Der Fall Karl Anders und die Frankfurter Rundschau Wie ein Verleger "vergessen" wird

Von Alf Mayer und Horst Pöttker | Die weitgehend verdrängte Rolle des Verlegers und Widerstandskämpfers Karl Anders für die Geschichte der Frankfurter Rundschau wird in diesem Beitrag anhand zahlreicher Archivquellen, Gerichtsakten und zeitgenössischer Dokumente belegt. Anders hat die wirtschaftlich bedrohte Zeitung Mitte der 1950er-Jahre durch Kredite, verlegerisches Know-how und publizistische Netzwerke entscheidend stabilisiert. Dennoch wurde sein Beitrag nach dem Zerwürfnis mit Karl Gerold systematisch aus der institutionellen Erinnerung der Zeitung ausgeblendet. Der Aufsatz analysiert diese Form journalistischer »Öffentlichkeitslücke« als Beispiel für Mechanismen des Verdrängens, Verschweigens und der Mythenbildung im Medienjournalismus. Dabei diskutiert er die berufsethische Frage, inwiefern das Weglassen relevanter Informationen als Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten zu bewerten ist.