Von Kaylin Lane und Jennifer M. Proffitt
Abstract: Die Begriffe »Florida Man« und »Florida Woman« sind auf US-Nachrichtenmedien zurückzuführen, die über schockierende und ungewöhnliche Ereignisse in Florida berichten. Entsprechende Beiträge haben sich im Laufe der Zeit verbreitet. Dabei stereotypisiert diese Berichterstattung Männer und Frauen, macht sich über Verbrechen und kriminelles Verhalten lustig und lenkt die Aufmerksamkeit mithilfe von Clickbait-Überschriften auf belanglose Ereignisse, um dadurch Profit zu machen. In einer Textanalyse untersuchen wir die Berichterstattung über »Florida Man« und »Florida Woman« aus feministisch-politökonomischer Perspektive. Wir zeigen, wie Nachrichtenmedien mit »Florida Man« und »Florida Woman« Leser*innen anlocken, daraus Kapital schlagen und eine stereotype und fragwürdige Berichterstattung verstetigen.
»Mann aus Florida attackiert Mutter mit Spaghettisoße und versteckt sich vor der Polizei im Gebüsch« (Aurielle Eady, 2024). Diese Schlagzeile veranschaulicht das oft komisch anmutende Phänomen »Florida Man«, das sich auf sensationsheischende Schlagzeilen über unerwartete, typischerweise kriminelle Handlungen von Menschen im US-Bundesstaat Florida bezieht. Seinen Ursprung hat das Phänomen in Memes von Nachrichtenberichten, die seit 2013 online kursieren (Ira Robbins, 2021). Während der Begriff »Florida Man« bizarre Geschichten von Floridianer*innen unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität umfasst (Robbins, 2021), verwenden Journalist*innen heutzutage auch den Begriff »Florida Woman« für Berichte über Frauen, wodurch der Begriff »Florida Man« als pauschale Definition verkompliziert wird. Daher ist es von Interesse zu analysieren, wie das Pendant der »Florida Woman« dargestellt wird. Dementsprechend untersucht diese Studie anhand der Berichterstattung von drei US-Zeitungen – zwei nationalen (New York Times und USA Today) und einer in Florida ansässigen (Tampa Bay Times) –, wie der »Florida Man« und die »Florida Woman« in Nachrichtenmedien dargestellt werden. Den theoretischen Rahmen liefert der Ansatz der feminist political economy.
Feministische politische Ökonomie
Während Wissenschaftler*innen eine politökonomische Perspektive anwenden, um zu untersuchen, wie sich Wirtschaftssysteme und Machtverhältnisse auf gesellschaftliche Strukturen, einschließlich Mediensysteme, auswirken, ignoriert diese Forschung »oftmals die geschlechtsspezifische Natur des Kapitalismus« (Ellen Riordan, 2002, S. 9). Beispielsweise sind Eigentümer von Massenmedien in den USA in der Regel »Unternehmen, Eliten und Männer« (Caroline Byerly, 2002, S. 130): Der Besitz vieler Medienunternehmen in verschiedenen Branchen macht nicht nur reich, er bringt auch die Möglichkeit mit sich, »eine Reihe von Ideen, Werten und Vorbildern in Gang zu setzen, die sich in den Botschaften ihrer Branchen selbst perpetuieren« (S. 130). Feminist political economy wird definiert als die »Untersuchung der geschlechtsspezifischen Produktion, Verteilung und des Konsums von Gütern und Ressourcen sowie die Analyse, wie Ideologie zur Stabilisierung ungleicher Beziehungen eingesetzt wird« (Micky Lee, 2011, S. 83) und hilft so zu verstehen, wie die Struktur und Inhalte der Medien auf kapitalistischen und patriarchalischen Motiven beruhen. Der kapitalistische Motor der Branche strebt nach Gewinn statt nach Förderung von »Gleichheit und Vielfalt«, was sich auf die verbreiteten Mediendarstellungen auswirkt (M. Cruz Tornay-Márquez, 2024, S. 312). Dass Profit die oberste Maxime ist, gibt Anlass zur Sorge, weil Nachrichtenmedien Diskurse »über Dinge, die für das Leben und den Status von Frauen von zentraler Bedeutung sind« (Byerly, 2002, S. 131) definieren und verbreiten. Damit beeinflussen sie, wie Frauen gesehen und behandelt werden. Das zeigt sich auch anhand der Kriminalitätsberichterstattung. Mediale Darstellungen spiegeln nicht immer exakte Kriminalitätsmuster wider (z. B. Jessica Grosholz & Charis Kubrin, 2007), können Geschlechternormen verstärken und die Sichtweise auf Kriminalität verzerren (siehe Robert Entman & Kimberly Gross, 2008). Felipe Estrada et al. (2019) stellten beispielsweise fest, dass die Berichterstattung über männliche und weibliche Straftäter*innen[1] zwar ähnlich war, das Verhalten der Frauen jedoch eher rationalisiert wurde und die Berichterstattung eher Details über die kriminelle Vergangenheit und den Beruf der Täterin sowie eine Diskussion über die Allgegenwärtigkeit von Kriminalität beinhaltete (z. B. Rachel Collins, 2016).
Zu den gängigen Stereotypen über Straftäterinnen gehört die ›traurige‹, ›böse‹ oder ›verrückte‹ Frau (sad, bad, or mad woman). Das Narrativ der ›bösen‹ Frau beschreibt Straftäterinnen, »die sich durch ihre eigenen vorsätzlichen Handlungen bewusst über traditionelle Geschlechterrollen hinwegsetzen« (Pauline Brennan & Abby Vandenberg, 2009, S. 145). Beispielsweise werden solche Frauen im Zusammenhang mit Kindsmord als extrem von der Geschlechterrolle abweichend dargestellt, losgelöst von »angemessenem weiblichem Verhalten«, insbesondere »vom Gebot der Mutterschaft«, und eine solche »Abweichung wird als unerklärlich oder unentschuldbar angesehen, als Folge einer psychischen Erkrankung oder der Lebensumstände« (Siobhan Weare, 2017, S. 205). Die Erzählung von der ›verrückten‹ oder ›traurigen‹ Frau stellt Täterinnen »als nicht voll verantwortlich für ihre Handlungen« dar, weil »ein äußerer Faktor das kriminelle Verhalten entschuldigt« (Brennan & Vandenberg, 2009, S. 146), beispielsweise weil sie »verrückt« sind (Estrada et al., 2019, S. 141). Wie Weare (2017) argumentierte, »verstärken ›verrückte‹ und ›traurige‹ Darstellungen nicht nur geschlechtsspezifische Normen, die mit als angemessen empfundener Weiblichkeit verbunden sind, wie Irrationalität, Passivität und Schwäche, sondern reproduzieren sie auch«; die Erzählung von der ›bösen‹ Frau »konstruiert diese Frauen als Nicht-Frauen, Nicht-Menschen, Monster, um die Herausforderung, die sie für das Gebot der Mutterschaft und angemessener Weiblichkeit darstellen, abzuschwächen und zunichte zu machen« (S. 220). Die Verwendung von geschlechtsspezifischen Stereotypen normalisiert patriarchalische Ideologien und die sie umgebenden Diskurse.
Methode
In unserer Analyse haben wir Artikel untersucht, die zwischen dem 1. April 2023 und dem 1. April 2024 in den Tageszeitungen USA Today Online, The New York Times und Tampa Bay Times veröffentlicht wurden und die Begriffe »Florida Man« und »Florida Women« enthielten. Die Artikel haben wir durch die Datenbank Nexis Uni gesammelt. Meinungsbeiträge, Duplikate und Beiträge, die keinen Bezug zum Kontext von »Florida Man«/»Florida Woman« hatten, wurden aussortiert, sodass 36 Artikel zu »Florida Man« und 20 Artikel zu »Florida Woman« übrig blieben. Dieser quantitative Unterschied deckt sich mit früheren Untersuchungen, denen zufolge US-Zeitungen deutlich häufiger über Straftäter als über Straftäterinnen berichten (Kellie Carlyle et al., 2008). Wir haben das Datenmaterial induktiv auf Grundlage der Textanalyse von Suman Mishra (2020) kodiert und uns dabei speziell auf die Darstellung von »Florida Man« oder »Florida Woman« und die ideologischen Funktionen dieser Darstellungen konzentriert. Ursprünglich war auch angedacht, das Datenmaterial in Bezug auf die Intersektionalität von Geschlecht, race und Klasse zu analysieren, aber in den untersuchten Artikeln wurden race oder Klasse nicht explizit erwähnt.
»Florida Man«
Der »Florida Man« wird oft als Betrüger oder Schwindler beschrieben, der bereit ist, zu lügen, zu betrügen und zu stehlen, um sich selbst zu bereichern. So handelt ein Bericht von einem Mann und seinen Kindern, die ein als Kirche getarntes Unternehmen gründeten, darüber Bleichmittel verkauften und behaupteten, dass dieses »Covid-19, Alzheimer, Diabetes, HIV/AIDS, Leukämie und andere schwere Krankheiten heilen könne« (Orlando Mayorquin, 2023, Abs. 8). Berichte wie diese rücken Männer in den Mittelpunkt, die andere getäuscht und ihnen absichtlich Unrecht getan haben. Sie machen sich über schwerwiegende Ereignisse, die negative Auswirkungen auf andere Menschen hatten, lustig und lenken damit Aufmerksamkeit auf Geschichten, die nicht so stark in den Fokus gerückt werden müssten oder zumindest mehr Kontext benötigen.
Eine anderes Narrativ über den »Florida Man« konzentriert sich auf die Promi-Kultur. Dabei geht es um Männer, die durch extreme Verbrechen öffentliche Aufmerksamkeit erlangen wollen. So soll beispielsweise ein Mann aus Florida seine Frau wegen »eines Streits darüber, ob sie gemeinsam in einer Fernsehsendung über Hausrenovierungen auftreten sollten« ermordet haben (Associated Press, 2023a, Abs. 1). Die Konzentration auf popkulturelle Aspekte minimiert die Grausamkeit und Gewalt der verübten Taten.
Andere Berichte beschreiben den »Florida Man« als wütend, irrational und gewalttätig. So lautet eine Schlagzeile: »Florida Man wegen Körperverletzung angeklagt, nachdem Streit um Welpenverkauf zu Messerstecherei führte, sagt Polizei« (Kinsey Crowley, 2024a). Eine andere: »Florida Man richtete Waffe auf Frau, nachdem ihr Freund rückwärts in seine Einfahrt gefahren war, sagt Sheriff-Büro« (Frank Fernandez & Thao Nguyen, 2023). Außerdem gehören zu den Berichten über den »Florida Man« Sexualstraftaten, beispielsweise »Florida Man hat der Polizei zufolge letzte Woche in einem Haus auf drei Frauen geschossen und eine von ihnen getötet, nachdem er angeblich zugegeben hatte, dass er eine ›romantische Beziehung‹ zu seiner eigenen Tochter wollte« (Natalie Neysa Alund, 2024, Abs. 1). Solche Darstellungen reduzieren Gewalttaten zur Pointe des »Florida Man«-Narrativs, anstatt auf jene Probleme einzugehen, die diesen Geschichten offenkundig zugrunde liegen.
Mehrere »Florida Man«-Geschichten behandeln nicht-kriminelle, unvorhergesehene Ereignisse, an denen ein öffentliches Interesse bezweifelt werden kann und die in erster Linie darauf abzielen, Leser*innen zu gewinnen. Schlagzeilen wie »Florida-Mann will Pfauen sterilisieren lassen« (Douglas Hanks, 2023) und »Mann sagt, explodierende Toilette in Dunkins’ habe ihn mit Abfall und Trümmern bedeckt. Jetzt klagt er« (Kinsey Crowley, 2024b) instrumentalisieren ungewöhnliche Handlungen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Obgleich diese Geschichten unterhaltsam sein mögen, führen sie zu einer Trivialisierung von Nachrichten und zur Verbreitung von Clickbait. Dadurch werden investigative, Kontext liefernde Nachrichten verdrängt, deren Recherche länger dauert und mehr Ressourcen erfordert.
»Florida Woman«
Es gibt deutlich weniger Geschichten über Frauen aus Florida. Das ist wenig verwunderlich ist, da Frauen in der Berichterstattung nicht nur in den USA, sondern weltweit unterrepräsentiert sind (Global Media Monitoring Project, 2025; Luba Kassova, 2020). Artikel über »Florida Women« enthalten meist die geschlechterstereotype Darstellung der ›traurigen‹, ›verrückten‹ und ›bösen‹ Frau. Ein Beispiel für das Narrativ der ›traurigen‹ Frau handelt von einer Frau aus Florida, die von einer Fledermaus gebissen wurde und für eine lebensrettende Behandlung eine hohe Rechnung erhielt. Der Artikel konzentriert sich auf ihre Emotionen: »Ich durchlief alle sieben Phasen der Trauer. Ich fing an zu weinen. Ich dachte, das muss ein Irrtum sein« (Skyler Swisher & Caroline Catherman, 2024, Abs. 6). Diese Erzählung konzentriert sich auf die stereotype Darstellung von Frauen als emotional, anstatt beispielsweise eine Diskussion über das kommerzialisierte Gesundheitssystem in den USA anzustoßen, und lenkt die Aufmerksamkeit von der Schwere der Verletzung weg.
Beispiele für die Erzählung der ›verrückten‹ Frau finden sich in Schlagzeilen wie »Frau aus Florida sticht ihrem Freund mit einer Tollwut-Spritze ins Auge, weil er andere Frauen angesehen hat: Polizei« (Kinsey Crowley, 2023a) und »Frau aus Florida beißt einer anderen Frau nach einem Streit auf einer Hausparty teilweise das Ohr ab, sagen Beamte« (Natalie Neysa Alund, 2023). Im Gegensatz zu den in den »Florida Man«-Geschichten beschriebenen Gewalttaten neigen »Florida Woman«-Artikel dazu, gewalttätige Handlungen von Frauen zu rechtfertigen, indem sie sich auf die Eifersucht und Wut der Frauen konzentrieren und so dem Stereotyp der hysterischen Frau entspechen.
Zu Erzählungen über ›böse‹ Frauen zählt z. B. die Geschichte einer Frau aus Florida, die »wegen des Vorwurfs, einen Auftragskiller angeheuert zu haben, um ihren dreijährigen Sohn zu töten, strafrechtlich verfolgt wird« (Kinsey Crowley, 2023b, Abs. 1) und deren Absicht möglicherweise darin bestand, einem Ex-Partner zu gefallen, der die Beziehung beendet hatte, weil sie ein Kind hatte. Ein weiteres Beispiel lautet: »Eine Frau aus Florida wurde wegen schwerer Kindesvernachlässigung und Brandstiftung angeklagt, nachdem ihr Auto – mit Kindern darin – in Brand geraten war, während sie laut Polizeibericht angeblich in einem Einkaufszentrum Ladendiebstahl begangen hatte« (Francisco Guzman, 2023, Abs. 1). Dieses Bild der bösen Frau konzentriert sich oft auf Frauen als schlechte Mütter, die, wie Weare (2017) schreibt, als »Monster« dargestellt werden. Die Stereotype der ›traurigen‹, ›verrückten‹ oder ›bösen‹ Frau vereinfachen und minimieren komplexe Themen und instrumentalisieren reale Erlebnisse für reißerische Schlagzeilen.
Die Geschichten über Frauen aus Florida legten einen Schwerpunkt auf das Geschlecht, der in der Berichterstattung über Männer weniger stark zum Tragen kam. Ein Beispiel für solch einen geschlechtsspezifischen Rahmen ist die Thematisierung von Liebesbeziehungen. So heißt es in der Einleitung eines Artikels: H. M. »lag in einem Krankenhauszimmer in Miami, stand unter Morphium und hatte eine Niere weniger, als sie ihren zukünftigen Ehemann kennenlernte« (Gabrielle Calise, 2024, Abs. 1). Berichte über Frauen, in denen romantische Beziehungen in den Mittelpunkt gerückt werden, normalisieren die Vorstellung, dass die Identität und Bedeutung einer Frau von ihrem Partner abhängt. Ein weiteres Thema sind vermeintlich weibliche Eigenschaften, wie beispielsweise in dieser Überschrift: »Frau aus Florida verklagt Hershey, weil die Verpackung von Reese’s Peanut Butter Pumpkins nicht ›niedlich‹ genug ist« (Sarah Al-Arshani, 2024).
In Übereinstimmung mit der bisherigen Forschung zur Darstellung von Kriminalität in den Medien (z. B. Estrada et al., 2019) wurden von Frauen begangene Straftaten rationalisiert. So heißt es in einem Artikel über eine Frau aus Florida, die den US-Abgeordneten Matt Gaetz mit Wein bewarf, dass ihr Anwalt Gaetz als »Aggressor« und »Aufwiegler« bezeichnete (Associated Press, 2023b, Abs. 7). Die Notwendigkeit, das Verhalten von Frauen zu rechtfertigen, knüpft an die patriarchalische Ideologie an, dass Frauen »angemessen weiblich«, rein und fürsorglich sein sollten; wenn Frauen gegen Geschlechternormen verstoßen, muss es eine Erklärung für ihr Verhalten geben, wodurch oft die Handlungsmacht von Frauen in Frage gestellt wird.
Fazit
Diese Studie zeigt, dass Nachrichtenmedien das Phänomen »Florida Man« instrumentalisieren und die Protagonisten in einer geschlechtsspezifischen stereotypen Weise darstellen. Das soll Klicks generieren, da »die Leser*innen diese Geschichten genießen und vor allem in den sozialen Medien teilen« (Robbins, 2021, S. 1). Der Ansatz der feminist political economy bietet einen theoretischen Rahmen, um die Popularität und den Einfluss des »Florida Man«-Narrativs zu verstehen: US-amerikanische Nachrichtenmedienunternehmen profitieren von diesen Beiträgen, weil sie kostengünstig sind. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass das public records law in Florida Einsicht in Akten und Aufzeichnungen in Behörden leicht zugänglich macht. Dementsprechend kann davon ausgegangen werden, dass Medien diese oft genderspezifische Berichterstattung fortführen werden. Dies zeigt, dass kommerziellem Interesse Vorrang vor einer fairen und nuancierten Darstellung gegeben wird (siehe Tornay-Márquez, 2024). Das trägt zur Aufrechterhaltung geschlechtsspezifischer Ideologien bei. Berichte über den »Florida Man« fördern oft toxische, männliche Stereotypen, die Gewalt gleichzeitig normalisieren und sensationalisieren, während Artikel über die »Florida Woman« suggerieren, dass Frauen in erster Linie emotional sind und sich über ihre Beziehungen definieren; Begründungen für ihr abweichendes Verhalten werden oft im Einklang mit patriarchalischen Erwartungen an Frauen konstruiert (siehe Mary Becker, 1998). Frauen als böse, verrückt oder traurig darzustellen, ist nichts Neues. Die Trope der »Florida Woman« fügt jedoch noch Spott und Hohn hinzu und ermutigt Leser*innen, über individuelle Traumata zu lachen. Dabei treten strukturelle Probleme, die überproportional Frauen betreffen – wie häusliche oder sexuelle Gewalt –, in den Hintergrund. Systemische Geschlechterungleichheiten werden so auf Pointen reduziert.
Anstatt Geschichten über »Florida Man« und »Florida Woman« auf Witze oder Memes zu reduzieren, sollten Nachrichtenmedien bei der Berichterstattung über Florida auf stereotype Sprache sowie Clickbait-Überschriften verzichten und die Sensationalisierung unwichtiger Ereignisse vermeiden. Sie sollten kontextualisieren, anstatt zu trivialisieren, zu verspotten oder zu dämonisieren. Zukünftige Forschung sollte untersuchen, welche anderen, für Frauen schädliche Ideologien durch die Kriminalitätsberichterstattung von profitorientierten Nachrichtenmedien verbreitet werden.
Über die Autorinnen
Kaylin Lane, M.S., ist Doktorandin an der School of Communication der Florida State University. Sie unterrichtet politische Ökonomie der Medien. Ihre Forschungsinteressen umfassen politische Ökonomie der Medien, Feminismus und Kriminalitätsberichterstattung. Kontakt: kl23g@fsu.edu
Jennifer M. Proffitt, Ph.D., ist Theodore Clevenger-Professorin für Kommunikation an der Florida State University. Sie lehrt politische Ökonomie der Medien, Kommunikationsregulierung und -politik, qualitative Methoden und Medienethik. Ihre Forschungsinteressen konzentrieren sich auf kritische Medienwissenschaften, darunter politische Ökonomie der Medien, Journalismus und Arbeiterschaft sowie Sportmedien. Kontakt: jproffitt@fsu.edu
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Fussnote
1 Es ist wichtig anzuerkennen, dass sich Studien zur Berichterstattung über Straftäter*innen in den Mainstream-Medien zwar weitgehend auf Männer und Frauen konzentriert haben, Geschlecht jedoch ein soziales Konstrukt und ein Spektrum und keine binäre Größe ist. Jüngste Forschungsarbeiten haben sich mit der Berichterstattung über nicht-binäre und genderqueere Opfer von Tötungsdelikten befasst (z. B. Susana Avalos, 2024; Susana Avalos et al., 2024; Max Osborn, 2021; Hannah Walsh, 2025); z. B. stellte Autumn Bermea (2023) fest, dass die Nachrichtenmedien ihre Aufmerksamkeit teilweise auf die nicht-binäre Geschlechtsidentität der schießenden Person im Club Q in Colorado richteten.
