalistischen Berufsgruppe variieren (vgl. Steindl et al. 2019: 37).[2]

Aus den vorliegenden Untersuchungen ergibt sich mit Blick auf die Merkmale, die wir unten auf Basis des SOEP betrachten, folgendes Profil der Journalistinnen und Journalisten in Deutschland:

2.1 Sozio-demographische Merkmale

Das Durchschnittsalter der Journalistinnen und Journalisten in Deutschland lag 2022/23 bei 45 Jahren; mit einem Anteil von jetzt 44 Prozent (2014/15: 40 %) sind Frauen noch immer etwas seltener im Journalismus vertreten als Männer, in höheren Positionen ist ihr Anteil traditionell noch geringer (vgl. Steindl et al. 2017: 413-417; Loosen et al. 2023: 8). Dies zeigen auch Zählungen des Vereins »ProQuote Medien« zum Frauenanteil in Führungspositionen überregionaler Zeitungen: Demnach gibt es vor allem bei den deutschen Tageszeitungen FAZ, Welt, Bild und dem Magazin Focus wenige Frauen, bei der taz sind sie dagegen in Führungspositionen stärker vertreten als Männer (vgl. ProQuote 2022).

In Politikressorts deutscher Medien ist der Frauenanteil insgesamt unterdurchschnittlich (vgl. Lünenborg/Berghofer 2010: 9; Dingerkus/Keel 2021: 411). Einer älteren Untersuchung zufolge waren Frauen auch als Autorinnen von Kommentaren in Zeitungen klar unterrepräsentiert, ebenso wie Ostdeutsche und Jüngere unter 40 Jahren (vgl. Pfetsch et al. 2004: 56-57). Intersektional betrachtet, haben bisher vor allem Frauen aus Westdeutschland von Initiativen wie ProQuote und den teilweise steigenden Frauenanteilen in redaktionellen Führungspositionen profitiert, Ostdeutsche dagegen weniger (vgl. Eckert/Assmann 2021, 2023).

Etwa ein Viertel der Journalistinnen und Journalisten erzielte 2014/15 ein Netto-Einkommen zwischen 1.801 und 2.400 Euro, ein weiteres Fünftel zwischen 2.401 und 3.000 Euro (vgl. Steindl et al. 2017: 415). Zahlreiche Journalistinnen und Journalisten arbeiten in ökonomisch prekären Verhältnissen, dies betrifft vor allem Frauen und freiberuflich Tätige (vgl. Steindl et al. 2017: 417; Steindl et al. 2018; Schnedler 2017; Hanitzsch/Rick 2021).

Die meisten Journalistinnen und Journalisten in Deutschland verfügen über einen Studienabschluss. Der Akademikeranteil ist im Laufe der Jahrzehnte auf zuletzt etwa 70 bis 75 Prozent gestiegen (vgl. Steindl et al. 2017: 414; Loosen et al. 2023: 8). Über den familiären Hintergrund kann die »Worlds of Journalism«-Studie derzeit keine Angaben machen (vgl. den Fragebogen in Hanitzsch et al. 2019: 257-268). Bei der Befragung des Weischenberg-Teams im Jahr 2005 hatten 67 Prozent der Journalistinnen und Journalisten Väter, die Angestellte oder Beamte waren, nur 9 Prozent waren Kinder von Arbeitern; von den Müttern waren sogar nur drei Prozent Arbeiterinnen (mehr als die Hälfte Angestellte, und etwa jede fünfte Mutter gar nicht berufstätig) (vgl. Weischenberg et al. 2006: 69).

Eine Studie an drei nicht-universitären Journalist:innenschulen hatte ebenfalls ergeben, dass diejenigen, die sich dort ausbilden ließen, überwiegend aus der Mittelschicht stammten (vgl. Ziegler 2008: 14). Eine elitensoziologische Studie legt nahe, dass journalistische Spitzenpositionen – vor allem in privaten Medienunternehmen – überwiegend mit Personen besetzt sind, die familiär aus guten oder sehr guten ökonomischen Verhältnissen kommen (vgl. Hartmann 2013: 73-74).

Wenige Daten liegen für die Frage vor, wie viele Journalistinnen und Journalisten eine familiäre Migrationsgeschichte haben. Ältere Schätzungen kamen für deutsche Tageszeitungen auf einen Anteil von nur 1,2 Prozent (vgl. Geißler et al. 2009: 92) oder auf einen Anteil zwischen vier und fünf Prozent für alle Medien (vgl. Pöttker 2016: 15). Nach einer jüngeren Befragung des Vereins »Neue deutsche Medienmacher:innen« sind 118 von 126 Chefredakteurinnen und Chefredakteuren (94 %) bei Deutschlands reichweitenstärksten Medien Deutsche ohne Migrationshintergrund; »People of Color« seien gar nicht vertreten (vgl. NdM 2020).

2.2 Persönlichkeitsmerkmale

Über allgemeine Persönlichkeitsmerkmale und die psychische Konstitution von Journalistinnen und Journalisten existieren unseres Wissens kaum systematisch erhobene Daten. Eher auf Basis anekdotischer Evidenz werden ihnen Eigenschaften wie Wissbegierde und Neugierde, Flexibilität, Offenheit und Spontaneität zugeschrieben. Solche Eigenschaften werden zudem in Praxis-Ratgebern gefordert oder empfohlen: »Es gibt einige Grundeigenschaften, die einer mitbringen sollte, der Journalist werden will – vor allem gute Nerven, Arbeitsdisziplin und ein Quantum Selbstvertrauen. […] Die Langsamen, die Mimosen und die Schüchternen also sollten den Beruf wohl nicht ergreifen« (Schneider/Raue 2012: 15). Wichtig seien Neugier, Streitlust, Rückgrat und Misstrauen. Andere sprechen von kommunikativen Kompetenzen, Belastbarkeit und Kreativität (vgl. Mast 2018: 486-488). Ob solche Eigenschaften bei Journalistinnen und Journalisten tatsächlich besonders ausgeprägt sind, ist allerdings keineswegs sicher.

2.3 Vertrauen, Sorgen und Zufriedenheit

Sicherlich auch berufsbedingt, ist das Vertrauen von Journalistinnen und Journalisten, die in Deutschland arbeiten, in Parteien, Politikerinnen und Politiker vergleichsweise gering; in Institutionen wie das Justizwesen und die Polizei ist es dagegen deutlich größer (vgl. Steindl 2021: 215). Im internationalen Vergleich ist das Vertrauen in politische Institutionen wie das Parlament und die Regierung recht hoch (vgl. Hanitzsch/Berganza 2012: 803). Wie hoch das allgemeine Vertrauen in andere Menschen bei Journalistinnen und Journalisten ist, dafür liegen unseres Wissens keine aktuellen Daten vor; interpersonales Vertrauen kann aber ein wichtiger Faktor auch für andere Vertrauensformen sein (vgl. Granow et al. 2020; Jakobs et al. 2021: 474-480).

Mit Blick auf die Sorgen und die Zufriedenheit von Journalistinnen und Journalisten gibt es vor allem Hinweise zur Arbeitsbelastung, die in dem Beruf oft als hoch wahrgenommen wird (vgl. Loosen et al. 2023). Studien legen nahe, dass insbesondere Jüngere verstärkt daran denken, den Beruf zu wechseln (vgl. Schmidt et al. 2022: 67-69), und die Medienbranche einen braindrain befürchten muss (vgl. Schnedler 2017). Allerdings wird im Journalismus die Entscheidungsfreiheit insgesamt als groß wahrgenommen (vgl. Steindl et al. 2017: 418), was für die Attraktivität des Berufs und die Arbeitszufriedenheit wichtig sein kann. In einer Online-Umfrage aus dem Jahr 2020, an der sich mehr als 1.000 Journalistinnen und Journalisten beteiligten, gaben 43 Prozent an, sie seien »eher zufrieden« mit ihrem Beruf, 26 Prozent sagten, sie seien »sehr zufrieden« – gleichwohl schätzen insgesamt 43 Prozent der hauptberuflich beschäftigten Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeitssituation als »prekär« ein (Hanitzsch/Rick 2021: 2). Dabei stufen Frauen ihre Situation eher als prekär ein als Männer (48 % vs. 40 %), sie arbeiten nach eigenen Angaben häufiger in Teilzeit und entscheiden sich öfter für eine Freiberuflichkeit, um Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können; so erzielen Journalistinnen auch nur 83 Prozent des Durchschnittseinkommens der journalistisch tätigen Männer (Hanitzsch/Rick 2021: 5-7, 13).

Zur allgemeinen Lebenszufriedenheit und den Sorgen, die nicht unmittelbar mit der Berufstätigkeit verbunden sind, in der von uns analysierten Datenbasis (dem SOEP) aber erhoben werden, existieren unseres Wissens keine aktuellen Studien über deutsche Journalistinnen und Journalisten.

2.4 Politische Einstellungen

Politisch standen 2014/15 Journalistinnen und Journalisten in Deutschland im Durchschnitt leicht links von der Mitte, mit einem Mittelwert von 3,96 auf einer Skala von 0 (»links«) bis 10 (»rechts«) (vgl. Steindl et al. 2017: 414). Diejenigen, die im Politikressort arbeiten, sind mit einem Wert von 3,6 sogar noch etwas weiter nach links geneigt (vgl. Dingerkus/Keel 2021: 414). Je höher die berufliche Position (Führungsaufgaben) und je höher das Einkommen der Journalistinnen und Journalisten in Deutschland ist, desto stärker sind diese allerdings politisch in der Mitte verortet (vgl. Dietrich-Gsenger/Seethaler 2019: 65; ebenfalls auf Basis der »Worlds of Journalism«-Befragung).

Die Parteipräferenz wurde in früheren Untersuchungen, nicht aber in der »Worlds of Journalism«-Studie 2014/15 abgefragt. Im Jahr 2005 lagen die Grünen mit 36 Prozent vorne, nur 9 Prozent nannten damals CDU/CSU, und 20 Prozent der Befragten gaben an, sie neigten keiner Partei zu (vgl. Weischenberg et al. 2006: 71). Auch in einer Online-Befragung von mehr als 900 Politik-Journalistinnen und -Journalisten im Jahr 2009 erreichten die Grünen mit 26,9 Prozent den höchsten Wert; allerdings gaben 36 Prozent »keine Parteineigung« an (vgl. Lünenborg/Berghofer 2010: 13). Generell legen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland Wert auf Überparteilichkeit: Es dominiert das Selbstverständnis einer »neutralen Vermittlerrolle«, mehrheitlich betrachten sie sich als »unparteiische Beobachter« (Steindl et al. 2017: 419; Loosen et al. 2023. 9-11).

Wir verwenden nun die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), um zu untersuchen, wie in einer großen Stichprobe, die konzeptionell anders als die Spezialstudien aufgebaut ist, die journalistische Berufsgruppe in den genannten Profilbereichen aussieht. Zu vermuten ist, dass die Befunde die Angaben aus älteren Studien bestätigen. Da aber die Methoden und Befragungszeitpunkte variieren, können auch Unterschiede erwartet werden, zu deren Richtung wir keine Hypothesen haben. Zudem erheben die Daten des SOEP auch Persönlichkeitsmerkmale, die in der Journalismusforschung bisher nicht abgefragt wurden.

3. Methode

Die repräsentative Bevölkerungsbefragung im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) erlaubt Analysen einzelner Berufsgruppen. So haben beispielsweise Deter und van Hoorn (2023) auf Basis des SOEP Merkmale der Beschäftigten in der Finanzindustrie untersucht. Wir nutzen die Möglichkeit der großen Stichprobe dahingehend aus, dass wir in diesem jährlich erhobenen Datensatz die darin enthaltenen Journalistinnen und Journalisten anhand ihrer Tätigkeitsangaben identifizieren (anonymisiert, unter Wahrung der persönlichen Identität, die im Datensatz nicht enthalten ist). Wir vergleichen diese Gruppe dann mit der erwachsenen Gesamtbevölkerung, den Wahlberechtigten und mit der Gruppe der intensiv politisch Engagierten (definiert als Personen, die angeben, mindestens einmal pro Woche in Parteien, in der Kommunalpolitik oder in Bürgerinitiativen aktiv zu sein). Beachtet werden sollte, dass die Gruppe der intensiv politisch Engagierten sehr klein ist. Dies sind nur 1,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

3.1 Abgrenzung der Journalistinnen und Journalisten im SOEP-Datensatz

Eine Zufallsstichprobe wie das SOEP stellt eine interessante Alternative zu den oben vorgestellten Studien dar, da eine große Bevölkerungsstichprobe journalistisch Tätige automatisch erfasst und es allein von der Stichprobengröße abhängt, ob die Fallzahl der erfassten Journalistinnen und Journalisten ausreicht, um statistisch abgesicherte Aussagen machen zu können.

Eingang in unsere Untersuchung finden – wie in den in Abschnitt 2 zitierten Studien – nur diejenigen Personen, die angeben, hauptberuflich als Journalist oder Journalistin zu arbeiten; unabhängig davon, ob es traditionelle oder neuartige Medien sind (vgl. für den Fragebogen beispielhaft den für das Jahr 2019: Kantar Public 2020: 11-12). Ausgangspunkt waren alle Beobachtungen, für die »Journalistin/Journalist« im Datensatz standardmäßig vercodet wurde (vgl. dazu Hartmann/Schütz 2002).

Die Vercodung der Journalistinnen und Journalisten basiert darauf, dass SOEP-Befragte gebeten werden, ihre genaue berufliche Tätigkeitsbezeichnung im Klartext anzugeben. Uns standen jedoch nicht nur die standardmäßigen Codes zur Verfügung, sondern auch die Klartexte der beruflichen Tätigkeitsbezeichnung sowie des jeweiligen Wirtschaftszweiges der Befragten. So konnten wir Personen ausschließen, die beispielsweise im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Verlagswesen tätig sind (z. B. »Redaktionsleitung im Schulbuchverlag«). Das Ausschlussverfahren erfolgte auf Basis unabhängiger »Nominierungen« durch uns. Einstimmig schlossen wir anhand der Klartextangaben elf Befragte aus, die wir nicht zum Personenkreis der Journalistinnen und Journalisten zählen.

Da – geschätzt – hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten nur etwa 0,2 Prozent der Erwachsenen bzw. 0,3 Prozent der Erwerbstätigen ausmachen (vgl. Abschnitt 2 oben) ist die jährlich erhobene Fallzahl von Journalistinnen und Journalisten im SOEP so klein, dass wir die Beobachtungen über die Jahre 2013 bis 2020 poolen. Wir kommen damit insgesamt auf 129 Journalistinnen und Journalisten, die zwischen 2013 und 2020 415 mal befragt wurden. Diese Fallzahl reicht aus, um – wie sich zeigen wird – relevante Unterschiede zwischen Journalistinnen und Journalisten und den Vergleichsgruppen statistisch abgesichert zu finden; kleine Unterschiede sind wegen der großen Konfidenzintervalle für Journalistinnen und Journalisten nicht signifikant – sie sind freilich auch lebensweltlich nicht relevant.

Außerdem haben wir im SOEP aus der Gruppe der Journalisten und Journalistinnen 41 leitende Personen abgegrenzt. Für diese kann man davon ausgehen, dass sie nicht nur geschäftspolitisch, sondern auch inhaltlich besonders einflussreich sind, da sie die Möglichkeit haben, Themen zu setzen und zum Beispiel selbst journalistische Kommentare und Leitartikel zu schreiben. Auf diese Weise können wir prüfen, ob sich die mutmaßlich besonders einflussreiche Gruppe – wir nennen sie »Leitende Journalist*innen«, andere sprechen mit Blick auf Prominenz und Meinungsstärke von »Alphatieren« (Weischenberg et al. 2006: 52-56), »Einflussjournalisten« (Meyer 2015: 7) oder einem elitären »Kommentariat« (Pfetsch et al. 2004) – deutlicher von der übrigen Bevölkerung unterscheidet. Außer mit der Gesamtbevölkerung vergleichen wir Journalistinnen und Journalisten jeweils mit den Wahlberechtigten und mit politisch engagierten Menschen.

Die Abgrenzung der leitenden Journalistinnen und Journalisten erfolgt – unter voller Wahrung ihrer Anonymität – über drei Survey-Merkmale: Erstens, als berufliche Stellung geben sie an, dass sie Angestellte mit hochqualifizierter Tätigkeit oder in Leitungsfunktion sind oder Angestellte mit umfassenden Führungsaufgaben. Zweitens, sie arbeiten in Vollzeit. Und drittens, aus dem Klartext ist abzulesen, dass sie als Journalist*in, (Chef-)Redakteur*in oder Ressortleiter*in arbeiten. Wir differenzieren diese Gruppe bewusst nur so wenig wie möglich, um nicht durch zusätzliche Merkmale (etwa Alter und Wohnort) der Gefahr einer zufälligen De-Anonymisierung zu unterliegen.

Die Zahl von 41 leitenden Journalistinnen und Journalisten liegt am unteren Rand der Fallzahl, auf deren Basis statistisch gesicherte Aussagen möglich sind. Gemessen an insgesamt 129 Journalistinnen und Journalisten im Datensatz, ist der Anteil der Leitenden sehr hoch – jedoch muss bedacht werden, dass die große Zahl nebenberuflich tätiger Journalistinnen und Journalisten nicht in unsere Analyse eingeschlossen ist. Wie nicht anders zu erwarten, ist der Unsicherheitsbereich (Konfidenzintervall) für viele untersuchte Merkmale dieser Gruppe sehr groß (vgl. auch Abschnitt 4.1. unten). Gleichwohl zeigen sich auch einige statistisch signifikante Unterschiede zwischen allen Journalistinnen und Journalisten und den Leitenden; wir benennen diese im Text, verzichten aber im Interesse der Lesbarkeit auf deren Darstellung in den Ergebnis-Abbildungen (einsehbar im Online-Appendix).

3.2 Untersuchungsdimensionen

Begonnen wird unsere Analyse mit einem Vergleich der (üblichen) sozio-demographischen Merkmale von Journalistinnen und Journalisten mit den hier untersuchten Vergleichsgruppen. Einige dieser Ergebnisse werden auch mit den in Abschnitt 2 zitierten älteren Studien zur Berufssituation von Journalistinnen und Journalisten verglichen.

Der zweite Themenblock ist in drei Unterabschnitte unterteilt. Der Erste behandelt die Persönlichkeitsmerkmale anhand der »Big 5«-Persönlichkeitsmerkmale und der Risikofreude (vgl. zu den Konzepten zusammenfassend Leckelt et al. 2022; Heß et al. 2018; Richter et al. 2017). Auf einer Skala von eins (trifft überhaupt nicht zu) bis sieben (trifft voll und ganz zu) geben Befragte hinsichtlich der Big Five an, wie stark die folgenden Aussagen auf sie persönlich zutreffen: arbeite gründlich, bin kommunikativ, bin manchmal zu grob zu anderen, bin originell, mache mir oft Sorgen, kann verzeihen, bin eher faul, bin gesellig, schätze künstlerische Erfahrung, bin leicht nervös, erledige Aufgaben wirksam und effizient, bin zurückhaltend, gehe mit anderen freundlich um, habe lebhafte Phantasie, kann gut mit Stress umgehen und bin wissbegierig. Auf einer Skala von null bis zehn geben Befragte außerdem an, wie risikobereit sie im Allgemeinen und in verschiedenen Lebensbereichen sind (null = gar nicht risikobereit bis zehn = sehr risikobereit).

Die 16 Fragen bzw. Antworten zu einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen im SOEP werden von uns nicht zu den fünf Merkmalen Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion (Geselligkeit), Verträglichkeit und Neurotizismus (emotionale Labilität und Verletzlichkeit) verdichtet. Wir betrachten die einzelnen Items getrennt, da dies aussagekräftiger ist und dieses Vorgehen wegen der großen Fallzahlen in der SOEP-Datenbasis auch statistisch valide ist (im Vergleich zu vielen psychologischen Studien ist selbst die Fallzahl von nur 129 für Journalistinnen und Journalisten als groß anzusehen).

Der zweite Themenblock deckt die Zufriedenheit und Sorgen ab. Auf einer Skala von null (überhaupt nicht zufrieden) bis zehn (sehr zufrieden) geben die Befragten an, wie zufrieden sie mit den unterschiedlichen Lebensbereichen sind: allgemeine Lebenszufriedenheit, Gesundheit, Schlaf, Arbeit, Haushaltseinkommen, persönliches Einkommen, Freizeit und Familienleben (vgl. Priem et al. 2015).

Auf einer Skala von »keine Sorgen« über »einige Sorgen« bis »große Sorgen« werden die SOEP-Befragten aufgefordert, die Ausprägung ihrer Sorgen anzugeben hinsichtlich: allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, eigene wirtschaftliche Situation, eigene Gesundheit, Umweltschutz, Klimawandel, Friedenserhaltung, Kriminalitätsentwicklung in Deutschland, Arbeitsplatzsicherheit, Zuwanderung und Ausländerfeindlichkeit (vgl. Rohrer et al. 2021).

Der dritte Themenblock widmet sich der Parteineigung sowie weiteren Einstellungen. Dabei geben die Befragten an, welcher Partei sie zuneigen. Außerdem platzieren sie sich selbst auf einer politischen Links-Rechts Skala, wobei null für ganz links und zehn für ganz rechts steht.

Eine von Lauterbach et al. (2016: 62ff., insb. 65) entwickelte Frage betrifft den politischen Einfluss, den Journalistinnen und Journalisten sowie die untersuchten Vergleichsgruppen zu haben glauben. Die Frage lautet: »Wie schätzen Sie persönlich Ihre eigenen Möglichkeiten ein, auf öffentliche Entscheidungen der folgenden Ebenen einzuwirken? Auf kommunaler Ebene, regionaler Ebene, Landesebene, Bundesebene, internationaler Ebene«. Geantwortet werden kann auf einer Skala von eins (überhaupt nicht) bis sieben (voll und ganz).

Um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Journalisten und Journalistinnen im Vergleich zu allen Erwachsenen und Wahlberechtigten als Vergleichsgruppen aufzuzeigen, werden auf Grundlage der gepoolten SOEP-Daten von 2013 bis 2020 multiple lineare Regressionsanalysen durchgeführt, die zwei Variablenkategorien enthalten. Neben einer 0,1-Dummy-Variablen, die Journalisten und Journalistinnen kennzeichnet, wird jeweils für das Erhebungsjahr mit 0,1-Dummy-Variablen kontrolliert, sodass eventuelle reine Periodeneffekte (z. B. die Folgen der Zuwanderung von Geflüchteten) die Ergebnisse für den Journalist*innen-Effekt nicht verzerren. Für die Vergleichsgruppen »wahlberechtigt« und »Bevölkerung 18+« werden keine zusätzlichen Kontrollvariablen verwendet, um Aussagen darüber treffen zu können, inwieweit sich Journalistinnen und Journalisten ganz allgemein (im Aggregat) von diesen Gruppen unterscheiden.

In den Regressionsanalysen zu der Vergleichsgruppe »politisch intensiv Engagierte« wird zusätzlich zum Erhebungsjahr noch für das Geschlecht, das Alter (und das Alter zum Quadrat) sowie die Bildung statistisch kontrolliert, um so spezifische Eigenschaften und Lebensumstände, die über Geschlecht, Alter und Bildungsniveau hinausgehen, von Journalistinnen und Journalisten herauszuarbeiten. Die Regressionen werden auf Basis gewichteter Daten durchgeführt.

4. Ergebnisse

4.1 Sozio-demographische Merkmale

Abbildung 1 zeigt charakteristische sozio-demographische Merkmale der analysierten Populationen. Die Ergebnisse für die Gruppe der Journalist*innen (n = 129) und der leitenden Journalist*innen (n = 41) basieren auf gepoolten Daten von 2013 bis 2020. Das Poolen der Daten führt bei einer Wiederholungsbefragung – wie es das SOEP ist – dazu, dass manche Journalistinnen und Journalisten über die Jahre mehrfach im Datensatz enthalten sind. Um auszuschließen, dass die wiederholt Befragten in der Stichprobe überrepräsentiert sind, wird jeweils nur die letzte Beobachtung herangezogen.[3] Die Ergebnisse für die Vergleichsgruppen basieren auf Daten aus 2019.

Die Geschlechterverteilung sowie die Ost/West-Regionalverteilung (aktueller Wohnort – nicht die Herkunftsregion) der Journalistinnen und Journalisten unterscheiden sich kaum von den Vergleichsgruppen. Im Vergleich zu anderen Studien aus der Journalismusforschung klafft hier keine große Repräsentationslücke. Allerdings ändert sich die Lage bei Leitungsfunktionen: Bei Leitenden sind Männer deutlich stärker vertreten als in der Bevölkerung; dies gilt auch im Vergleich Leitender zu politisch stark engagierten Bürger*innen.

Betrachtet man den Migrationshintergrund, kommt man zu dem überraschenden Schluss, dass er – gemessen an den Vergleichsgruppen – bei Journalistinnen und Journalisten keineswegs selten ist. Vielmehr entspricht der Indikator für Journalistinnen und Journalisten dem für die Vergleichsgruppen oder übertrifft diesen sogar (so im Vergleich zu den Wahlberechtigten). Entgegen den Schätzungen älterer Studien arbeiten demnach (mittlerweile) zahlreiche Menschen mit familiärer Migrationsgeschichte im Journalismus. Ein genauerer Blick in die Daten zeigt jedoch, dass es sich dabei nicht um ein Spiegelbild der größten Einwanderungsgruppen in Deutschland handelt. Die befragten Journalistinnen und Journalisten stammen fast ausschließlich aus europäischen Ländern, jedoch findet sich in der Stichprobe beispielsweise keine Person vom afrikanischen Kontinent.

Journalistinnen und Journalisten stammen zudem deutlich häufiger als alle anderen Vergleichsgruppen aus Familien mit einem akademischen Hintergrund. Konkret bedeutet das, dass um die 40 Prozent der Journalistinnen und Journalisten mindestens ein Elternteil haben, das einen Hochschulabschluss besitzt.

Da Journalistinnen und Journalisten erwerbstätig sind, sind sie mit einem Alter von durchschnittlich 45 Jahren deutlich jünger als die erwachsene Gesamtbevölkerung, die Wahlberechtigten und die politisch intensiv Engagierten.

Tabelle A.1. im Anhang zeigt außerdem, dass über die Hälfte der Journalistinnen und Journalisten in Vollzeit beschäftigt ist, etwa 36 Prozent in Teilzeit, und über zehn Prozent sind der Kategorie »Sonstige« zuzuordnen (in Ausbildung, unregelmäßig oder geringfügig, aber als Hauptbeschäftigung, erwerbstätig). Häufiger als die Vergleichsgruppen sind Journalistinnen und Journalisten in Vollzeit und Teilzeit tätig. Dies ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass aktiver Journalismus eine Erwerbslosigkeit ausschließt.

Wie zu erwarten, liegt auch das formale Bildungsniveau der Journalistinnen und Journalisten höher als das der Vergleichsgruppen; dabei ist der Abstand zu den politisch intensiv Engagierten am geringsten (siehe Tabelle A.1). Die Ergebnisse aus den großen Befragungsstudien der Journalismusforschung bestätigen sich im SOEP: Die journalistische Berufsgruppe ist akademisch geprägt. Außerdem leben Journalistinnen und Journalisten in Haushalten, die über ein deutlich höheres monatliches Nettoerwerbseinkommen verfügen als die Vergleichsgruppen, wobei die leitenden Journalistinnen und Journalisten mit fast 5.000 Euro an der Spitze liegen (man beachte den Unsicherheitsbereich, siehe Tab. A.2).

Abb. 1
Soziodemographische Merkmale der Journalist*innen und der Vergleichsgruppen

Anmerkung: Die Werte der Vergleichsgruppen basieren auf gewichteten Daten der erwachsenen Bevölkerung (18+) aus dem Jahr 2019 (politisches Engagement wird nur alle zwei Jahre erfragt, zuletzt 2019; daher nicht aktuellste Erhebung aus 2020). Die Werte der Journalist*innen und der leitenden Journalist*innen basieren auf der jeweils aktuellsten Angabe zwischen 2013 und 2020. Diese Angaben sind ungewichtet. Quelle: SOEP v.37.

4.2 Weitere Merkmale

Die weiteren Ergebnisse beruhen nicht auf einfachen deskriptiven Analysen, sondern auf Regressionsanalysen. Diese erlauben es, Beobachtungen, die aus verschiedenen Kalenderjahren stammen, zu poolen und gleichzeitig deutlich zu machen, welche der Unterschiede zwischen den Journalistinnen und Journalisten sowie den Vergleichsgruppen statistisch signifikant sind.

In den folgenden Abbildungen stellen die Punkte die Koeffizienten der 0,1-Dummy-Variablen für die jeweils untersuchte Gruppe der Journalisten und Journalistinnen dar; die Punkte geben also an, wo Journalisten und Journalistinnen im Vergleich zur jeweiligen Vergleichsgruppe (rote Linie) positioniert sind. Beispielsweise zeigt die oberste Linie (zur Eigenschaft »gründlich arbeiten«) in Abbildung 2.1, dass Journalistinnen und Journalisten etwas mehr angeben, gründlich zu arbeiten, als die Gesamtbevölkerung (ab 18 J.), aber dieser Unterschied ist statistisch nicht signifikant. Das wird erkennbar aus den Strichen, die die Punkte umgeben; die Striche weisen die 95 Prozent Konfidenzintervalle aus, also den Ergebnisbereich, in dem das wahre Ergebnis mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit liegt. Nur dann, wenn die Konfidenzintervalle die rote Linie nicht miteinschließen, kann von einem statistisch signifikanten Effekt gesprochen werden (was z. B. im vierten Block in Abbildung 2.1 für das angegebene Ausmaß der Originalität von Journalistinnen und Journalisten im Vergleich zu allen Erwachsenen und Wahlberechtigten der Fall ist). Da die Zahl von 129 Journalistinnen und Journalisten in der Stichprobe recht klein ist, müssen alle Effekte, um statistisch signifikant zu sein, effektmäßig recht groß sein und sind damit auch inhaltlich relevant.

4.2.1 Persönlichkeitsmerkmale

Die Abbildungen »Big Five« (Abb. 2.1 und Abb. 2.2)[4] zeigen, dass Journalistinnen und Journalisten sich bei einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen, die sie für sich selbst angeben, von den dargestellten Vergleichsgruppen signifikant unterscheiden (da das SOEP keine Spezialumfrage zu Journalismus ist, ist auch nicht zu erwarten, dass die befragten Journalistinnen und Journalisten bewusst Angaben im Hinblick auf Erwartungen zu diesem Beruf gemacht haben). Mehr oder weniger deutlich signifikant sind für Journalistinnen und Journalisten im Vergleich zu den drei demographischen Kontrollgruppen eine höhere Kommunikativität, Originalität, Interesse an künstlerischer Erfahrung, Fantasie und Wissbegierde. Überraschend mag sein, dass Journalistinnen und Journalisten sich im Vergleich zur Gesamtbevölkerung und den Wahlberechtigten als eher faul einschätzen.

Abb. 2.1
Big Five Persönlichkeitsmerkmale I

* Skala Persönlichkeitsmerkmale: trifft überhaupt nicht zu (0) – trifft voll und ganz zu (7). Quelle: SOEP v.37; Analysen anhand gepoolter Daten 2013 bis 2020, kontrolliert für das Erhebungsjahr. Zusätzlich wird bei »pol. Engagierten« für Geschlecht, Alter, Alter2 und Bildung kontrolliert. Anmerkung: Punkte geben die Position der Journalist*innen an im Vergleich zu den jeweiligen Referenzgruppen. Lesehilfe: Für die Dimension »bin originell« geben Journalist*innen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung und den Wahlberechtigten signifikant höhere Werte an. Im Vergleich zu den politischen Engagierten unterscheiden sich Journalist*innen nicht signifikant in ihren Angaben.

Im Vergleich zu politisch Aktiven schätzen Journalistinnen und Journalisten sich hinsichtlich geschätzter künstlerischer Erfahrungen und Fantasie stärker ein; hinsichtlich Kommunikation und Originalität geben sie keine statistisch signifikanten höheren Werte an als politisch engagierte Bürgerinnen und Bürger. Mit Blick auf die Angaben der leitenden Journalistinnen und Journalisten (siehe Abbildungen Online-Appendix, Abb. A.1.1), zeigt sich, dass sie sich im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen einzig darin unterscheiden, zu glauben, eher verzeihen zu können. Im Vergleich zu den restlichen Bevölkerungsgruppen betrachten sich Leitende als weniger nervös, wissbegieriger, fantasievoller und stressresistenter.

Die allgemeine Risikoneigung der Journalistinnen und Journalisten liegt erkennbar (aber statistisch nur schwach signifikant) oberhalb der Risikoneigung der erwachsenen Gesamtbevölkerung und der Wahlberechtigten – was aufgrund des höheren Bildungsniveaus der journalistischen Berufsgruppe, das mit höherer Risikoneigung verbunden ist, auch zu erwarten war (siehe Abb. 2.3). Überraschender erscheint, dass die Risikoneigung der Journalistinnen und Journalisten unterhalb der Risikoneigung der politisch Engagierten liegt. Und diese wiederum liegt deutlich über der der erwachsenen Gesamtbevölkerung (vgl. Heß et al. 2018).

Nicht unbedingt überraschend ist, dass bezüglich der beruflichen Karriere die angegebene Risikoneigung von Journalistinnen und Journalisten, deren Berufsfeld ja vergleichsweise offen ist, deutlich höher liegt als die der Vergleichsgruppen.

Interessanterweise tendieren Journalistinnen und Journalisten in ihrer Selbsteinschätzung dazu, größeres Vertrauen in fremde Menschen zu haben als die Gesamtbevölkerung und die Wahlberechtigten. Außerdem sind sie risikofreudiger in den Bereichen Freizeit und Sport. Mit Blick auf Geldanlagen und die eigene Gesundheit jedoch wird deutlich, dass sie weniger bereit dazu sind, ein Risiko einzugehen, als die Vergleichsgruppen.

4.2.2 Zufriedenheiten und Sorgen

Mit Blick auf Abb. 3 fällt auf, dass Journalistinnen und Journalisten deutlich zufriedener mit ihrem Leben im Allgemeinen, aber auch mit ihrer Gesundheit und ihrem Schlaf sind, als die Gesamtbevölkerung und die wahlberechtigten Personen. Das überrascht allerdings wenig, da in den beiden Vergleichsgruppen auch kranke Nicht-Erwerbstätige enthalten sind und hier nicht für Alterseffekte kontrolliert wird. Die Lebenszufriedenheit der Journalistinnen und Journalisten unterscheidet sich daher kaum (aber in Richtung höherer Zufriedenheit) von der der politisch Engagierten.

Abb. 2.2
Big Five Persönlichkeitsmerkmale II

* Skala Persönlichkeitsmerkmale: trifft überhaupt nicht zu (0) – trifft voll und ganz zu (7). Quelle: SOEP v.37; Analysen anhand gepoolter Daten von 2013 bis 2020, kontrolliert für das Erhebungsjahr. Zusätzlich wird bei der Vergleichsgruppe »pol. Engagiert« für Geschlecht, Alter, Alter2 und Bildung kontrolliert. Anmerkung: Punkte geben die Position der Journalist*innen an im Vergleich zu den jeweiligen Referenzgruppen.

Abb. 2.3
Selbsteinschätzung Risikobereitschaft

* Skala Risikobereitschaft: gar nicht risikobereit (0) – sehr risikobereit (10); ** Die allgemeine Risikobereitschaft wird jährlich erhoben (hier: gepoolte Ergebnisse für 2013-2020). Bereichsspezifische Risikobereitschaft wird nur 2014 erfragt und basiert so auf den Aussagen von 61 Journalistinnen und Journalisten. Aufgrund fehlender/geringer Werte können hier keine Aussagen über politisch Engagierte oder leitende Journalist*innen gemacht werden. Anmerkung: Punkte geben die Position der Journalist*innen an im Vergleich zu den jeweiligen Referenzgruppen. Analysen anhand gepoolter Daten von 2013 bis 2020, kontrolliert für das Erhebungsjahr. Zusätzlich wird bei der Vergleichsgruppe »pol. Engagierte« für Geschlecht, Alter, Alter2 und Bildung kontrolliert. Quelle: SOEP v.37

Hinsichtlich der Arbeits- und Freizeitzufriedenheit schneiden Journalistinnen und Journalisten durchschnittlich ab, Leitende etwas schlechter hinsichtlich ihrer Arbeitszufriedenheit (siehe Online-Appendix, Abb. A.2, vgl. auch den Befund zu Sorgen unten). Es besteht jedoch in den Daten eine (statistisch nicht signifikante) Tendenz zu einem zufriedeneren Familienleben. Die materielle Lebenssituation wird hier mit Hilfe der Zufriedenheit mit dem persönlichen Einkommen und dem Haushaltseinkommen erfasst. Obwohl nicht immer statistisch signifikant, aber in der Tendenz klar: Journalistinnen und Journalisten sind sowohl mit ihrem Haushalts- als auch mit ihrem persönlichen Einkommen weniger zufrieden als die Vergleichsgruppen. Dies gilt nicht für die Leitenden. Sie sind mit ihrem persönlichen Einkommen deutlich zufriedener als ihre Kolleginnen und Kollegen – und auch als die Vergleichsgruppen der Gesamtbevölkerung und Wahlberechtigten.

Wie steht es um Sorgen und damit auch darum, was politisch für wichtig erachtet wird? Die Ergebnisse zu »Sorgen« (Abb. 4) zeigen, dass Journalistinnen und Journalisten in einem ungefähr durchschnittlichen Ausmaß um die allgemeine wirtschaftliche Situation besorgt sind. Auch hinsichtlich der Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation unterscheiden sich Journalistinnen und Journalisten fast nicht von der erwachsenen Gesamtbevölkerung und den Wahlberechtigten. Hinsichtlich der eigenen wirtschaftlichen Situation machen sie sich jedoch mehr Sorgen als die politisch Engagierten; dieser Befund ist allerdings nicht statistisch signifikant.

Obwohl Journalistinnen und Journalisten ein stressiges Berufsleben nachgesagt wird und sie auch nach eigenen Angaben oft unter Stress leiden (vgl. Loosen et al. 2023: 15), machen sie sich im Durchschnitt weniger Sorgen um ihre Gesundheit als die demographischen Vergleichsgruppen. Angesichts der Klagen in der Medienbranche über ungesicherte Arbeitsverhältnisse ist zudem der Befund überraschend, dass sich Journalistinnen und Journalisten um ihre Arbeitsplatzsicherheit nur in durchschnittlichem Ausmaß Sorgen machen (und Leitende noch etwas weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen, siehe Online-Appendix, Abb. 3). Lediglich gegenüber den politisch besonders engagierten Bürgerinnen und Bürgern liegt das Arbeitsplatz-Sorgenniveau höher.

Dies kann allerdings auch eine Folge des Samples sein, in dem Journalistinnen und Journalisten, die ihre journalistische Tätigkeit beispielsweise als einen Nebenjob betreiben, nicht vertreten sind.

Die weiteren erfragten Sorgen zeigen, dass sich im Durchschnitt Journalistinnen und Journalisten um »grüne« Themen wie Umweltschutz und Klimawandel deutlich mehr Sorgen machen als die erwachsene Gesamtbevölkerung und die Wahlberechtigten (dies gilt allerdings nicht für die Gruppe der Leitenden). Weniger Sorgen machen sich Journalisten und Journalistinnen um die Entwicklung der Kriminalität und der Zuwanderung.

Abb. 3
Zufriedenheit

* Skala Zufriedenheit: überhaupt nicht zufrieden (0) – sehr zufrieden (10). Anmerkung: Punkte geben die Position der Journalist*innen an im Vergleich zu den jeweiligen Referenzgruppen. Analysen anhand gepoolter Daten von 2013 bis 2020, kontrolliert für das Erhebungsjahr. Zusätzlich wird bei der Vergleichsgruppe »pol. Engagiert« für Geschlecht, Alter, Alter2 und Bildung kontrolliert. Quelle: SOEP v.37

Abb. 4
Sorgen

* Skala: keine Sorgen (1) – große Sorgen (3). Anmerkung: Punkte geben die Position der Journalist*innen an im Vergleich zu den jeweiligen Referenzgruppen. Analysen anhand gepoolter Daten von 2013 bis 2020, kontrolliert für das Erhebungsjahr. Zusätzlich wird bei der Vergleichsgruppe »pol. Engagiert« für Geschlecht, Alter, Alter2 und Bildung kontrolliert. Quelle: SOEP v.37

Interessant sind die Unterschiede zu politisch engagierten Bürgerinnen und Bürgern: Hinsichtlich Friedenserhalt, Umweltschutz, Klimawandel unterscheiden sich Journalistinnen und Journalisten und politisch Engagierte kaum, aber diese machen sich deutlich mehr Sorgen um Ausländerfeindlichkeit und um die Zuwanderung nach Deutschland.[5]

4.2.3 Politische Einstellungen und Parteineigung

Die Struktur der Sorgen lässt die Ergebnisse zur politischen Einstellung von Journalistinnen und Journalisten nicht mehr als überraschend erscheinen (Abb. 5.1.): Bei der Selbsteinordnung auf einem Links-Rechts-Schema ordnen sich Journalistinnen und Journalisten – wie in den in Abschnitt 2 zitierten Studien – leicht links (und statistisch signifikant) von den demographischen Vergleichsgruppen ein, unterscheiden sich jedoch nicht statistisch signifikant von den politisch engagierten Bürgerinnen und Bürgern.

Bezüglich der Parteineigung sind sehr deutliche Strukturen erkennbar (Abb. 5.2), die auch in der vorliegenden Literatur betont werden: Journalistinnen und Journalisten neigen der Union deutlich weniger zu als alle Vergleichsgruppen und demgegenüber deutlich mehr den Grünen. Sie neigen mehr oder weniger im selben Ausmaß wie die Vergleichsgruppen der SPD und der Linken zu (nicht aber die Leitenden, die den Linken deutlich weniger zuneigen; siehe Online-Appendix, Abb. A.4); wobei Journalistinnen und Journalisten der SPD deutlich weniger zuneigen als die politisch Engagierten. Gleichzeitig präferieren sie im Vergleich mit den drei demographischen Vergleichsgruppen etwas weniger die FDP, wobei die Unterschiede nicht statistisch signifikant sind. Interessanterweise favorisieren Journalistinnen und Journalisten weniger sonstige Parteien als alle anderen Vergleichsgruppen, insbesondere die politisch Engagierten. Insgesamt muss angemerkt werden, dass eine Mehrheit der erwachsenen Gesamtbevölkerung (2019: 57%) und fast die Hälfte (44%) der Journalistinnen und Journalisten angeben, keine Parteineigung zu haben. Das relativiert die ansonsten genannten Parteipräferenzen erheblich.

Abb. 5.1
Politische Einstellungen

* Skala pol. Einstellung: links (0) – rechts (10). Anmerkung: Punkte geben die Position der Journalist*innen an im Vergleich zu den jeweiligen Referenzgruppen. Analysen anhand gepoolter Daten von 2013 bis 2020, kontrolliert für das Erhebungsjahr. Zusätzlich wird bei der Vergleichsgruppe »pol. Engagiert« für Geschlecht, Alter, Alter2 und Bildung kontrolliert. Quelle: SOEP v.37

Abb. 5.2
Parteineigung

Anmerkung: Punkte geben die Position der Journalist*innen an im Vergleich zu den jeweiligen Referenzgruppen (Odds Ratio). Analysen anhand gepoolter Daten von 2013 bis 2020, kontrolliert für das Erhebungsjahr. Zusätzlich wird bei der Vergleichsgruppe »pol. Engagiert« für Geschlecht, Alter, Alter2 und Bildung kontrolliert. Quelle: SOEP v.37

Hinsichtlich ihrer politischen Einflussmöglichkeiten (Abb. 5.3) schätzen sich Journalistinnen und Journalisten auf allen Ebenen deutlich einflussreicher ein als die Vergleichsgruppen – mit Ausnahme der politisch engagierten Bürgerinnen und Bürger. Einzig auf internationaler Ebene sehen Journalistinnen und Journalisten keine größere Möglichkeit, auf öffentliche Entscheidungen einwirken zu können.

Abb. 5.3
Einschätzung politischer Einflussmöglichkeiten (2019)

* Skala Einschätzung Einflussmöglichkeiten: überhaupt nicht (1) – voll und ganz (7); ** Die Einschätzung zu Einflussmöglichkeiten wird nur 2019 erfragt und basiert so auf den Aussagen von 42 Journalistinnen und Journalisten. Anmerkung: Punkte geben die Position der Journalist*innen an im Vergleich zu den jeweiligen Referenzgruppen. Analysen anhand gepoolter Daten von 2013 bis 2020, kontrolliert für das Erhebungsjahr. Zusätzlich wird bei der Vergleichsgruppe »pol. Engagiert« für Geschlecht, Alter, Alter2 und Bildung kontrolliert. Quelle: SOEP v.37

5. Diskussion und Fazit

Journalistinnen und Journalisten sind kein Spiegelbild der Bevölkerung, ihre Biografien und Einstellungen entsprechen nur bedingt der Vielfalt der Gesellschaft oder auch dem Durchschnitt der Bevölkerung. In der Kommunikationswissenschaft ist dieser Befund seit langem bekannt, allerdings gibt es nicht viele Studien, die Vergleiche auf repräsentativer Basis ziehen können. Vor diesem Hintergrund hat dieser Aufsatz mit den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) eine etablierte, aber von der Journalismusforschung bisher nicht genutzte Quelle erschlossen, die zudem Variablen zur Persönlichkeit enthält, die bislang nicht analysiert wurden. Außerdem erlaubt das SOEP gezielte Vergleiche mit Bevölkerungsgruppen, so insbesondere mit politisch engagierten Bürgerinnen und Bürgern.

Ob und ggf. wie Einstellungen und Milieu-Prägungen die Berichterstattung beeinflussen, kann mit den vorliegenden Daten nicht geklärt werden. Generell ist Vorsicht angebracht, wenn es darum geht, von den Einstellungen und sozialen Merkmalen der einzelnen Journalistinnen und Journalisten auf Effekte für die Berichterstattung zu schließen; diese Zusammenhänge sind offenkundig kompliziert (vgl. Lück et al. 2022: 562-565; Hoffmann 2023). Die Analyse auf Basis des SOEP beruht zudem auf einer recht kleinen Stichprobe hauptberuflich tätiger Journalistinnen und Journalisten, sodass die Möglichkeiten begrenzt waren, innerhalb dieser Gruppe zu differenzieren.

In der vorliegenden Studie ging es zunächst darum zu erfassen, welche Merkmale für Journalistinnen und Journalisten in Deutschland typisch sind. Dabei erscheint uns bereits die Bestätigung früherer Studienergebnisse als wertvoll. Denn Befragungen in der Medienbranche sind mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert, u. a. beim Bestimmen der Grundgesamtheit, dem Ziehen der Stichprobe und den Rücklaufquoten. Die Datenbasis und die Methoden, die unserer Analyse zugrunde liegen, unterscheiden sich grundlegend von den großen Erhebungen aus der Journalismusforschung. Der SOEP-Datensatz hat den Vorteil, dass er repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ist und die Gruppe von Journalistinnen und Journalisten automatisch wie alle anderen Berufsgruppen einschließt. Entsprechend werden ihnen dieselben Fragen gestellt wie allen anderen. Die Replikation der Literaturbefunde für Variablen wie Alter, Einkommen und politischer Einstellung kann daher als Zeichen für die Qualität der verschiedenen Studien und ihres Designs gedeutet werden.

Im Hinblick auf Alter, Bildungsstand, Einkommen, soziale Herkunft und politische Einstellungen bestätigen die Ergebnisse für die Jahre 2013 bis 2020 in der Tendenz die älteren Untersuchungen von Weischenberg et al. (2006) und Hanitzsch et al. (2019b) sowie die neue Studie von Loosen et al. (2023). Journalistinnen und Journalisten in Deutschland entstammen zu großen Teilen einem akademischen Milieu. Ostdeutsche (Wohnort) sind unter den journalistisch Tätigen unterrepräsentiert. Trotz viel diskutierter Probleme mit prekären Arbeitsverhältnissen in der Medienbranche (vgl. Hanitzsch/Rick 2021) lebt die journalistische Berufsgruppe insgesamt in Haushalten, deren Einkommen über dem Durchschnitt der Bevölkerung liegen. Politisch neigen Journalistinnen und Journalisten leicht nach links und überdurchschnittlich stark zu den Grünen. Für die Annahme, die Berufsgruppe werde von einem urbanen, grünen Milieu geprägt, finden sich weitere Anhaltspunkte: Journalistinnen und Journalisten machen sich stärker als die Gesamtbevölkerung Sorgen um das Klima und den Umweltschutz. Ihr Sorgenprofil ähnelt dem der kleinen Gruppe intensiv politisch engagierter Bürgerinnen und Bürger. Allerdings zeigen sich die Journalistinnen und Journalisten weniger besorgt als diese, wenn es um Themen wie Kriminalität oder Zuwanderung geht – auch dies ein Hinweis auf eine eher links-liberale Grundhaltung.

An etlichen Punkten erweitert und verfeinert die Auswertung des SOEP das Wissen über den Journalismus in Deutschland. Teilweise überraschend sind für uns die Ergebnisse zum Migrationshintergrund von Journalistinnen und Journalisten. Bisher beruhten Angaben dazu auf älteren, groben Schätzungen oder auf Analysen eines kleinen und selektiven Kreises (Chefredaktionen). Wie die SOEP-Daten nun zeigen, ist der Anteil von Journalistinnen und Journalisten mit Migrationsgeschichte, die entweder selbst im Ausland geboren wurden oder mindestens ein Elternteil haben, das nicht aus Deutschland kommt, größer als gedacht: Mit etwa 20 Prozent liegt der Anteil nahe am Anteil in der Gesamtbevölkerung. Es zeigt sich allerdings, dass der überwiegende Großteil der journalistisch tätigen Personen mit Migrationsgeschichte aus den europäischen Nachbarländern stammt, nur ein verschwindend geringer Anteil migrierte aus Asien, und es findet sich kein Journalist vom afrikanischen Kontinent in der Stichprobe. Außerdem sind Migrant*innen in leitenden Positionen unterrepräsentiert.

Stärker als andere Menschen dies tun, halten sich Journalistinnen und Journalisten für kreativ, wissbegierig und fantasievoll; und sie haben laut ihren Antworten im SOEP ein überdurchschnittlich hohes Vertrauen in andere Menschen – alles Eigenschaften, die einen positiven Beitrag zur Lebenszufriedenheit leisten können. Auch mit Blick auf die Lebenszufriedenheit entsprechen die Ergebnisse nicht unbedingt den gängigen Vorstellungen bzw. Vorurteilen. Trotz des Drucks, der durch den digitalen Strukturwandel auf dem Journalismus lastet, unterscheidet sich die Arbeits-, Lebens- und Freizeitzufriedenheit der Journalistinnen und Journalisten kaum von der übrigen Bevölkerung. Sie fallen nicht als Gruppe auf, die besonders stark hadern würde. Nicht allzu zufrieden sind sie zwar mit ihrem Einkommen, wenn es aber um ihr Familienleben oder die Gesundheit geht, sind Journalistinnen und Journalisten in der Tendenz sogar überdurchschnittlich zufrieden. Leitende Journalistinnen und Journalisten sind im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen zwar etwas weniger zufrieden mit ihrer Arbeit, dafür aber deutlich zufriedener mit ihrem persönlichen Einkommen.

Dies alles gilt wohlgemerkt für hauptberuflich tätige, im Beruf schon angekommene Journalistinnen und Journalisten in Deutschland, die im Zentrum der vorliegenden Studie standen, während es in der Medienbranche insgesamt einen sich in Zukunft weiter verschärfenden Trend zur Nebenberuflichkeit geben mag – oder (vormalige) Journalistinnen und Journalisten sich ganz neue Beschäftigungsfelder suchen. Ein Schrumpfen des journalistischen Berufsfeldes und die damit einhergehenden Probleme konnte die Analyse nicht widerspiegeln, sie unterschätzt damit möglicherweise die beruflichen Schwierigkeiten, die aktuell und in Zukunft für (junge) Journalisten und Journalistinnen bestehen.

Allerdings gerät in Debatten über den Journalismus als Krisenbranche womöglich zu schnell aus dem Blick, dass viele, wenn nicht sogar die meisten anderen Wirtschaftsbranchen ebenfalls vor großen Herausforderungen und Unsicherheiten stehen und die Lage vieler Medienleute nicht unbedingt schlechter, teilweise sogar besser als die Lage anderer Berufstätiger sein kann. In den SOEP-Daten hat sich gezeigt, dass Journalistinnen und Journalisten unterdurchschnittlich risikoavers sind und überdurchschnittlich stark dazu bereit, Risiken im Beruf einzugehen. Zur Lebenszufriedenheit dürfte auch beitragen, dass sie stärker als andere davon ausgehen, mit ihrer Arbeit einen (politischen) Einfluss zu haben und etwas bewirken zu können.

Insgesamt ergibt sich daraus das Bild einer recht zufriedenen, erfüllten Bevölkerungs- und Berufsgruppe. Die Einschätzungen könnten anders ausfallen oder differenziert werden, sobald Probleme und Krisensymptome der Medienbranche explizit angesprochen würden; interessant ist jedoch, dass im direkten Vergleich mit anderen Bevölkerungsgruppen die Journalistinnen und Journalisten keineswegs als besonders unzufrieden wirken. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass sie durch ihren Bildungsstand und ihre Persönlichkeitsmerkmale, die eine überdurchschnittliche Offenheit für Neues nahelegen, vergleichsweise gut mit beruflichen Belastungen und gesellschaftlichen Umbrüchen umgehen können. Dazu kommt, dass viele Journalistinnen und Journalisten ihren Beruf auch mit einem idealistischen Antrieb ergreifen, ihn als sinnstiftend wahrnehmen (was an der recht hohen Lebenszufriedenheit zu erkennen ist) und daher womöglich bereit sind, auch Belastungen bis zu einem gewissen Grad in Kauf zu nehmen. So könnten Journalistinnen und Journalisten über wichtige Ressourcen und Mentalitäten verfügen, die ihnen dabei helfen, die Dynamik des Medienwandels nicht nur auszuhalten, sondern konstruktiv mitzugestalten.

Für künftige Studien aus der Journalismusforschung könnte es sich lohnen, die Abfrage und Analyse von Merkmalen, wie sie im SOEP untersucht werden, zu integrieren und zu vertiefen. Durch systematische Vergleiche mit anderen Bevölkerungs- und Berufsgruppen, die nicht nur mit dem SOEP, sondern auch mit anderen Surveys (wie dem European Social Survey oder dem World Value Survey) untersucht werden, ließen sich weitere Einsichten über die journalistische Berufsgruppe gewinnen.

Finanzierung und Danksagung

Der Aufsatz entstand im Rahmen des »SOEP Transfer Projekts« (https://www.diw.de/de/diw_01.c.799389.de/projekte/soep-transfer__forschungsdaten_fuer_journalistinnen_und_zeithistorikerinnen.html), ist jedoch unabhängig von der Förderung dieses Projekts durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (Förderkennzeichen 01IO2015). Wir danken dem Beirat des Projektes, insbesondere Holger Wormer, für wichtige Anregungen.

Über die Autor:innen

Katja Schmidt, Dr., lehrt und forscht am Institut für Sozialwissenschaften (Makrosoziologie) der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören politische Soziologie und quantitative Datenanalysen, Migration und Einstellungswandel. Kontakt: katja.schmidt@hu-berlin.de

Tanjev Schultz, Prof. Dr., lehrt und forscht am Journalistischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er ist einer der Herausgeber der Journalistik. Kontakt: tanjev.schultz@uni-mainz.de

Gert G. Wagner, Prof. Dr. Dr. h.c., ist Senior Research Fellow der Leibniz-Längsschnittstudie SOEP und Fellow am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Kontakt: gwagner@mpib-berlin.mpg.de

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Anhang

Tabelle A.1
Sozio-demographische Merkmale der Journalistinnen und Journalisten und der Vergleichsgruppen

Anmerkung: Die Werte der Vergleichsgruppen basieren auf gewichteten Daten der erwachsenen Bevölkerung (18+) aus dem Jahr 2019 (politisches Engagement wird nur alle zwei Jahre erfragt, zuletzt 2019; daher nicht aktuellste Erhebung aus 2020). Die Werte der Journalist*innen und der leitenden Journalist*innen basieren auf der jeweils aktuellsten Angabe zwischen 2013 und 2020. Diese Angaben sind ungewichtet. Quelle: SOEP v.37.

Tabelle A.2
Sozio-demographische Merkmale der Journalistinnen und Journalisten, inklusive 95%-Konfidenzintervalle (Unsicherheitsbereich)

Anmerkung: Die Werte der Journalist*innen und der leitenden Journalist*innen basieren auf der jeweils aktuellsten Angabe zwischen 2013 und 2020. Quelle: SOEP v.37.

Fußnoten

1 Zum Beispiel die taz-Genossenschaft verweist ausdrücklich auf die Bedeutung persönlicher Biografien, wenn sie an ihre Mitglieder schreibt (am 13. Februar 2023): »Die Redaktionen in Deutschland und auch in der taz sind recht homogen: die Journalist*innen kommen aus akademischen Familien, sie sind mehrheitlich in urbanen Milieus aufgewachsen. Ihr Blick auf die Welt prägt ihre Fragen, ihre Berichterstattung und ihre Kritik. Deshalb sucht die taz Panter Stiftung Menschen mit abweichender Erfahrung [für ein Stipendienprogramm für Volontariate]. Mit dem Programm werden Menschen in Redaktionen geholt, die dort unterrepräsentiert sind – z. B. Frauen mit Migrationshintergrund oder Menschen ohne akademische Laufbahn.«

2 »Die Bundesagentur für Arbeit (2017) geht derzeit von etwa 200.000 Personen aus, die in publizistischen Berufen tätig sind, wobei davon rund 150.000 im Bereich Journalismus zu finden seien. Zu berücksichtigen ist hierbei allerdings, dass die Bundesagentur für Arbeit (2010) auch Personen als Redakteure versteht, die weder hauptberuflich im Journalismus tätig, noch überwiegend mit journalistischen Aufgaben betraut sind. So werden beispielsweise auch technische Redakteure oder Redaktionsassistenten, ebenso wie Personen, die sich mit fiktionalen Erzählungen beschäftigen, als Redakteure erfasst. Nicht verwunderlich ist daher, dass sich die Angaben hinsichtlich der Journalisten-Zahlen in Deutschland zum Teil enorm unterscheiden. Andere Quellen sprechen beispielsweise davon, dass alleine im Bereich der Freiberuflichkeit von über 100.000 Journalisten ausgegangen werden kann – unberücksichtigt sind dabei jedoch die festangestellten Journalisten« (Steindl et al. 2019: 37).

3 Aufgrund der relativ geringen Anzahl an Journalisten und Journalistinnen in der Stichprobe wurden zwei Maßnahmen durchgeführt, um die Zuverlässigkeit der Ergebnisse zu validieren und mögliche Verzerrungen zu minimieren. Erstens wurde eine Probegewichtung durchgeführt, zweitens wurde die Verteilung der Journalist*innen in den unterschiedlichen Teilstichproben des SOEP geprüft. Die Probegewichtung resultierte in keiner relevanten Veränderung der Ergebnisse. Außerdem wurde keine Überrepräsentation der Journalist*innen in den einzelnen Teilstichproben festgestellt (z. B. Migrationssamples).

4 Die Stata-Grafikschemata für die Abbildungen 2 bis 4 stammen aus Bischof (2017).

5 Die jüngsten in der Analyse berücksichtigten Daten stammen aus dem Jahr 2020, sodass die Kriege in der Ukraine und in Israel noch keine Rolle für die Antworten der Befragten spielen konnten.


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Zitationsvorschlag

Katja Schmidt, Tanjev Schultz und Gert G. Wagner: Wie blicken Journalistinnen und Journalisten auf die Welt?. Eine vergleichende empirische Analyse von Persönlichkeitsmerkmalen und politischen Einstellungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). In: Journalistik. Zeitschrift für Journalismusforschung, 3_4, 2023, 6. Jg., S. 309-346. DOI: 10.1453/2569-152X-3_42023-13610-de

ISSN

2569-152X

DOI

https://doi.org/10.1453/2569-152X-3_42023-13610-de

Erste Online-Veröffentlichung

Dezember 2023

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