Akute Fälle von Medienversagen Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. kürt die Top Ten der Vergessenen Nachrichten 2026

Von Hektor Haarkötter | Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. hat auch im laufenden Jahr wieder eine Liste mit von deutschen Medien vernachlässigten Geschichten vorgelegt: die Top Ten der Vergessenen Nachrichten 2026. Jedes Jahr wählt eine Jury aus Wissenschaftler:innen, Journalist:innen und Studierenden die zehn wichtigsten Themen aus, die von studentischen Recherchegruppen aus einer Vielzahl von Vorschlägen erarbeitet wurden. Die Bevölkerung ist eingeladen, Themenvorschläge zu machen, wenn ein relevantes und für eine große Gruppe von Menschen wichtiges Thema in den Medien zu wenig oder gar nicht vorkommt. In einem mehrstufigen Verfahren werden diese Themenvorschläge geprüft und für die Abstimmung der Jury aufbereitet. Die INA unternimmt auch die entsprechende wissenschaftliche Begleitforschung. Als theoretisches Konzept für die Nachrichtenvernachlässigung hat sie den Begriff Agenda Cutting gewählt. Angelehnt an das kommunikationswissenschaftliche Großkonzept des Agenda Setting geht die Agenda Cutting-Theorie davon aus, dass relevante und einen Großteil der Gesellschaft angehende Themen systematisch im journalistischen Alltag ausgeblendet werden. Die Gründe dafür können interne, journalismusinhärente sein, genauso gibt es aber auch externe Ursachen. Zu letzteren zählen insbesondere wirtschaftliche Erwägungen, wenn etwa Werbekund:innen geschützt werden sollen oder Angst vor Klagen besteht. Als neue Bedrohung der Nachrichtengerechtigkeit kommen die Auswahlkriterien von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz hinzu, die völlig intransparent Nachrichtenströme im Internet lenken (vgl. Haarkötter & Nieland, 2023).