Was sagen Sie Ihrer Tochter, wenn sie Journalistin werden will? Zur Zukunft des Journalismus und der journalistischen Berufsbildung in den USA

von Kenneth Starck

 

„Alles Unterbinden von Diskussion beruht auf einer Unterstellung von Unfehlbarkeit.“ (John Stuart Mill[1])

 

Ihre Tochter wohnt noch zu Hause, aber die Schule hat sie bereits hinter sich. Jetzt denkt sie ernsthaft über den nächsten wichtigen Schritt im Leben nach. Immatrikulation an einer Universität? Einen Job beginnen? Heiraten? Es ist nicht überraschend, dass sie beschließt, das Lernen an einer Universität fortzusetzen. Dann folgt die nächste Frage: Was studieren? Sie liest viel und kann gut schreiben. Vielleicht etwas überraschend sucht sie Rat bei mir, einem früheren Zeitungsjournalisten, dann Journalistik-Professor und über 20 Jahre Leiter einer akademischen Ausbildungsstätte für Journalisten. Da mir die tiefgreifenden Veränderungen bewusst sind, die die Massenkommunikation und besonders den Journalismus heute erschüttern, fällt es mir schwer, enthusiastisch das Universitätsstudium der Journalistik zu empfehlen. Dieser Essay ist ein Versuch, eine vernünftige und realistische Antwort auf die Frage Ihrer Tochter zu finden: Soll ich Journalistik studieren?

Zunächst will ich mich mit dem Journalismus befassen. Es ist ein ehrenwerter Beruf (oder ein ehrenwertes Handwerk, wenn Ihnen das lieber ist), der einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft geleistet hat und immer noch leisten kann. Wichtiger noch: Journalismus ist lebenswichtig für das Funktionieren einer erfolgreichen Demokratie. Dann werde ich die Vorteile und auch die Nachteile untersuchen, wenn man eine Karriere im Journalismus plant: in einem Beruf, der nahezu verdorrt ist durch technologische Entwicklungen und die starke Vermehrung von Tätigkeiten und Laufbahnen, die unter die unklaren Etiketten Massenkommunikation und Medien fallen. Berufstätigkeit im Journalismus muss unterschieden werden von Karrieren in Public Relations, Werbung, Marketing, als Digitalexperte, Pressesprecher und Ähnlichem. Solche Karrieren sind respektabel. Aber sie sind nicht Journalismus, der in gewisser Weise mit der Politik Ähnlichkeit hat, weil beide Berufe dem öffentlichen Interesse dienen – oder, um das klarzustellen: dienen sollten.

Der zweite Teil des Essays wird sich mit der journalistischen Berufsbildung befassen. Soll Ihre Tochter ihr Studium an der Universität auf Journalistik konzentrieren? Jedenfalls sind die Vereinigten Staaten seit dem frühen 20. Jahrhundert führend in der Einrichtung von Studiengängen, die in den Journalistenberuf führen. Daraus wurde ein nahezu universelles Modell mit einem großen Spektrum verschiedener Curricula, wenngleich der Rest der Welt diese Idee nicht immer mit der gleichen Begeisterung umgesetzt hat.

 

Wozu ist Journalismus da?

„… Presse und öffentliche Meinung bringen Licht in die moderne Welt.“

Keane (1991, 22)

 

Viele junge Leute wollen zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen. So vermutlich auch Ihre Tochter. Die Suche nach Wahrheit ist eine der edelsten Bemühungen. John Milton hat die Herausforderungen der Wahrheitssuche 1644 in seinem apokryphen Text Areopagitica dramatisch geschildert:

 

„Tatsächlich kam die Wahrheit einst mit ihrem göttlichen Meister in die Welt und hatte eine perfekte Gestalt, höchst ansehnlich anzuschauen. Aber als sie aufging und ihre Apostel sich schlafen legten, erhob sich sofort eine böse Art von Betrügern, die (wie die Geschichte über den ägyptischen Taifun und seine Verschwörer zeigt, wie sie mit dem guten Gott Osiris umsprangen) die Jungfrau Wahrheit nahmen, ihre liebliche Gestalt in tausend Stücke hauten und sie in alle vier Winde zerstreuten. Von der Zeit an mussten die bekümmerten Freunde der Wahrheit, wo sie auch wagten zu erscheinen, die sorgfältige Suche wiederholen, die Isis dem zerschlagenen Körper von Osiris widmete, hierhin und dorthin sich wendend, Glied um Glied sammelnd, wo immer sie sich finden ließen. Und wir haben sie noch immer nicht alle gefunden.“ (zit. n. Bush 1949, 190f.)

 

Ein Kollege aus der Wissenschaft, Jay Rosen, hat ein Buch mit dem Titel What Are Journalists For? (Wozu sind Journalisten da?) geschrieben. Es war der Versuch, eine Reihe von Zeitungs- und Rundfunk-Projekten der 1980er und 1990er Jahre verständlich zu machen, die unter Begriffen wie „öffentlicher Journalismus“, „zivilgesellschaftlicher Journalismus“ oder „Gemeinschaftsjournalismus“ liefen. Die Idee dabei war, gegenüber Nachrichtenmedien nicht mehr als passive Mitspieler zu agieren, sondern in einer proaktiven Rolle durch die Stärkung von Bürgerbeteiligung und Selbstverwaltung. Die Verschwommenheit dieser Idee spiegelt sich in einer teilweise gegebenen Erklärung des Autors: „Indem er zum Argument, zum Experiment, zur Bewegung, zur Debatte und zum Abenteuer wird, entwickelt sich ‚öffentlicher Journalismus’ zu dem, was Architekten ‚gebaute Form’ nennen.“ (Rosen 1999, 263) Der Begriff „gebaute Form“ sollte offenbar dazu verhelfen, dass die Idee wenigstens mit Wunschbildern gefüllt werden kann.

Zeitungen waren einmal das Reich der gesellschaftlichen Kommunikation. Sie waren tatsächlich gleichbedeutend mit Journalismus. Alexis de Tocqueville beobachtete mit seinem klugen Blick auf Amerika, dass die Bevölkerung über eine weite Fläche verstreut war und deshalb

 

„Mittel gefunden werden mussten, um sich täglich unterhalten zu können, ohne einander zu sehen, und gemeinsame Schritte zu gehen, ohne sich getroffen zu haben. Deshalb kommen demokratische Vereinigungen kaum ohne Zeitungen aus.“ (de Tocqueville 1956, 203)

 

Mit dem Ansturm neuer Kommunikationstechnologien ist das Konzept des Journalismus unklar geworden. Journalismus ist nicht Technologie. Journalismus bedeutet nicht „die Medien“. Und wenn Journalismus auch faktenbasiert ist, ist er doch mehr als das. Erinnern wir uns, was das Merriam-Webster Wörterbuch über Journalismus sagt („Journalism“, https://www.merriam-webster.com/dictionary/journalism?src=search-dict-hed):

 

1a:Das Sammeln und Herausgeben von Nachrichten, um sie durch Medien zu präsentieren

1b:Die öffentliche Presse

1c: Ein akademisches Fach, das das Sammeln und Herausgeben von Nachrichten und die Organisation von Nachrichtenmedien zu Gegenständen hat

2a: Schreiben zur Veröffentlichung in einer Zeitung oder in einem Magazin

2b: Schreiben, für das die direkte Wiedergabe von Fakten oder die Beschreibung von Ereignissen ohne den Versuch einer Interpretation typisch ist

2 c: Schreiben, das sich an den landläufigen Geschmack oder das öffentliche Interesse richtet.

 

Dieser Wörterbuchdefinition, wofür Definitionen in Wörterbüchern anfällig sind, mangelt es an Substanz. Sie wirkt steril. Sie berührt am Rande die „öffentliche“ Natur des Journalismus, geht aber nicht auf seine Bedeutung für Entscheidungsprozesse ein, am wenigsten in politischer Hinsicht. Historisch betrachtet war Journalismus der Klebstoff, der die Öffentlichkeit mit der politischen Sphäre verband.

Das „American Press Institute“, eine gemeinnützige nationale Bildungseinrichtung, die mit Nachrichtenmedien kooperiert und sich der Sache des Journalismus und seiner Entwicklung annimmt, antwortet auf die Frage: Was ist Journalismus? so:

 

„Journalismus kann von anderen Aktivitäten und Produkten durch bestimmte, identifizierbare Merkmale und Praktiken unterschieden werden. Diese Elemente trennen Journalismus nicht nur von anderen Kommunikationsweisen, sie sind es, die ihn für demokratische Gesellschaften unverzichtbar machen. Die Geschichte lehrt: Je demokratischer eine Gesellschaft, über desto mehr Nachrichten und Informationen verfügt sie tendenziell.“ (http://www.americanpressinstitute.org/journalism-essentials/what-is-journalism/, Hervorh. K. S.)

 

Ein scharfsinniger Beobachter des Journalismus, G. Stuart Adam (Adam 2008), weist auf den Unterschied zwischen Medien und Journalismus hin. Der Begriff Medien, so merkt er an, „rückt die Technologie in den Vordergrund und verdeckt den Umstand, dass ‚Journalismus’ eine Sache ist und ‚Medien’ eine andere.“ Journalismus, so fährt er fort, ist eine bestimmte Art und Weise, „die Welt der Ereignisse und Ideen so zu erfassen und wiederzugeben, wie sie ist.“ Und weiter seien es die Zeitungen gewesen, die jene journalistische Methode entwickelt hätten, die später dann auch in anderen Medien wie dem Rundfunk zu „einer bestimmten Ausdrucksweise wurde, auf die demokratische Gesellschaften angewiesen sind.“

Das Internet in Form von Twitter und Facebook und einer Myriade weiterer digitaler Anwendungen hat den Unterschied verwischt zwischen Journalismus und dem, was sonst noch aus den neuesten Geräten dringt. Der Dramatiker Arthur Miller hat erklärt, was andere bestätigt haben, nämlich, dass „eine gute Zeitung das Selbstgespräch einer Nation ist.“ Jetzt scheint die ganze Welt mit sich selbst zu sprechen. Oder, in Anbetracht kultureller und intentionaler Unterschiede, könnte man sagen, die ganze Welt ist eine von Schwätzern geworden, die zu oft aneinander vorbei reden. Die Frage ist, ob in dem Geschwätz noch genug Journalismus steckt, um den demokratischen Diskurs zu fördern.

 

Pressefreiheit als Bedingung von Journalismus

In den Vereinigten Staaten sind die Freiheiten der Rede und der Presse im ersten Verfassungszusatz von 1791 verankert: „Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, (…) das die Freiheit der Rede oder der Presse einschränkt (…).“ Wie Keane in The Media and Democracy festhält, war Großbritannien der Geburtsort der Pressefreiheit, von wo sie sich dorthin ausbreitete, wo die Vereinigten Staaten entstanden, und danach in Europa. Im Hinblick auf den Bedarf an freiem Informationsfluss unter den Bürgern schreibt Keane: „Bis zu einem gewissen Grad kann dieses Erfordernis erfüllt werden durch einen intelligenten, von der Idee der Öffentlichkeit inspirierten Journalismus, der sich in den vergangenen Jahren zu einem besonderen, spezialisierten Zweig der Medien entwickelt hat“ (Keane 1991, 138).

In einer Demokratie nimmt man ausgeglichene Gewaltenteilung zwischen Legislative, Judikative und Exekutive an. Die „Presse“ – dieser Begriff meint nicht zuletzt den Journalismus – ist eine weitere von der Gesellschaft hervorgebrachte Institution, um diejenigen zu kontrollieren, die die Belange des Gemeinwesens vertreten und regeln. Tatsächlich kam es dazu, dass man sich auf die Presse als Vierte Gewalt oder auch die vierte „Instanz“ bezog. Dieser Begriff scheint aus den Lexika der letzten Zeit verschwunden zu sein. Er regt ausgezeichnet dazu an, sich die folgende Szene vorzustellen, die der schottische Autor Thomas Carlyle für den Ursprung der Rede von der „Vierten Gewalt“ anführt:

Wir schreiben das Jahr 1787. Der Ort ist London. Dort drüben, ja, dort drüben. Wir sehen einen alten Iren, Edmund Burke. Eine dieser Renaissance-Persönlichkeiten. Schriftsteller. Philosoph. Redner. Er wendet sich an seine Kollegen Abgeordneten. Er ist seit fast zwei Jahrzehnten hier im Parlament – ein Mitglied des Unterhauses. Er weist seine Kollegen auf das Offensichtliche hin:

 

„Es gibt drei ‚Mächte’ im Parlament – den König, den Klerus und die gewöhnlichen Leute.“ Plötzlich richtet sich sein Blick nach oben. Er zeigt auf die Galerie der Reporter. „Aber,“ ruft er aus „da sitzt eine Vierte Gewalt, weit wichtiger als sie alle.“

 

Zugegeben, diese Nacherzählung geht auf Carlyle zurück. Aber es ist bemerkenswert, dass Carlyle die Bedeutung und Zeitlosigkeit von Burkes Hinweis betont, indem er seinem Bericht von der Episode den Satz hinzufügt: „Das ist keine Redewendung und kein lustiges Sprichwort; es ist eine wörtlich überlieferte Tatsache – die in diesen Zeiten für uns sehr bedeutsam ist“ (zit. n. Niemeyer 1966, 164).

Später, in Bezug auf die Französische Revolution, benutzt Carlyle den Begriff, um die Wichtigkeit der Presse für die Entwicklung der Demokratie zu betonen. 1842 schreibt er: „Eine Vierte Gewalt kommt auf, von fähigen Redakteuren gestaltet; sie wächst und vermehrt sich; sie ist nicht zu unterdrücken, unberechenbar“ (Carlyle 1867, 229).

Es ist aufschlussreich zu beobachten, was heutige Autoren zu der Frage sagen, wozu Journalismus da ist? Kovach und Rosenstiel stellen die Frage in ihrem kompakten Buch The Elements of Journalism und beantworten sie so: „Der Hauptaufgabe des Journalismus ist, Bürger mit den Informationen zu versorgen, die sie brauchen, um frei und selbstbestimmt leben zu können.“ (Kovach & Rosenstiel 2001, 17). Es direkter zu sagen ist kaum möglich. In einem anderen Kapitel mit der Überschrift „Wofür Journalisten arbeiten“ berücksichtigen die Autoren, dass Nachrichtenmedien auf Erwartungen von vielen Seiten zu reagieren haben (politische Institutionen, lokale Interessengruppen, Anteilseigner, Anzeigenkunden), aber es gebe eine Verpflichtung, die über allen anderen steht: „Die erste Loyalität des Journalismus gilt den Bürgern“ (Kovach & Rosenstiel 2001, 51).

1947 hat ein Bericht in den Vereinigten Staaten Kontroversen unter Journalisten ausgelöst. Obwohl vom Technologie-Zeitalter geprägt, präsentierte der Bericht eine umfassende und überzeugende Sicht auf die Rolle der Presse in der Demokratie. Unter dem Titel A Free and Responsible Press (auch als Hutchins-Report bekannt, nach Robert M. Hutchins, dem Vorsitzenden der für die Denkschrift verantwortlichen Kommission, danach Kanzler der Universität von Chicago) war der Bericht von Ereignissen motiviert, die den Zweiten Weltkrieg verursacht und geprägt hatten. Diese „Kommission für die Freiheit der Presse“ bestand aus 17 einflussreichen Persönlichkeiten, die meisten Professoren aus einer ganzen Reihe von Fächern, von Rechtswissenschaft bis Philosophie. Die Kontroversen entzündeten sich daran, dass kein Repräsentant des Journalismus in der Kommission vertreten war; daher wurde der Bericht von der Presse großenteils ignoriert. Gleichwohl artikulierte er klar die Bedeutung der Presse und behielt über die Zeit seine Relevanz. In ihm wurde argumentiert, dass „die relative Macht der Presse ihren relativ großen Verpflichtungen entspricht“ (Leigh 1947, VII). Der bleibende und am meisten beachtete Teil des Berichts war in fünf Anforderungen an eine freie Gesellschaft formuliert. Das sind:

 

  1. Eine wahrhaftige, verständliche und sorgfältige Wiedergabe der Tagesereignisse in einem Zusammenhang, der ihnen Bedeutung gibt;
  2. ein Forum für den Austausch von Meinung und Kritik,
  3. der Entwurf eines repräsentativen Bildes von den Gruppen und Teilen der Gesellschaft;
  4. die Darlegung und Erläuterung der Ziele und Werte der Gesellschaft;
  5. vollen Zugang zu den Erkenntnissen der Zeit (Leigh 1947, 20-29).

 

Der digitale Tsunami 

In den letzten beiden Jahrzehnten hat ein technologischer Tsunami Zeitungen von einer bedrohten in eine verschwindende Art verwandelt. Untersuchungsergebnisse des Pew Research Center (2014) lassen Teile der Grabinschrift erkennen. Von 2004 bis 2014 hat sich die Zahl der Tageszeitungen in den USA von 1.457 auf 1.331 verringert. In den zwei Jahrzehnten des Niedergangs haben die Zeitungen fast 40 Prozent ihrer täglichen Auflage eingebüßt. In der letzten Dekade gingen die Anzeigeneinnahmen um 63 Prozent zurück. Und während dieser Zeit haben die Nachrichtenmedien die Zahl ihrer Reporter und Redakteure um 40 Prozent reduziert. 2005 kamen laut einer Datenenalyse 20 Zeitungsjournalisten auf einen Journalisten, der nur digital arbeitet. Diese Zahlen haben sich bis 2015 bemerkenswert verändert, als nur noch vier Zeitungsjournalisten auf einen Digitaljournalisten kamen. Während die Zahl der Digitaljournalisten gewachsen ist, gibt es Anzeichen, dass die Zahl der Zeitungsjournalisten stagniert (Williams 2016).

Das klingt ernst, ist aber nicht nur negativ. Denn die digitale Komponente hat sich verändert. New York Times und Washington Post z. B. haben, während sie Sensationsmeldungen über die Trump-Regierung verbreiteten, ihre Abonnement-Erlöse in einem Maße steigern können, dass sie die Anzeigeneinnahmen übertreffen. Die Times hat selbst berichtet, dass sie fast 2,5 Millionen Abonnenten hat, die nur die Digital-Version beziehen, und dass dies zu einem Geschäft wird, das „nicht mehr im Zeitungsdruck verwurzelt ist“ (Embernov 2017). Das wurde vor allem durch ein so genanntes „weiches“ Paywall-Konzept erreicht, das zunächst begrenzten Zugang ermöglicht und dann für Online-Abonnements wirbt („How Leading…“ 2017). Außerdem scheinen Nachrichtenmedien Fortschritte zu machen, indem sie sich mit digitalen Netzwerken wie Facebook oder Google arrangieren, die damit Geld gemacht haben, dass sie journalistische Produkte der Nachrichtenmedien kostenlos anbieten. Solche Bemühungen setzen auf eine Stärkung der Erkennbarkeit von Nachrichtenquellen und auf eine Begrenzung des Umfangs, in dem Nutzer digitaler Netzwerke Nachrichtenseiten gratis öffnen können („Just the two…“ 2017).

Auch den regionalen und lokalen Zeitungen in den Vereinigten Staaten geht es nicht gut. Aber einige nützliche Lehren zeichnen sich ab: Auch für solche Zeitungen gibt es Möglichkeiten, Online-Abonnements zu verkaufen. Und robuster, nachbohrender, wahrheitssuchender und unkompliziert formulierter Journalismus zieht Leser und Zuschauer nach wie vor an. In unseren altmodischen Zeitungen ist Journalismus also im Niedergang, aber beachtlicher- und konsequenterweise hat elektronisch übermittelter Journalismus eine Zukunft.

In einer Diskussion über Qualitätsjournalismus hat Jill Abramson, eine frühere Herausgeberin der New York Times, vorhergesagt, dass Qualitätszeitungen – wenn wir sie weiterhin „Zeitungen“ nennen wollen – auf Papier vollkommen verzichten werden. Andere Übermittlungsweisen, etwa durch Tablets und andere mobile Empfangsgeräte, die noch Zukunftsmusik sind, würden vorherrschend werden. Aber der Journalismus, so meint sie, werde blühen. „Mein Optimismus,“ schreibt sie, „ist auf die Tatsache gegründet, dass es ein menschliches Bedürfnis nach glaubwürdiger Information über die Welt gibt, in der wir leben – Information, die geprüft, recherchiert, eingeordnet, nochmal geprüft sowie analysiert ist und dann in überzeugender Form präsentiert wird“ (Abramson 2010, 43).

 

Besondere Probleme des Qualitätsjournalismus

Qualitätsjournalismus ist anscheinend immer bedroht. Es gibt Einflüsse von Herrschenden, von Ausbeutung bis Zensur. Es gibt Manipulationsversuche im journalistischen Prozess von fast jeder Seite. Es gibt rechtliche Auseinandersetzungen. Die aktuellste Geißel sind gefälschte Nachrichten, die das Aufkommen der digitalen Netzwerke mit sich gebracht hat. Aber die größte Bedrohung für den Qualitätsjournalismus – und zwar im Hinblick auf die Produktion wie auf die Rezeption – ist der rapide Wandel der Medientechnologie. Der kann uns von der Einsicht ablenken, dass Journalismus in erster Linie eine intellektuelle Leistung ist – keine technische. Ich möchte das mit einer persönlichen Anekdote illustrieren:

Vor fast einem halben Jahrhundert, das Computerzeitalter dämmerte erst herauf, veranstalteten ein Kollege und ich an der Universität von Iowa ein Seminar über journalistische Professionalität. Wir luden dazu prominente Journalisten und Wissenschaftler auf den Campus ein. Unter den eingeladenen Journalisten war Jean Schwoebel, ein Reporter der hoch angesehenen französischen Tageszeitung Le Monde. Er war mehr als ein Reporter. Er war ein Experte in internationalen Beziehungen, und seine Arbeit war wie gesagt hoch angesehen. Während seines Besuchs in Iowa City fuhr ich mit ihm zum Mississippi, etwa 80 Kilometer von unserem Campus entfernt, um mit ihm in Davenport, einer Stadt am Ufer des Flusses, zu besichtigen, was zu der Zeit der letzte Schrei eines mit Computern ausgestatteten Newsrooms war. Ein Redakteur begann zu erklären: „Ein Reporter schreibt seine Story in diesen Terminal.“ Er deutete auf eine Tastatur und einen Kasten von der Größe eines großen Wäschekorbs. Dann fuhr er fort: „Der Reporter kann die Story an einen Redakteur schicken, der den Text redigiert und in den Raum weiterleitet, wo die Seiten zusammengestellt werden.“ Es klang sehr beeindruckend, und Jean Schwoebel hörte aufmerksam zu. Als der Redakteur zum Ende kam, sagte Schwoebel: „Sehr beeindruckend.“ Dann machte er eine Pause und fuhr fort: „Ja, wirklich sehr beeindruckend. Aber wissen Sie was?“ Er machte wieder eine Pause. „Was hier geschieht“ – und er tippte sich an die Stirn – „ist wichtiger als das, was hier geschieht“ – und er tippte auf den Computer Terminal.

Es war ein lichtvoller Augenblick. Im Kern ist Journalismus ein intellektuelles Geschäft. Das wissen wir im Grunde, aber wir vergessen es allzu oft.

Mitchell Stephens (2014), der seit langem das Nachrichtenkonzept analytisch begleitet, unterstreicht den intellektuellen Charakter des Journalismus, indem er fordert, der traditionelle Nachrichtenjournalismus solle überwunden und in das Konzept eines „erklärenden Journalismus“ („wisdom journalism“) überführt werden. Vergesst wenigstens vier der fünf W-Fragen (wer, was, wann, wo – aber nicht warum), denn das alles ist leicht online zugänglich. Sie sollten durch fünf I-Qualitäten ersetzt werden: informiert, intelligent, interessiert, instruktiv und interpretativ (Stephens 2014, 166). Die Vorstellung von „Weisheit“ („wisdom“) mag Journalisten überfordern, aber der Kern der Idee ist überzeugend und bekräftigt die dringlichen Fragen T. S. Eliots: „Wo ist die Weisheit, die wir mit dem Wissen verloren haben? Und wo ist das Wissen, dass wir mit der Information verloren haben?“

Keine Frage, die Rolle der Presse wird in jeder Gesellschaft zu großen Teilen durch ökonomische, politische und kulturelle Faktoren bestimmt. Eine unter mehreren Herausforderungen besteht darin, dass Qualitätsjournalismus von der finanziellen Unterstützung seines Publikums abhängt. Damit hängt er auch davon ab, ob er als glaubwürdig und zuverlässig betrachtet wird. Eine andere Herausforderung ergibt sich daraus, dass Freiheit und Verantwortung zusammengehören, oft aber als konkurrierende Konzepte erscheinen, die ein Schlaglicht auf die fundamentalste der menschlichen sozialen Beziehungen werfen, die Beziehung des Individuums zur Gesellschaft.

In den Vereinigten Staaten haben die Presse – und andere Institutionen, die es betrifft – viele Jahre über das Verhältnis der zentralen Prinzipien von Freiheit und Verantwortung gestritten. Es ist offensichtlich, dass dabei historische und kulturelle Erwägungen eine Rolle spielen. Ein beständiges Thema war, wie sich die Presse zur Rechenschaft ziehen lässt. Auf Grundlage des Prinzips der Selbstregulierung hat man in den Vereinigten Staaten eine Reihe von Mitteln probiert, um die Verantwortlichkeit des Journalismus zu stärken, darunter Pressekodizes, Presseräte, Ombudsleute und offene Briefe an Herausgeber und Redakteure. Man kann sich vorstellen, dass keins dieser Mittel alle Probleme löst, aber zusammen bilden sie ein System, das immerhin begrenzt erfolgreich ist. Einfach gesagt ist wohl Transparenz die beste Methode – d. h. dem Publikum mitzuteilen, was beim Prozess des Berichtens und Redigierens hinter der Bühne vor sich geht.

Zurück zur Zukunft Ihrer Tochter. Wie stehen ihre Aussichten, eine Stelle bei einer gedruckten Zeitung zu bekommen? Nicht gut. Aber ich möchte ihr sagen, dass es Hoffnung gibt, auch weiterhin ernsthaften Journalismus betreiben zu können, wenn sie bereit ist, die Herausforderungen anzunehmen. Kann eine journalistische Ausbildung dabei helfen, die Herausforderungen zu bestehen? Nachdem sie nun begreift, welche Bedeutung Journalismus für unsere Gesellschaft hat, sollte sie auch wissen, wie journalistische Berufsbildung entstanden ist und wie sie zum Projekt der Selbstbestimmung beigetragen hat. Und ich möchte ihr auch meine persönlichen Überlegungen dazu nahebringen, was das Ziel der Ausbildung sein sollte.

 

Warum journalistische Berufsbildung?

„ (…) die wichtigsten Dinge, die eine Universität einem jungen Journalisten mitgeben sollte, liegen außerhalb üblicher technischer Erfordernisse.“ (Wilbur Schramm[2])

 

Worin besteht die Aufgabe von Ausbildung? Und welche Rolle spielt dabei die Universität? Solche fundamentalen Fragen umgehen wir zu oft, um stattdessen praktisches Wissen zu betonen, was auf Kosten der Bildung der ganzen Persönlichkeit geht. Journalistische Ausbildung mit geisteswissenschaftlichen Zuschnitt sollte auf Möglichkeiten achten, Männer und Frauen darauf vorzubereiten, ihr Leben lang professionell und als Persönlichkeit zu wachsen. Praxis ist in Ordnung. Aber da sollte mehr sein. Meine Erfahrung sagt mir, dass wir zu selten über die grundlegenden Annahmen nachdenken, auf denen unsere Überzeugungen und Werte beruhen, was umgekehrt unsere Handlungsweisen bestimmt. Wir neigen dazu, uns auf kurzfristige Ziele zu konzentrieren oder lassen uns von der Not des Tages beherrschen.

John Henry Newman hat bei der Gründung der Universität von Dublin vor über einem Jahrhundert über die Hauptaufgabe von Ausbildung und Erziehung gesprochen. Er sagte damals: „Wenn denn ein Universitätsseminar ein praktisches Ergebnis haben muss, dann, so meine ich, sollte es das Einüben guter Mitgliedschaft in der Gesellschaft sein“ (Newman 1976, 154). Ein Substrat von künstlich begrenztem oder vorübergehend nützlichem Wissen zu isolieren, engt die Möglichkeiten von Studierenden ein und endet in trainierter Unfähigkeit. Es ist ein Klischee, aber ein wertvoller Anspruch: Das Beste, das Ausbilder Studierenden mitgeben können, ist zu lehren, wie man lernt.

Es gibt eine notorische Spannung zwischen denen, die Absolventen auf den Beruf vorbereiten, und denen, die ihnen eine Anstellung geben. Das mag für alle Berufe gelten. Die Debatten heben oft unterschiedliche Annahmen über den Sinn von Ausbildung hervor, woraus sich weitere Fragen ergeben, etwa: Wem dient journalistische Berufsbildung? Wem dienen die Ausbilder? Wenn wir uns diesen Fragen nicht stellen, lassen wir unsere Verantwortung fallen.

Um mit dem Offensichtlichen zu beginnen: Ausbilder dienen den Studierenden, die ins Seminar kommen. Studierende stehen im Zentrum der Ausbildungsaktivitäten. Ausbilder dienen aber auch der Gesellschaft. Der berufliche Bereich – die dritte Komponente – stellt eine Brücke dar zwischen den Pflichten und Verantwortlichkeiten gegenüber Studierenden, Hochschulinstitutionen und allen anderen Beteiligten. Wenn wir uns auf die größere Gemeinschaft konzentrieren, die in den meisten Fällen für die Masse der Unterstützung von Ausbildungsprogrammen sorgt, dienen wir den Studierenden, der Gesellschaft und dem Beruf in bestmöglicher Weise. Um es anders auszudrücken: Ausbildung fördert Zivilisiertheit, indem sie Intellekt und Begabung von Individuen so zur Entfaltung bringt, dass sie zum umfassenden Gemeinwohl beitragen können (Starck 2000).

Immer wieder in ihrer Geschichte hat journalistische Berufsbildung gemischte und manchmal auch feindliche Reaktionen von Praktikern und denen hervorgerufen, die sich als Praxisausbilder verstehen. Die Themen reichen von Auseinandersetzungen darüber, warum journalistische Ausbildung überhaupt in akademischen Einrichtungen stattfinden soll, bis zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Professoren und Berufstätigen über Lehrpläne. Die Tatsache, dass journalistische Berufsbildung in den Vereinigten Staaten auf wissenschaftlicher Grundlage stattfindet, ist mehr als nur eine vorübergehende Mode. Es bedeutet, dass bestimmtes Wissen und bestimmte Fähigkeiten von Journalisten gefordert werden, die für eine selbstbestimmte Gesellschaft wichtig sind und die Universitäten bereitstellen können.

 

Die USA als globales Modell

Die Vereinigten Staaten, ob man es nun gut findet oder nicht, haben dem größten Teil der Welt das Modell für journalistische Berufsbildung vorgegeben. Das lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Einer ist schlicht die einflussreiche Rolle, die die Vereinigten Staaten auf der Weltbühne gespielt haben. Am Ende des Kalten Kriegs und mit dem Aufkommen demokratischer Staaten haben die USA durch private Stiftungen und Regierungsinitiativen in vielen Ländern Journalismus und journalistische Berufsbildung offensiv etabliert oder reformiert. The Media are American war der Titel eines Buches, das der britische Wissenschaftler Jeremy Tunstall vor mehr als 40 Jahren veröffentlicht hat (Tunstall 1977). Einige Jahrzehnte später schrieb Jim Richstad, dass „journalistische Berufsbildung amerikanisch ist“ (Richstad 2000, 283), denn die meisten Journalistik-Programme der Welt bieten ein Curriculum an, das den Mustern amerikanischer Universitäten folgt.

Aber obgleich journalistische Berufsbildung fest im System akademischer Qualifikation verankert ist, sah sie sich in den Vereinigten Staaten oft mit Kritik konfrontiert. Der Stress zwischen Praktikern und der Wissenschaft war von Beginn an da und dauert bis heute an. So schrieb Jean Folkerts in ihrer gut recherchierten Geschichte der journalistischen Berufsbildung in den USA: „Die Spannung unter Reportern und Redakteuren, die in der Ausbildung tätig sind, um entweder die Qualität des Journalismus zu verbessern und zur Demokratie beizutragen oder die Auszubildenden so zu trainieren, dass sie effizient in einer Zeitungsredaktion – oder einer anderen Medienumgebung – funktionieren, hält bis heute an“ (Folkerts 2014, 228).

Von Anfang an ist akademische Berufsbildung von Journalisten in den Vereinigten Staaten auf Widerstände sowohl von Praktikern als auch von Wissenschaftsmanagern gestoßen. Bevor überhaupt Journalistik an Universitäten gelehrt wurde, hat ein US-amerikanischer Zeitungsmann Folgendes über einen Unterricht geschrieben, der in den Journalismus führen soll:

 

„Die Wahrheit ist, dass das Mysterium, mit dem die Professoren um sich werfen und das sie ‚Journalistik’ nennen, schlicht dazu da ist, der intellektuellen Armut und Blöße zu vieler junger Menschen, die dem Ruf in den Journalismus folgen, ein seriöses Mäntelchen umzuhängen. Sie halten ihre Selbstachtung oder ihre Einbildung, bar jeden anderen Wissens, aufrecht durch ihre Kenntnisse von kleinen Tricks bei der Arbeit, die meisten davon mechanisch“ („Schools of Journalism“ 1890, 197).

 

Der Zeitungsmann war E. L. Godkin, der Chefredakteur der New York Evening Post, und er hat das vor über hundert Jahren geschrieben.

Inzwischen befassen sich Universitätsverantwortliche unter dem Druck von Medienorganisationen damit, nach deren Gesichtspunkten die Vorbereitung auf eine journalistische Tätigkeit zu gestalten: nicht wirklich ein wissenschaftliches Thema; man beugt sich dem von außen Erwarteten; auch Medien von Studierenden üben Kritik und mischen sich mit Botschaften an die Institutionen ein; sich dem zu widersetzen kann teuer werden, besonders bei beschleunigtem technologischem Wandel. Auf der positiven Seite zeigt sich nicht nur Interesse von Lobbyorganisationen, sondern auch von Studierenden. Einige Universitäten meinten sogar, dass zunehmende Einschreibungen in Journalistik-Studiengänge netto mit finanziellen Vorteilen verbunden wären.

Die Debatte über den Wert der journalistischen Berufsbildung hat über die Jahre angehalten. Das war produktiv, weil es über die Erhaltung einiger sinnvoller Praktiken hinaus mit sich brachte, dass stets Reformen und sogar neue Konzepte erwogen wurden. Anzeichen für diesen Wandel ist die neuerdings erfolgte Umbenennung von Studiengängen, bei der die Journalistik leider oft eine weniger umfassende Rolle erhielt. Dafür gibt es viele Beispiele, einschließlich unseres eigenen Programms an der Universität von Iowa. Es wurde 1924 als Institut für Journalistik eingerichtet. Kollegen aus anderen Fächern machten sich gelegentlich darüber lustig, dass wir ein „Institut für Zeitungs-Training“ seien. In den 1980er Jahren fügten wir, ähnlich wie viele andere Journalistik-Programme in den USA, unserem Namen den Begriff „Massenkommunikation“ hinzu. Das weitete unseren Einzugsbereich in der Medienpraxis aus. Wir wurden dadurch nicht nur für mehr Studierende attraktiv, sondern es war, ehrlich gesagt, auch ein Mittel, um akademisches Territorium zu verteidigen.

Die neue Kommunikationstechnologie hat im 21. Jahrhundert die Namensänderungen beschleunigt. Das bekannte Institut für Journalistik in Indiana wurde 2013 mit „Telekommunikation“ und „Kommunikation und Kultur“ zusammengelegt und in „Institut für Medien“ (http://mediaschool.indiana.edu/) umbenannt. Zwei Jahre vorher weitete die Northwestern University, die ebenfalls für eine hoch angesehene Journalistik bekannt war, deren Bezeichnung in „Medill Institut für Journalistik, Medien und Integrierte Marketing-Kommunikation“ (http://www.medill.northwestern.edu/) aus. 2015 eröffnete die Universität von Colorado ihr „College für Medien, Kommunikation und Information“. Diese neue Einrichtung nahm in sich auf, was vorher „Institut für Journalistik und Massenkommunikation“ geheißen hatte, das 2011 geschlossen worden war. Der Dekan von Colorado erklärt den Grund für die neue akademische Einheit auf deren Website so. „Sie wurde errichtet, um der Zeit zu entsprechen, in der wir leben – eine Zeit der revolutionären Veränderung der Art, wie Menschen kommunizieren, der Mittel, die sie dafür nutzen, und der Auswirkungen, die dieser Wandel auf die Gesellschaft hat“ (http://www.colorado.edu/cmci/).

Solche Veränderungen zeigen die Bemühungen von Universitäten, sich dem Erdbeben in der Medienlandschaft anzupassen. Wahrscheinlich sind die Veränderungen ökonomisch sinnvoll. Gefährlich daran ist aber, dass der Journalistenberuf unter andere Kommunikationsinteressen subsummiert wird. Das Ergebnis kann ein erhebliches Hindernis für Qualitätsjournalismus und damit für das Gemeinwohl sein. Eine Untersuchung von 2015 stellt für die letzten Jahre Rückgänge bei den Studierenden in Journalistik- und Kommunikationswissenschafts-Studiengängen sowohl auf der B.A.- als auch auf der M.A.-Ebene fest. Dieser Trend, so die Autoren, „betrifft offensichtlich den Bereich von Journalistik und Kommunikationswissenschaft insgesamt.“ Und sie fügen hinzu, dass die „Ergebnisse höchst alarmierend für den Journalistenberuf sind, da es einen erheblichen Rückgang der Zahl der B.A.-Studierenden in Journalistik-Studiengängen gibt, einschließlich der Spezialisierung auf allgemeinen Journalismus, Nachrichtenredaktion/Print-Journalismus und Rundfunknachrichten/Rundfunk-Journalismus“ (Gotlieb et al. 2017). Ob der Rückgang von Journalistik-Studierenden darauf zurückzuführen ist, dass sie innerhalb von Kommunikationswissenschafts-Studiengängen weniger sichtbar sind, ist eine offene Frage.

 

Kleine Geschichte der journalistischen Berufsbildung an Universitäten  

Ein kurzer historischer Abriss, wie journalistische Berufsbildung an die Universität gelangt ist, mag Vorgänge, wie sie sich in den Vereinigten Staaten zugetragen haben, erklären helfen.

Der Missetäter war eine neue Technologie – bewegliche Lettern (Linotype). Das neue Produktionssystem von Druck und Typografie läutete schnelles und ökonomisch lohnendes Publizieren ein. Angetrieben von kommerziellen Interessen entwickelte sich eine Arbeitsteilung beim Publizieren, vom Hervorbringen von Mitteilungen über ihre Umwandlung in Satz bis zum Verteilen der Ergebnisse an ein Massenpublikum. Orientiert an den verschiedenen Aufgaben, die im Arbeitsprozess zu erfüllen waren, bildeten sich Interessengruppen. Eine der ersten solcher Berufsgruppen, die sich für ihre Anerkennung und ihren sozialen Status einsetzten, waren die Journalisten. Ein Ziel dieser Gruppen war, ihre jeweilige Arbeit auf das Niveau anerkannter Professionalität zu heben. An diesem Punkt kommt in den Vereinigten Staaten die Ausbildung ins Spiel. Ausbildung kann sozialen Status sichern.

Die besondere sozio-politische und ökonomische Ordnung unserer Nation übertrug der Presse eine besondere Aufgabe in der Gesellschaft und ihrem Verhältnis zur Regierung. Die Aufgabe bestand darin, die Bürger informiert und die Regierungsvertreter ehrlich zu halten. Die Presse, obwohl privatwirtschaftlich organisiert, erfüllte also eine wichtige öffentliche Funktion. Im Ergebnis kam dabei ein kombiniertes, gleichzeitig öffentliches und privates Geschäft heraus, das sich bei genauer Analyse letztlich allerdings weniger öffentlich als privat herausstellt, auch wenn sich die Allgemeinheit hinter die öffentliche Aufgabe stellte. Es war in jeder Hinsicht ein rätselhaftes Gebilde. Journalisten übernahmen die Rolle von Wächtern der Wahrheit in ganz ähnlicher Weise wie Ärzte sich für die Gesundheit oder Anwälte für das Recht verantwortlich erklären.

Journalistische Arbeit teilte sich in den Vereinigten Staaten im späten 19. Jahrhundert in drei wesentliche Funktionen, die des Druckers, des Berichterstatters und des Verlegers (Sobel 1976). Hochgeschwindigkeitsdruck und das Wachsen städtischer Zentren läuteten das Zeitalter des Reporters ein. Die Reporter und Journalisten lösten sich von den Druckereien und Verwaltungsgeschäften und bildeten eine neue Einheit. Sie produzierten etwas mit ihrem Intellekt – Nachrichten, Informationen, Geschichten etc. Es dauerte nicht lange, bis Journalisten anfingen, sich auf ihre Professionalität zu berufen, obwohl es keinen verbindlichen Pressekodex, keinen anerkannten Weg in den Beruf und kein einheitliches journalistisches Selbstverständnis gab. Professionalisierung, merkt Folkerts an, ermöglichte Journalisten, ihre Arbeit zu „legitimieren“ und „sich von der übrigen Öffentlichkeit als Experten für Nachrichten zu unterscheiden“ (Folkerts 2014, 228).

Um sich gesellschaftlich zu legitimieren, schauten Nachrichtenjournalisten schließlich in dieselbe Richtung, in die die meisten Berufsgruppen schauten: die Universität (vgl. Sobel 1976). Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 – 1865) und im frühen 20. Jahrhundert wurde die Universität zu einer der zentralen gesellschaftlichen Autoritäten. Als Schöpfer und Bewahrer von Wissen hatten Universitäten die Macht, den Status von Professionalität zu gewähren.

Presseverbände und einige prominente Persönlichkeiten des Journalismus, allen voran Joseph Pulitzer, puschten die Idee der journalistischen Berufsbildung. Im späten 19. Jahrhundert boten etliche US-amerikanische Institutionen Journalistik-Kurse an, und 1908 richtete die Universität von Missouri das erste Institut für Journalistik ein, das, nebenbei gesagt, seine Bezeichnung bis heute behalten hat: „School of Journalism“. Bald danach tauchten andere Studiengänge auf. Den Anfangsschub gaben Einrichtungen zur Förderung der Karriere. Nicht viel später wurden Anstrengungen unternommen, um in Forschungseinrichtungen journalistische Berufsbildung als Disziplin zu etablieren. Der erste Doktortitel in Journalistik wurde 1929 unter Leitung von Willard G. Bleyer von der Universität von Wisconsin vergeben, und das erste Doktorat in Kommunikationswissenschaft („Massenkommunikation“) wurde von Wilbur Schramm konzipiert und 1948 an der Universität von Iowa realisiert (Rogers 1994, 21-26).

Der Ansatz, wie Journalisten aus- und weitergebildet werden, unterschied sich markant zwischen den Einrichtungen. Folkerts weist darauf hin, dass sich früh drei Modelle von Journalistik entwickelten. Die Universität von Missouri setzte auf umfangreiche Unterweisungen durch Handreichungen, was als „Missouri-Methode“ bekannt wurde. Die Columbia Universität konzentrierte sich auf Seminare für professionell Fortgeschrittene (Master) und nutzte den Vorteil der an Medien reichen Umgebung von New York. Und die Universität von Wisconsin in Madison betonte die akademischen Aspekte der Berufsbildung mit einem Akzent auf Sozialwissenschaften. Natürlich hat es im Laufe des vergangenen Jahrhunderts viele Veränderungen gegeben, aber diese drei Studiengänge, schreibt Folkerts, „repräsentieren noch immer besondere Modelle.“ (Folkerts 2014, 278)

Von ihrem Beginn an löste die journalistische Berufsbildung eine Debatte über das Curriculum aus. Niemals ganz und genau gelöst wurde das Problem des Verhältnisses von berufspraktischen und wissenschaftlichen Anteile in den Lehrplänen. In der Tendenz überwog die berufspraktische Seite (vgl. Dingwall/Lewis 1983). Die Journalistik nahm sich zwar Medizin und der Rechtswissenschaft als Vorbilder, aber operativ kam das Muster für die Unterweisung von (künftigen) Journalisten von Medienunternehmen.

In einer provokativen Dissertation hat Birkhead die Rolle der Journalistik-Institute scharf kritisiert. Er schrieb: „Befangen in der Professionalitätsideologie haben die Journalistik-Institute tatsächlich eine Abhängigkeit vom Mediengeschäft vertieft, das zu regulieren sie behaupteten. Gegen ihre eigenen Motive haben Journalistenausbilder dabei geholfen, Professionalität zu einem Instrument der Ausbeutung zu machen“ (Birkhead 1982, 280). Weiter behauptet er, die Universitäten hätten zur Glaubwürdigkeit des Anspruchs beigetragen, dass die Presse dem Gemeinwohl diene. Unbestreitbar ist, dass Universitäten dazu beigetragen haben, Journalismus als Beruf zu legitimieren. Seit ihrer frühen Entwicklung bis heute neigt die Journalistenausbildung dazu, sich den Arbeitsprozessen in den Redaktionsräumen anzugleichen. Die Journalistik hat die Standards und Werte sanktioniert, auf die sich journalistische Praktiker berufen, darunter zum Beispiel Objektivität und Neutralität.

Für die längste Zeit ihrer Geschichte war die Journalistik von der Frage beherrscht, wie sich Praxis und Theorie ins Gleichgewicht bringen lassen, was auf den alten Kampf zwischen akademischen und beruflichen Erfordernissen zurückgeht. Aber sollte es überhaupt ein Gleichgewicht zwischen Konzeption und Anwendung geben? Wenn ja, worin sollte es bestehen? Es ist unvermeidlich, dass Wissenschaftler und Berufspraktiker darin nicht übereinstimmen. Persönlich meine ich, dass die Trennung von Praxis und Theorie künstlich ist. Wenn man dem bekannten Diktum folgt, dass nichts so praktisch ist wie eine gute Theorie, gehören sie untrennbar zusammen.

 

Selbstkontrolle der journalistischen Berufsbildung und Akkreditierungsinstanzen

Die kritische Frage ist, wer Berufsbildung kontrolliert, das heißt, wer oder welche Institution Standards und akzeptable Normen setzt. Die Vereinigten Staaten folgen dem Prinzip der Selbstregulierung. Maßgeblich für den Ausbildungs- und Erziehungsbereich sind Akkreditierungsinstitutionen, unabhängige Einrichtungen, die nach maßgeblichen Zielen und Kriterien Standards prüfen und entscheiden, ob die betreffenden Kriterien erfüllt werden. Für den Bereich der Aus- und Weiterbildung für Journalismus und andere Medienberufe wird diese Bewertung in den USA von einer Gruppe vorgenommen, zu der sowohl Berufstätige als auch Ausbilder gehören. Diese Einrichtung wurde 1945 gegründet und trägt die Bezeichnung „Accrediting Council on Education in Journalism and Mass Communications“ (ACEJMC). Sie ist die Organisation, die vom Rat für die Akkreditierung höherer Bildung („Council for Higher Education Accreditation“, CHEA) und vom US-Erziehungsministerium als Akkreditierungsinstitution für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an Colleges und Universitäten anerkannt wird (Website des ACEJMC: http://www.ukans.edu/~acejmc/).

Der gegenwärtige ACEJMC hat 26 Mitglieder, die Berufs- und Ausbildungsorganisationen repräsentieren. Bis zu drei Mitglieder können die Öffentlichkeit vertreten. Auf der Website des ACEJMC heißt es: „Die Mitgliedschaft im ‚Accrediting Council on Education in Journalism and Mass Communications’ steht Vertretern aller Berufs- und Lehrerverbände offen, die dem ACEJMC angeschlossen sind (einschließlich mit solchen Verbänden verbundene Stiftungen) und sich mit Berufsbildung von Studierenden für Tätigkeiten in Journalismus, Massenkommunikation, Telekommunikation und anderen Medien befassen. Die Aufnahme in den Rat geschieht durch Zustimmung der Mehrheit seiner Mitglieder.“

Beim ACEJMC sind zur Zeit 113 Studiengänge akkreditiert. In den vergangenen Jahren hat sich das Verfahren auf andere Länder ausgedehnt und umfasst nun auch acht internationale Studiengänge: drei in den Vereinigten Arabischen Emiraten, zwei in Mexiko und jeweils einen in Chile, Neuseeland und Katar. Es wurde infrage gestellt, ob es sinnvoll ist, Studiengänge dort zu evaluieren, wo es definitiv keine Pressefreiheit gibt, aber der ACEJMC behauptet, dass das Verfahren „institutionelle Einheitlichkeit“ berücksichtigt.

 

Bei der Evaluierung von Studiengängen werden neun Kriterien verwendet:

(1) Selbstverständnis, Haltung und Verwaltung;

(2) Lehrplan und Lehrpraxis;

(3) Vielfalt („diversity“) und Inklusion;

(4) Vollzeit- und Teilzeit-Studium;

(5) Wissenschaftlichkeit: Forschung, Innovation und Berufsnähe;

(6) Studierendenbetreuung;

(7) Ressourcen und Ausstattung;

(8) berufsinterne und öffentliche Dienstbarkeit; und

(9) Kontrolle von Lernerfolgen.

 

Die Akkreditierung, die bewusst freiwillig ist, war relativ erfolgreich, obwohl eine Reihe von Einrichtungen, darunter die Northwestern University, das Institut für Fortgeschrittene an der Universität von Kalifornien in Berkeley und die Universität von Wisconsin in Madison sich dagegen entschieden haben, weil das Verfahren Innovationen behindere oder weil der Studiengang sich auf fortgeschrittene Studierende konzentrieren möchte. Gleichwohl hat die Akkreditierung mindestens zwei wichtige positive Effekte. Einer beruht darauf, dass die Organisation sowohl berufspraktische als auch akademische Vertreter umfasst. Sie definieren und interpretieren gemeinsam die Anforderungen der Akkreditierung. Der zweite Effekt ist, dass die Prüfungen des Akkreditierungsrats ein Minimum an Qualität garantieren, auch wenn die Umsetzung der Konzepte nicht gemessen oder bewertet wird.

Ein Zeichen der Vitalität der Berufsbildung für Medienberufe – nicht nur für den Journalismus – ist das Wachstum des Berufsverbands der Medienausbilder „Association for Education in Journalism and Mass Communication“ (http://www.aejmc.org/). Seit seiner Gründung im Jahre 1912 setzt sich der Verband für mehr professionelle Qualität und Wissenschaftlichkeit ein. Er hat fast 4.000 Mitglieder überall auf der Welt. Ausbilder machen den Großteil dieser Mitglieder aus, unter denen es aber auch Studierende und Berufspraktiker gibt.

Mein Zugang zur Journalistenausbildung in Iowa wurde nicht zuletzt geprägt vom Meinungsforscher und Kommunikationswissenschaftler George H. Gallup. Er hat in Iowa sein Journalistik-Studium abgeschlossen, als Redakteur der Studierendenzeitung gearbeitet und später an der Universität von Iowa unterrichtet. 1926 hat er auf einem Treffen von Journalistenausbildern in Ohio gesagt, dass die Lehre in der Journalistik „weniger Nachdruck auf Technik und Praxis legen sollte und mehr und mehr auf Theorie. Sie sollte sich mehr mit den Grundsätzen befassen, auf denen die Praxis beruht, und weniger mit der Praxis als solcher“ (Gallup 1927, 17).

Tatsächlich hat der Studiengang in Iowa, der zuerst 1945 akkreditiert wurde, seit seiner Gründung eine starke geisteswissenschaftliche Orientierung. Das wird möglicherweise dadurch unterstrichen, dass sein erster Leiter, Charles H. Weller, Professor für Griechisch und Archäologie war. Er hat der Journalistik in Iowa drei grundlegende Prinzipien mitgegeben, die die Herausforderungen der Zeiten erstaunlich gut überstanden haben:

(1) Journalisten sollten ein breites Hintergrundwissen haben;

(2) Journalisten sollten lebendige Kenntnis von der Theorie und den Techniken ihres Berufs besitzen, einschließlich seiner Geschichte und seiner Probleme; und

(3) Journalistik-Studierenden sollten vielfältige Möglichkeiten offen stehen, Prinzipien, die sie im Unterricht kennengelernt haben, in einem Labor in Praxis umzusetzen (Starck o. J.).

 

Journalistik als Aufklärung der Gesellschaft über den Journalismus

Journalistische Berufsbildung ist aber auch noch mehr, als junge Leute für bedeutende Karrieren fit zu machen. Sie hilft auch, junge Leute, die keine Journalisten werden wollen, über die Bedeutung des Journalismus aufzuklären. So aufgeklärte zukünftige Leser und Zuschauer werden hohe Erwartungen haben, denen die Nachrichtenmedien gerecht werden müssen. Institutionalisierte Präsenz journalistische Ausbildung fördert das Verständnis der Öffentlichkeit für die Wichtigkeit des Journalismus in einer Demokratie.

Außerdem bieten viele Journalistik-Einrichtungen beständige Weiterbildungsmöglichkeiten für im bereits im Beruf stehende Journalisten an, so das „Shorenstein Center“ (https://shorensteincenter.org/) und das „Nieman“-Journalistikprogramm (http://nieman.harvard.edu/), beide in Harvard, und das „Knight-Bagehot Fellowship in Economics and Business Journalism“ an der Columbia-Universität (https://journalism.columbia.edu/kb), sowie Dutzend andere über das Land verstreute Einrichtungen.

Auch Stiftungen haben für die Entwicklung journalistischer Berufsbildung eine Rolle gespielt. Zu den frühen Unterstützern gehörten die „Gannett Foundation“ und das „Freedom Forum“. Gelegentlich war solche Unterstützung problematisch, weil ihretwegen Versuche zur Beeinflussung wissenschaftlicher Inhalte befürchtet wurden. Unter den Dutzenden aktiver Unterstützer von gutem Journalismus sind die „Knight Foundation“ (https://knightfoundation.org/), die „Scripps Howard Foundation“ (https://www.scripps.com/foundation/), die „Alicia Patterson Foundation“ (http://aliciapatterson.org/) und die „Ethics and Excellence in Journalism Foundation“ (Stiftung für Ethik und Qualität im Journalismus, http://inasmuchfoundation.org/journalism-foundation/) zu nennen.

Die Knight-Stiftung ist besonders aktiv in der Unterstützung des „World Journalism Education Council“ (Weltrat für Journalistische Berufsbildung, https://wjec.net/home/) und andere Bildungsorganisationen, die einen globalen Zugang zur Journalistik haben. Das Knight-Zentrum an der Universität von Texas in Austin hat kürzlich den Überblick Global Journalism Education in the 21st Century: Challenges and Innovations publiziert, ein Nebenprodukt von vier internationalen Konferenzen. Die Publikation ist online frei zugänglich und untersucht journalistische Berufsbildung im Weltmaßstab. Die Herausgeber widmen sie „den Ausbildern und Trainern weltweit, die Journalismus auf dem höchstmöglichen professionellen Niveau unterrichten, und den Studierenden, die deren Fackeln folgen.“ (Goodman & Steyn 2017).

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Journalistenberuf damit fortfahren, auf Universitäten zu setzen, um ein erfahrenes und vergleichsweise kostengünstiges Ausbildungs- und Innovations-Labor zur Seite zu haben. Aber die Ausbilder sollten nicht nur für die Interessen des Mediengeschäfts sensibel sein, sondern ebenso im Bewusstsein halten, dass sie die größere Aufgabe haben, der Gesellschaft zu dienen und für Möglichkeiten einer optimalen Entwicklung von Intellekt und Begabung bei Individuen zu sorgen. Die Ziele von Ausbildern und Berufstätigen überschneiden sich, aber sie haben unterschiedliche Aufgaben und Rollen. Auch wenn sie die gemeinsamen Ziele im Auge haben, sollten Berufspraktiker und Ausbilder die Unterschiedlichkeit ihrer Rollen respektieren.

 

Schlussfolgerungen

Ihre Tochter wird ungeduldig. Was ist Ihre Antwort? insistiert sie. Was raten Sie mir hinsichtlich eines Journalistik-Studiums an der Universität? Wahrscheinlich erwartet sie eine Ja-oder-Nein-Antwort. Unglücklicherweise ist die Antwort komplizierter. Hier kommt, was ich ihr rate:

Wenn du weiterhin Lust am Schreiben hast und etwas zu der Gemeinschaft beitragen möchtest, der du angehörst, dann mach’ dir auf jeden Fall die Vorteile zunutze, die ein guter, auf Qualität achtender Journalistik-Studiengang zu bieten hat. Da gibt es einiges zu beachten:

  • Sei sicher, dass der Lehrplan eine Mischung von theoretischen und praktischen Kursen anbietet, mit Betonung auf den theoretischen.
  • Suche nach Kursen, die deine Journalistik-Studien ergänzen – Soziologie, Ökonomie, Politikwissenschaft, Psychologie, Philosophie, Geschichte und wenigstens eine andere Fremdsprache. Vielleicht möchtest du in einem dieser Fächer deinen Abschluss machen und betrachtest die Journalistik-Kurse als Zweitfach. Abschlüsse in mehr als einem Fach sind ebenfalls sinnvoll.
  • Lebe und studiere für ein Semester oder ein Jahr in einer anderen Kultur.
  • Sammle Arbeitserfahrungen in mehreren Medien, Online, Video, Print usw.
  • Vergiss nicht: Technik ist ein Werkzeug, ein Mittel, nicht der Endzweck.
  • Entwickle deinen Unternehmersinn, indem du innovativ bist und lernst, wie man aus einer guten Idee Kapital schlagen kann.
  • Lerne innerhalb, aber auch außerhalb des Seminarraums und bereite dich engagiert darauf vor, mit dem Lernen für den Rest deines Lebens fortzufahren.
  • Schließlich, liebe Kollegentochter, wird deine Zukunft anders aussehen als meine Vergangenheit, aber sie verspricht, ebenso aufregend zu werden.

 

Über den Autor

Kenneth Starck, Univ.-Prof. Dr., Jg. 1934, University of Iowa, an deren „School of Journalism and Mass Communication“ er – nach Tätigkeiten als Journalist und Journalistenausbilder bei Zeitungen und Universitäten in den USA und Finnland – 1974 kam und deren Direktor er 1975 – 1986 und 1990 – 1996 war; dazwischen Gastprofessuren an den Universitäten von Peking und Bukarest; 1982 Präsident der „Association of Education in Journalism“ (heute AEJMC), langjährige Tätigkeit als Ombudsmann für die Zeitung „The Gazette“ in Cedar Rapids (Iowa), nach der Emeritierung 2004 bis 2009 Dekan des „College of Communication and Media Sciences“ der Zayed University (VAE); Forschungsschwerpunkte sind aktuelle Entwicklungen des Journalismus und interkultureller Journalismus. Kontakt: kenneth-starck@uiowa.edu

 

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Fußnoten

[1] Mill 1978, S. 17.

[2] Zit. n. Starck, Kenneth (o.J.): History/Traditions oft he University School of Journalism and Mass Communication. (Geschichte und Traditionen des Universitätsinstituts für Journalistik und Massenkommunikation.) Unv. Mskpt. Schramm hat diese Einsicht 1943 geäußert.

 

Übersetzung: Horst Pöttker