Medienfreiheit im Schatten des Rechtsextremismus Herausforderungen für rumänische Journalist*innen

Von Iulia Bârză und Veronica Câmpian | Die Studie untersucht das Verhältnis zwischen der extremen Rechten und den Medien in Rumänien und beleuchtet die damit verbundenen Spannungen, die die journalistische Arbeit beeinflussen. Das rumänische Mediensystem, das historisch durch autoritäre Kontrolle und später eine rasche Kommerzialisierung geprägt wurde, ist heute mit erheblichem politischem Druck, einer fragilen redaktionellen Unabhängigkeit sowie eingeschränkter wirtschaftlicher Stabilität konfrontiert. Theoretische Grundlage für den Beitrag ist die vergleichende Mediensystemforschung, u. a. wurde die Typologie von Hallin/Mancini (2004) herangezogen. Um die aktuelle Situation zu illustrieren, wurden Interviews mit zwei erfahrenen Journalistinnen geführt. Sie heben hervor, dass rechtsextreme Akteure die Pressefreiheit weniger durch offene Zensur, sondern durch Delegitimierung, Manipulation und Desinformation untergraben. Die Befragten berichten von feindseligen Beziehungen, die von Einschüchterung, verbaler Aggression und dem Ausschluss kritischer Medien geprägt sind. Gleichzeitig schwächen soziale Netzwerke als Hauptverbreitungswege extremistischer Narrative den traditionellen Journalismus. Dennoch gibt es auch Anzeichen von Resilienz: Journalist*innen reagieren mit gegenseitiger Solidarität, gründlicher Faktenprüfung und einem erneuten Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die extreme Rechte zwar ein Klima der Einschüchterung schafft, dieses jedoch zugleich kollektiven Widerstand von Journalist*innen auslöst. Um die Presse als demokratisches Schutzinstrument zu bewahren, sind strengere digitale Regulierungen, mehr Transparenz und die Förderung unabhängiger Medien unabdingbar.

Social-Media-Dynamik im rumänischen Präsidentschaftswahlkampf 2024–2025 Die disruptive Rolle von TikTok und die bleibende Bedeutung von Journalismus und traditionellen Medien

Von Eduard-Claudiu Gross und Tanjev Schultz | Der Beitrag untersucht das Zusammenspiel zwischen sozialen Medien und etablierten Medien bei den rumänischen Präsidentschaftswahlen 2024/25 und betont die zentrale Rolle von Journalismus und Pressefreiheit in einer von digitalen Plattformen dominierten Ära. Soziale Medien, insbesondere TikTok, avancierten zu einer disruptiven Kraft, die den Diskurs beeinflussen und rechtsradikale Kandidaten durch orchestrierte Kampagnen und algorithmische Verzerrungen begünstigen konnten. Zugleich zeigt die Studie die anhaltende Bedeutung etablierter Medien, denen es in Rumänien gelungen ist, falsche politische Behauptungen zu korrigieren und ernsthafte Debatten zu führen. Der Fall des am Ende siegreichen, politisch gemäßigten Präsidentschaftskandidaten Nicușor Dan veranschaulicht, wie eine Kombination aus traditionellen Medienauftritten und kreativem Einsatz digitaler Kommunikation auf Plattformen wie TikTok und Meta den Bedrohungen durch Populismus und Extremismus trotzen kann. Das Beispiel Rumäniens ist lehrreich auch für andere Länder, die in der digitalen Ära die Integrität demokratischer Debatten und Wahlen schützen müssen.