(M)ein idealer Schrebergarten Kommunikationswissenschaft auf Besuch bei der Medienregulierung

Von Roger Blum / In den Gremien der Medienregulierung – in Presseräten, Rundfunkräten, Fernsehräten, Publikumsräten, Medienräten – und in den Medien-Ombudsstellen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz wirken absurd wenig Fachleute aus der Kommunikationswissenschaft und dem Medienrecht mit. Das ist ein Mangel. Kenntnisse der Grundrechte und des Medienrechts, der Medienethik, der Journalistik, der Medienstrukturen und der Medienwirkungsforschung helfen, sinnvolle Lösungen zu finden.

Das Elend mit den Bildern Quellenanalyse und Faktenprüfung in Kriegszeiten

von Peter Welchering / Fotos und vor allem Videos werden im hybriden Krieg zur Waffe, Bildmaterial wird gnadenlos gefälscht. Deshalb ist es für Journalist*innen wichtig, grundlegende Kenntnisse der Quellenanalyse und bildforensischer Methoden zu haben. Damit kann man zwar keine Kriegsverbrecher*innen überführen, aber es können durchaus erste Indizien auf Tatzeiten und Tatorte recherchiert werden.

»Für einen Journalisten ist Schweigen ein Verbrechen« Russische unabhängige Medien: Zwischen Verantwortung und Kriegszensur

von Daria Gordeeva / Kurz nachdem der erste russische Panzer über die ukrainische Grenze rollte, zog die Regierung die Zensurschraube fester an. Im Eilverfahren wurden Gesetze beschlossen, die sich gegen angebliche ›Falschinformationen‹ richten und neben hohen Geldstrafen bis zu 15 Jahren Haft vorsehen. Wie schaffen es unabhängige JournalistInnen, unter den Bedingungen der Kriegszensur wahrhaftig und kritisch zu berichten?

Das hybride Hochschulsystem sollte eine differenzierte Honorierungskultur haben Weiterbildungen für die Lehre als Währung

von Marcel Franze / Universitäten und (Fach-)Hochschulen sind Lehr- und Forschungseinrichtungen. Disziplinen wie die Journalistik stehen dadurch mit einem Bein im Feld der Wissenschaft, mit dem anderen im Feld der Berufsvorbereitung und -qualifikation. Besonders deutlich wird dieses hybride Spannungsfeld beim Thema Theorie-/Praxisintegration. Das Hochschulpersonal bekommt in diesem Kontext zu wenig Aufmerksamkeit.

Lasst uns über Utopien sprechen Zur Aktualität der ökologischen Visionen und der Medienkritik in Ernest Callenbachs Ökotopia-Roman

von Gabriele Hooffacker / Utopien erlauben, die Gegenwart aus einer als positiv ange­nom­menen Perspektive aus der Zukunft zu kritisieren. Derzeit dominieren jedoch Dystopien den Diskurs. Am Beispiel von Ernest Callenbachs Ökotopia-Roman von 1975 hat die Autorin die Aktualität einer positiven ökologischen Utopie in der Lehre erprobt: Im Rahmen einer Sommerakademie lasen Studierende Auszüge des Romans und untersuchten ihn auf seine positiven ökologischen Zukunftsvisionen einerseits, auf seine Kritik am zeitgenössischen Mediensystem andererseits.

Frankreichs eigener Murdoch Geld, Medien und Wahlkampf

von Valérie Robert / In Frankreich gab es in den vergangenen Jahren nicht nur einen Umbruch im Parteiensystem, auch die Medienlandschaft veränderte sich. Der Einfluss großer Konzerne und Unternehmer kann dabei die innere Pressefreiheit gefährden und eine politische Bewegung nach rechts verstärken. Der Beitrag analysiert vor dem Hintergrund des einsetzenden Wahlkampfs die aktuellen Entwicklungen auf dem französischen Medienmarkt, insbesondere die Bedeutung des Mischkonzerns TF1 und des Milliardärs Vincent Bolloré.

Konstruktiven Journalismus lehren Wie lösungsorientierter Journalismus als Rollenmodell und Werkzeug zur Journalismusausbildung beitragen kann

von Gabriele Hooffacker / Bringt das Konzept des »konstruktiven Journalismus« Neues für die Journalismuslehre? Der Essay zeigt, dass der Ansatz des konstruktiven Journalismus produktiv und anregend in der Aus- und Fortbildung eingesetzt werden kann. Er hilft bei der Selbstverständigung der Gesellschaft zu Konfliktthemen und entlastet als alternatives Berichterstattungsmuster Journalistinnen und Journalisten. Bei Ereignissen, die als krisenhaft dargestellt werden, kann der konstruktive Journalismus unterschiedliche Lösungswege aufzeigen.

Schadet Corona dem rechten Populismus? Die Hoffnungen, dass die Pandemie auch den politischen Populismus zerstört, sind verfrüht

von Nina Horaczek / Zahlreiche politische Kommentator*innen sehen angesichts der Corona-Epidemie das Ende des politischen Populismus nahen. Tatsächlich befinden sich die Beliebtheitswerte populistischer Parteien seit Ausbruch der Coronakrise im Sinken. Doch das Virus bietet für den medialen Diskurs der Populist*innen auch große Chancen. Sie framen Corona, das unsichtbare, staatenlose Virus in einen greifbaren Sündenbock. Nicht ohne Grund spricht US-Präsident Donald Trump von einem ›chinesischen Virus‹. Zur Verbreitung ihrer Botschaft können sich die Populist*innen diesseits und jenseits des Atlantiks auf ein mediales Netzwerk stützen, das sie und ihre Vertrauten in den vergangenen Jahren sehr geschickt aufgebaut haben.