Vergegenwärtigen des Vergangenen Ein Gespräch anlässlich der Publikation Schuld und Geheimnis. Bekenntnisse von Legenden in der deutsch-jüdischen Publizistik

Martina Thiele im Gespräch mit Siegfried Weischenberg | Mitmachen, »innere Emigration« oder Flucht? Jüdische Journalistinnen und Journalisten hatten nach der Machtübernahme der Nazis zumeist keine andere Wahl als zu fliehen. Wie haben sie überlebt? Wie konnten sie und nicht-jüdische Oppositionelle aus dem Exil heraus gegen die Diktatur anschreiben? Und wie haben im Gegensatz dazu andere, die geblieben sind, Karriere gemacht oder sich mit den Nazis arrangiert? Siegfried Weischenberg, emeritierter Professor für Journalistik, widmet sich in seinem neuen Buch Schuld und Geheimnis. Bekenntnisse von Legenden der deutsch-jüdischen Publizistik den bekannten und weniger bekannten Journalistinnen und Journalisten. Ob Alfred Kerr oder Hilde Spiel, Fritz Sänger oder Elisabeth Noelle – ganz unterschiedliche Verhaltensweisen und Erzählungen über das Erlebte stehen zur Diskussion. Die Lebenswege und das publizistische Werk wichtiger deutscher Journalistinnen und Journalisten des 20. Jahrhunderts nehmen der Autor Siegfried Weischenberg und die Tübinger Medienwissenschaftlerin Martina Thiele zum Anlass, um über Autobiografien als Quellen, über Erinnern und Vergessen, Schuld und Verantwortung sowie Antisemitismus und Geschlechterverhältnisse im Journalismus zu sprechen.

Der Flaneur und seine ›Menschenfresser-Interviews‹ Zum Tode von Georg Stefan Troller

Von Siegfried Weischenberg | Erst spät machte er die Entdeckung, zum Journalisten ›geboren‹ zu sein – nach einem abenteuerlichen Leben in jungen Jahren, das dem Wiener Juden durch die Zeitläufte aufgezwungen worden war. Zur ›Medienlegende‹ wurde er dann vor allem durch Porträts von Personen, die er auf den Straßen von Paris entdeckte hatte. Georg Stefan Troller, der so das Hörfunk- und später Fernseh-Interview zu einem eigenen Stilmittel entwickelte, ist dort im Alter von 103 Jahren gestorben.