Am Anfang des Journalismus war das Berufsethos Daniel Defoe über Öffentlichkeit, Pressefreiheit und ihre Grenzen[1]

von Horst Pöttker / Daniel Defoe (1660 – 1731) hat nicht nur den Roman Robinson Crusoe geschrieben, ein Buch mit einer der höchsten Auflagen in der Weltliteratur. Er war auch Herausgeber und Verfasser von Englands erster politischer Zeitung The Review, die zwischen 1704 und 1713 dreimal in der Woche erschien. Defoe berichtete darin nicht nur über den damaligen Krieg in Frankreich, er schrieb für die Review auch, was man Theoriebeiträge nennen kann, in denen er sein Selbstverständnis und sein Berufsethos als Journalist offenlegte. Der Aufsatz befasst sich anhand einiger dieser Artikel mit Defoes Ideen von diversen Aspekten des Begriffs Öffentlichkeit sowie von Pressefreiheit und ihren notwendigen Grenzen. Weiterlesen

Wie kann der Staat Journalismus fördern? Das Erbe von Joseph Pulitzer

von Dr. Carsten Brosda / Mit gezielter Journalismusförderung durch den Staat könnten wir motivieren und konkrete Unterstützung für ein journalistisches Handeln bieten, dass nicht nur empirische Analyse sein will, sondern darauf zielt, Sinnzusammenhänge herzustellen und damit kritisch-emanzipatorische Aufklärungspraxis zu sein. Es gibt vier Handlungsfelder, um den gemeinwohl-orientierten Journalismus zu fördern: ein zeitgemäßer rechtlicher Rahmen, eine verbesserte Ausbildung sowie eine gezielte Unterstützung von Innovationen und die Förderung der „redaktionellen Gesellschaft“. Weiterlesen

Die besondere Logik der Content Marketiers Berechtigte Kritik an etablierten Massenmedien? Oder nur Lobbyisten in eigener Sache?

Von Lutz Frühbrodt / Wiederholt haben führende Köpfe aus dem Content Marketing (CM) die Funktionstüchtigkeit des Mediensystems in Deutschland in Frage gestellt: Dem Journalismus fehlten Ressourcen, er sei nicht unabhängig und bewege sich in nutzerfeindlichen Filterblasen. Content Marketing als Werbung mit redaktionellen Mitteln sei dagegen nutzerfreundlich und nutzwertig, mithin habe „Unternehmensjournalismus“ qualitativ oftmals sogar die Nase vorne. Eine Analyse der vorgebrachten Argumente zeigt jedoch, dass die CM-Lobbyisten weitgehend einer verqueren Logik folgen. Weiterlesen

Deutscher Fachjournalisten-Verband (Hrsg.): Journalistische Genres rezensiert von Hans-Dieter Kübler

36 verschiedene Haltungen, Herangehensweisen, Methoden und Konzepte des journalistischen Arbeitens porträtieren zahlreiche Beiträgerinnen und Beiträger im Sammelband „Journalistische Genres“ des Deutscher Fachjournalisten-Verbands. Die dafür vorgeschlagenen Bezeichnungen sind ungewöhnlich, längst noch nicht hinreichend eingeführt und viele ihrer Ansätze, Intentionen und Funktionen überschneiden sich auch. Weiterlesen

Volker Lilienthal, Irene Neverla (Hrsg.): Lügenpresse rezensiert von Marlis Prinzing

Verschweigen Medien bewusst negative Fakten über Flüchtlinge oder Muslime, unterstellen sie dem russischen Präsidenten Putin im Ukraine-Konflikt grundlos Böses? Sind sie Sprachrohre irgendwelcher Eliten und führen sie so das breite Publikum an der Nase herum. Um Antworten zu finden, ließen die Kommunikationswissenschaftler Irene Neverla und Volker Lilienthal in einer gezielt auch an Bürgerinnen und Bürger gerichteten Ringvorlesung an der Universität Hamburg 16 Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis vortragen und bündelten sie in einem gut lesbar geschriebenen Sammelband Lügenpresse. Anatomie eines politischen Kampfbegriffs. Weiterlesen

Barbara Brandstetter, Steffen Range: Wirtschaft. Basiswissen für die Medienpraxis rezensiert von Ralf Spiller

Barbara Brandstetter und Steffen Range gehen in ihrem kompakten Buch Wirtschaft aus der Reihe Basiswissen für die Medienpraxis der Fragestellung nach, warum für viele Menschen der Wirtschaftsjournalismus so unpopulär ist. Doch die beiden Autoren beantworten nicht nur diese Frage und geben Tipps, wie ein besserer aussehen könnte. Sie zeichnen vielmehr knapp und mit klaren Strichen eine Landkarte des Wirtschaftsjournalismus in Deutschland. Weiterlesen

Jan Fredrik Hovden, Gunnar Nygren, Henrika Zilliacus-Tikkanen: Becoming a Journalist rezensiert von Volker Banholzer

Der Begriff des nordischen Modells hat seit langer Zeit Konjunktur in politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Debatten in Kontinentaleuropa und vor allem in Deutschland. Auch im Mediensystem und in der Ausbildung von Journalisten werden Vergleiche herangezogen. Die Ausbildung von Journalisten nach einem identifizierbaren nordischen Modell stellt denn auch der zu besprechende Sammelband in den Fokus. Weiterlesen

Editorial

Was haben Journalisten mit Verschwörungstheoretikern gemein? Journalistik-Mitherausgeber Tanjev Schultz hat dazu eine provokante Vermutung und deshalb für die zweite Ausgabe der „Journalistik“ einen Essay dazu verfasst. Der umfangreiche empirische Beitrag dieser Ausgabe kommt aus Leipzig: Um den (so langsam wieder abflauenden) Hype um Newsgames empirisch zu untersuchen, haben Cornelia Wolf und Alexander Godulla eine Studie durchgeführt. Wir wollen nicht spoilern, aber: Das neue Format kann nicht alle Erwartungen erfüllen. Ziemlich zukunftsträchtige Themen also, die sich die Journalistik für ihre zweite Ausgabe vorgenommen hat. Das ist aber nur der Anfang. Weiterlesen

Newsgames im Journalismus Haben sie Potenzial? Was sagen die Nutzer?

von Cornelia Wolf & Alexander Godulla / Etablierte Medienorganisationen stellt der digitale Wandel noch immer vor große Herausforderungen. Altersgruppen, die durch multioptionale Endgeräte wie Smartphones oder Tablet-PCs sozialisiert werden, entwickeln auch neue Erwartungen an die formale und inhaltliche Gestaltung von journalistischen Angeboten. Es verwundert daher nicht, dass sich Medienorganisationen in einem der lukrativsten Märkte der Welt umsehen: Seit einigen Jahren publizieren sie auch Newsgames unter ihrer Marke. Diese hybride Form zwischen Journalismus und Spielen offeriert hohe Selektivität und ermöglicht es gleichzeitig aktuelle oder aktualisierte Ereignisse sowie dahinter liegende Prozesse erlebbar zu machen. Dieses neue Konvergenzfeld hat bisher in der Journalismusforschung wenig systematische Beachtung gefunden. Weiterlesen…