Von Gerret von Nordheim / Für Gandhi war Journalismus ein unersetzbares Mittel der Macht in seinem Kampf gegen Unterdrückung. Als Verleger und Redakteur entwickelte er ethische Grundsätze, die in dieser Arbeit systematisiert dargestellt werden. Sie regen noch heute, 150 Jahre nach Gandhis Geburtstag, zur Reflexion an. Gandhis Grundsätze sind nicht die eines Journalisten, der auf einer hypothetischen Ebene die Praxis idealisiert. Und auch nicht die Prinzipien eines Theoretikers, denen unglaubwürdige Utopie anhaftet. Es sind vielmehr die Zeugnisse einer lebenslangen praktischen Auseinandersetzung mit den ethischen Problemen journalistischer Arbeit. Die unbedingte Lesernähe seiner Publikationen – in Form und Inhalt – und die strenge Vermeidung unnötiger Affizierung wirken vor dem Hintergrund einer zunehmend fragmentierten Empörungsöffentlichkeit prophetisch. Anderes mag befremden: Gandhi berichtete selten über das politische Geschehen, das Anzeigengeschäft lehnte er ab, genauso wie die Ausübung des Journalismus als Profession.