Anregen, aufklären, streiten Zehn Thesen für einen starken Journalismus in einer digitalen Medienwelt

von Oliver Günther und Tanjev Schultz / Die Digitalisierung verändert die Abläufe und Arbeitsweisen im Journalismus. Er darf sich dabei nicht einer Markt- und Produktlogik unterwerfen. Nötig ist eine Reflexion der journalistischen Ansprüche und Ziele. In zehn Thesen umreißt der Beitrag die Spannung zwischen journalistischer Autonomie und technologischem Wandel.

Political Correctness – eine Gefahr für den Journalismus? Fakten geben die Antwort

von Ingo von Münch / Über Political Correctness (auch: Cancel Culture) ist in vielen Medien viel geschrieben worden. Weniger Beachtung hat bisher die Frage gefunden, ob – und wenn ja: warum – die Political Correctness eine gravierende Gefährdung der Pressefreiheit und damit eine Gefahr für den Journalismus darstellt. Der folgende Debattenbeitrag beantwortet und bejaht diese Frage mit dem Hinweis auf die Stichworte Informationssperren, Themenblockaden, obrigkeitliche Formulierungsvorgaben und Trend zu Intoleranz.

Political Correctness und Cancel Culture – eine Frage der Macht! Plädoyer für einen Perspektivwechsel

von Martina Thiele / Die Autorin plädiert für einen Perspektivwechsel in der publizistischen Kontroverse über Political Correctness und Cancel Culture. Statt über einzelne Begriffe und Sprache oder pauschal über Meinungsfreiheit und Zensur zu diskutieren, sollten Privilegiertheit und Macht ins Zentrum der Debatte rücken, zum einen, um zu klären, wer von welcher Position aus den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen kann, zum anderen, um Widersprüche aufzuzeigen. Denn zumeist behaupten diejenigen, die über publizistische Macht verfügen, von Sprechverboten und Zensur bedroht zu sein.

Desinfektionsjournalismus Die Corona-Berichterstattung ist kein Leuchtturm der Orientierung

von Timo Rieg / Die journalistische Berichterstattung über die Corona-Pandemie hat viele grundsätzlich bekannte Defizite gezeigt. Vor allem Recherche und Meinungsvielfalt kamen zu kurz. Entscheidende Fragen wurden vom Journalismus nicht gestellt, kritische Stimmen nicht gesucht. Gleichzeitig hat die Politik Maßnahmen ergriffen, die noch viele Jahre lang Wirkungen und Nebenwirkungen zeigen werden und für die der demokratische Souverän mangels Beteiligung keine Verantwortung tragen kann.

Ungerechte Medienkritik Die Corona-Krise ist kein Beispiel für das Versagen, sondern für den Wert des Journalismus

von Tanjev Schultz / Es sind seltsame Zeiten. Kaum ein anderes Land hat die Corona-Krise (bisher) so gut gemeistert wie Deutschland, dennoch tun einige so, als stünde dieses Land mit seinen Institutionen am Abgrund. Und so gibt es auch eine kraftmeiernde Medienkritik, die es nicht dabei belässt, die zweifellos vorkommenden Fehler und Verfehlungen der Presse aufzuspießen. Mit Getöse diagnostiziert sie ein mediales Systemversagen. Es fällt auf, dass diese Art der Medienkritik unter eben den Verzerrungen leidet, die sie selbst im Journalismus zu erkennen glaubt: Negativismus, Einseitigkeit, Übertreibung.

Vernachlässigte Medienkritik

von Timo Rieg / Tanjev Schultz sieht die Corona-Berichterstattung des deutschsprachigen Journalismus anders als ich. Das war nicht nur wahrscheinlich, sondern tatsächlich ›alternativlos‹, zumindest wenn wir bis ins letzte Detail gehen. Denn was wir beide äußern, sind Sichtweisen, – »based on individual observations and opinions«, wie es in der von Schultz angeführten Pre-Print-Studie von Quandt et. al. heißt. Eine solche Spannweite des Meinungs- oder Interpretationsspektrums habe ich in der Corona-Berichterstattung vermisst.