Michael Haller (2020): Die Reportage. Theorie und Praxis des Erzähljournalismus

Rezensiert von Steven Thomsen / Bereits vor über 30 Jahren hat der Geist dieses Buches den langen Marsch durch die Institutionen angetreten. Frauen und Männer im Printjournalismus, denen in Studium oder Ausbildung Michael Hallers Die Reportage an die Hand gegeben wurde, lehren und forschen heute selbst, stehen Ressorts und Redaktionen vor, leiten Volontär*innen an oder bilden Redakteur*innen und Reporter*innen weiter.

Claudia Mast, Georg Spachmann, Katharina Georg (2019): »Den Mächtigen auf die Finger schauen«. Zur Zukunft gedruckter Tageszeitungen in der Region

Rezensiert von Silke Fürst / Der Lokaljournalismus wurde von der Journalismusforschung in den vergangenen Jahrzehnten eher wenig beachtet (vgl. Arnold/Wagner 2018; Hanusch 2015). Zuletzt erlebte dieser Forschungsbereich aber eine Blüte (siehe z. B. Gulyas/Baines 2020a: 1; Jenkins 2019; Örnebring et al. 2020). Das hängt mit der wichtigen Funktion des Lokaljournalismus und den gleichzeitigen Herausforderungen der Digitalisierung und des Wettbewerbs um Aufmerksamkeit und Werbeeinnahmen zusammen.

Mandy Tröger (2019): Pressefrühling und Profit. Wie westdeutsche Verlage 1989/1990 den Osten eroberten

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler / Dass der politischen Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 – oder korrekter: dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland – die wirtschaftliche Einverleibung oder Unterwanderung in Form von Fusionen, Joint-Ventures, Preispolitik oder geheimen Absprachen des kapitalstarken Westens vorausging, ist hinlänglich bekannt und vielfach erforscht. Ein besonders symptomatisches und folgenreiches Beispiel sei die aggressive Einverleibung und Neustrukturierung des DDR-Pressemarktes nach westdeutschem Vorbild gewesen, so Mandy Tröger.

Florian Wintterlin (2019): Quelle: Internet. Journalistisches Vertrauen bei der Recherche in sozialen Medien. Baden-Baden: Nomos

Rezensiert von Guido Keel / Das Internet ist in den letzten fünfzehn Jahren zum zentralen Rechercheinstrument von Journalistinnen und Journalisten geworden. Während ursprünglich noch die Frage gestellt wurde, wie im Journalismus mit diesem neuen Informationsmedium umgegangen werden soll, interessiert das angesichts der Ubiquität der Online-Recherche und der Institutionalisierung der Online-Kommunikation bei öffentlichkeitsrelevanten Organisationen und Akteuren heute kaum mehr.

Alexandra Borchardt: “Mehr Wahrheit wagen. Warum die Demokratie einen starken Journalismus braucht” und Birk Meinhardt: “Wie ich meine Zeitung verlor. Ein Jahrebuch.”

Rezensiert von Horst Pöttker / »Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit Bedürfnissen und dem Verhalten des Publikums auf der einen und den Zwängen und Möglichkeiten des Journalismus auf der anderen Seite. Sein wichtigstes Anliegen ist: Beide Seiten sollten sich nicht als Gegner verstehen, sondern als Partner, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Idealerweise jenes, das Leben für den Einzelnen und das Zusammenleben in der Gesellschaft ein kleines bisschen besser zu machen.«

Tanja Köhler (Hrsg.): Fake News, Framing, Fact-Checking. Nachrichten im digitalen Zeitalter

Rezensiert von Stephan Mündges / Die Nachricht kann mit Fug und Recht als Kernelement des Journalismus bezeichnet werden. Das, was neu, relevant, aktuell ist, wird von Journalist*innen als Nachricht in die Welt getragen. Die Nachricht und mit ihr der Nachrichtenjournalismus sehen sich aber, wie der Journalismus insgesamt, massiven Veränderungen und existenziellen Bedrohungen ausgesetzt: Disintermediation, der Aufstieg digitaler Plattformen und mit ihm verbunden die Revolution von Kommunikationsprozessen, die ökonomische Krise journalistischer Medienunternehmen – um nur einige wenige zu nennen.

Jens Radü: New Digital Storytelling. Anspruch, Nutzung und Qualität von Multimedia-Geschichten

Rezensiert von Wibke Weber / Über digitales Storytelling wurde bereits viel geschrieben, in wissenschaftlichen Artikeln wie in Praxishandbüchern; und im Journalismus haben sich Multimedia-Geschichten längst etabliert. Als Best-Practice-Beispiel und Prototyp fürs multimediale Erzählen wird immer wieder die Multimedia-Reportage Snow Fall (New York Times 2012) zitiert. Warum also noch ein Buch zu diesem Thema?

Bernd-Peter Arnold: Die Medien sind an allem Schuld!? Behauptungen – Vermutungen – Erklärungen

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler / Kritik des Journalismus zumal aus Insider-Sicht gibt es derzeit zuhauf und ist wohlfeil. Dennoch hält der Autor, der langjährig Hörfunkjournalist und Wellenchef beim Hessischen Rundfunk war und nun an der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz einschlägig lehrt, die verbreitete und tief sitzende »Unkenntnis« über »Struktur und Arbeitsweise der Medien« dafür verantwortlich, dass das im Titel formulierte gängige Vorurteil weiterhin grassiert und sich sogar verfestigt.

Michael Haller, Walter Hömberg (Hrsg.): »Ich lass mir den Mund nicht verbieten!«. Journalisten als Wegbereiter der Pressefreiheit und Demokratie.

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler | »Ich habe die Redefreiheit niemals als eine generelle Erlaubnis zum Fälschen verstanden, als Spielweise, wo aus eigener Machtvollkommenheit ohne Respekt vor den Tatsachen behauptet werden kann, was einem gerade gefällt«. Das ist keine zeitgenössische Mahnung aus der Ära von Fake News, Hate Speech und Echokammern, sondern sie stammt von Daniel Defoe, dem englischen Schriftsteller und Journalisten. Weiterlesen

Lauren Lucia Seywald: Investigativer Journalismus in Österreich. Geschichte, Gegenwart und Zukunft einer Berichterstattungsform

Rezensiert von Boris Romahn | Lauren Lucia Seywald ist Master-Absolventin des Wiener Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, freie Journalistin und Projektleiterin bei ichschreibe.at. In dem vorliegenden Buch verfolgt sie zwei Ziele: zum einen Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren für investigativen Journalismus zu ergründen, zum anderen mehr über das berufliche Selbstverständnis von Medienmacher*innen, die ›investigative reporting‹ betreiben, zu erfahren. Weiterlesen