Fixer im Krieg Die unsichtbaren ortsansässigen Journalist:innen ausländischer Medien

Von Maryna Grytsai | Sie werden selten als Mitglied journalistischer Teams erwähnt, aber ihr Beitrag zur Auslands- und speziell zur Kriegsberichterstattung ist enorm – auch jetzt in der Ukraine. Die sogenannten Fixer:innen sind Ratgeber und »Führer« (guides) der Auslandskorrespondent:innen; sie helfen diesen, sich in einem fremden Land, einer anderen Sprache und Kultur zurechtzufinden. Zugleich sind sie oft am wenigsten geschützt. Zu den jüngsten Fällen, die das zeigen, gehört der Tod des ukrainischen Journalisten-Fixers Bohdan Bitik, der in Cherson mit einem Korrespondenten der italienischen Zeitung La Repubblica zusammenarbeitete. Nicht nur dieser Fall wirft Fragen auf: Unter welchen Bedingungen arbeiten Fixer, wie ist ihre Arbeit geregelt? Was gehört zu ihren Aufgaben und (wie) werden ihre Rechte geschützt? Der Beitrag sucht Antworten darauf und präsentiert Einschätzungen von Journalist:innen und Medienexpert:innen.

Ausgezwitschert Was uns @ichbinsophiescholl über Plattform-Kritik im Journalismus verrät

Von Nora Hespers | Journalist*innen und Medienhäuser nutzen diverse Social-Media-Plattformen, um ihr Publikum zu erreichen. Besonders kritisch begleitet wird diese Nutzung nicht. Dabei liegt gerade im Niedergang von Twitter – jetzt X – die Chance, sich kritisch mit den Strukturen und den ökonomischen Bedingungen hinter diesen Netzwerken zu beschäftigen. Aber die große Debatte bleibt aus. Wie auch schon beim instagram-Projekt @ichbinsophiescholl. Fehlt es dem Journalismus hier an Social-Media-Kompetenzen?

Frank Bräutigam (2023): Recht richtig formulieren. Ein Handbuch mit Beispielen aus der journalistischen Praxis.
Tobias Gostomzyk, Uwe Jürgens (Hrsg.) (2023): Böhmermann, Künast, Rezo. Medien- und Internetrecht in 20 Fällen.

Rezensiert von Tanjev Schultz | Journalistinnen und Journalisten brauchen juristische Grundkenntnisse. Dabei helfen Lehrwerke, die auch für juristische Laien verständlich sind. In diese Kategorie fallen ein neues Handbuch des ARD-Journalisten Frank Bräutigam zum richtigen Formulieren bei rechtlichen Themen und der Band Böhmermann, Künast, Rezo, den der Dortmunder Professor für Medienrecht, Tobias Gostomzyk, gemeinsam mit dem Spiegel-Justiziar Uwe Jürgens herausgegeben hat.

Alexis von Mirbach (2023): Medienträume. Ein Bürgerbuch zur Zukunft des Journalismus

Rezensiert von Gabriele Hooffacker | Was treibt Bürgerinnen und Bürger um, wenn sie an Medien und Journalismus denken? Was kritisieren sie daran? Wie stellen sie sich guten Journalismus vor, und wie die notwendigen Rahmenbedingungen dafür? Dass die Antworten auf diese Fragen essenziell für die demokratische Funktion der Medien und für die Demokratie selbst sind, liegt auf der Hand.

Miriam Grabenheinrich (2023): Journalismus und Diversity. Umgang mit kultureller Diversität in der journalistischen Praxis und Konsequenzen für die Aus- und Fortbildung

Rezensiert von Bärbel Röben | Schon lange ist Deutschland ein Einwanderungsland, doch in der journalistischen Ausbildung wird der Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt und Differenzsetzung nur selten vermittelt. Mit Miriam Grabenheinrichs umfangreicher Forschungsarbeit liegt nun endlich ein theoretisch fundiertes, in der Praxis erprobtes Konzept für die interkulturelle Sensibilisierung von Journalist*innen vor.

Neues Spiel, neue Regeln Eine Untersuchung von redaktionellen Richtlinien für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Newsroom

Von Kim Björn Becker | Mit der Einführung des Sprachmodells ChatGPT hat die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) einen Hype erfahren – auch im Journalismus, dessen professioneller Umgang mit Sprache breite Anwendungsfelder eröffnet. Mit den neuen Möglichkeiten entstehen für Medienorganisationen aber auch Fragen zum Umgang mit KI. Erste Redaktionen haben auf die Herausforderung mit der Veröffentlichung eigener KI-Richtlinien reagiert: Mit ihnen wollen sie klarmachen, nach welchen Prinzipien sie die Algorithmen nutzen. Die Arbeit stellt durch eine vergleichende Untersuchung der Dokumente von sieben internationalen Medien ein grundsätzliches Verständnis dafür her, in welchen Bereichen Redaktionen Chancen sehen und welche Fallstricke sie adressieren. Insgesamt wurden jeweils zwei Organisationen aus Deutschland und den Vereinigten Staaten sowie je eine aus den Niederlanden, Großbritannien und Kanada in die Untersuchung eingeschlossen. Die Auswertung zeigt, dass Nachrichtenagenturen sich eher konziser formulierte Regeln geben, während öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten einen umfassenderen Regulierungsanspruch verfolgen. Dabei setzen die Redaktionen unterschiedliche Schwerpunkte. Während fast alle Medien sich in ihren Leitlinien mit der Kontrolle von KI durch den Menschen sowie Fragen der Transparenz befassen, stehen Anforderungen an vertrauenswürdige Algorithmen weniger im Mittelpunkt. Die Untersuchung zeigt, dass Medien sich zwar bereits mit wesentlichen Fragen der neuen Technik beschäftigen, es in Newsrooms aber noch blinde Flecken beim Umgang mit KI gibt.

»Fear and balanced« – ausgewogene Berichterstattung für Angstbürger*innen Die Welt, wie foxnews.com sie sieht

Von Fred Vultee | Anhand einer Datenbank mit foxnews.com-Homepages aus den Jahren 2022-23 werden in dieser Diskursanalyse die Themen, Storys und Akteur*innen bewertet, die zusammen das Weltbild des Fox-Publikums prägen. Ergänzt wird diese thematische Bewertung durch eine Untersuchung von Textmerkmalen zur Frage, wer wie und unter welchen Bedingungen zu Wort kommen darf. Es geht um die Beantwortung einer Frage, die seit mehr als zwei Jahrzehnten im Raum steht: »Was ist Fox News?«