Top Ten der Vergessenen Nachrichten Medial unterrepräsentierte Themen 2024

Von Initiative Nachrichtenaufklärung | Die Nichtregierungsorganisation Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. präsentiert gemeinsam mit der Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion jährlich eine Liste mit zehn in den (deutschsprachigen) Medien vernachlässigten Themen. Angestrebt ist, Journalistinnen und Journalisten auf Vernachlässigungen, Agenda Cutting und Desinformationen hinzuweisen und Vorschläge für zum Teil exklusive Themen zur weiteren Bearbeitung zu unterbreiten. Da seit längerer Zeit der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Gaza-Krieg die Berichterstattung beherrschen und gleichzeitig weltweit Journalistinnen und Journalisten wie auch Whistleblower getötet und verfolgt werden, ist die Suche nach »Vergessenen Nachrichten« besonders wichtig.

Die Top 10 des Buchjournalismus Hinweise auf lesenswerte Bücher von Journalist:innen

Von Fritz Hausjell und Wolfgang R. Langenbucher | Die Idee, die besten Bücher von Journalist:innen auszuwählen und vorzustellen, ist ein Projekt des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, mitbegründet von Hannes Haas (1957-2014), zusammengestellt von Wolfgang R. Langenbucher und Fritz Hausjell. Es startete mit der ersten Ausgabe im Jahre 2002 in der von Michael Haller begründeten Vierteljahreszeitschrift Message. Nach deren Einstellung wurden die Auswahlen ab 2015 im Magazin Der österreichische Journalist dokumentiert. 2020 und 2021 kam es in Folge der Covid-Pandemie zu einer Unterbrechung. Mit der Journalistik ist 2022 ein neuer Publikationsort gefunden worden.

Michael Stahl (2023): Der Platz der Freiheit und sein Denkmal. Gedenkort des Widerstands in München-Nehausen

Rezensiert von Horst Pöttker | Vermutlich handelt es sich bei diesem durchaus aufschlussreichen Buch um eine akademische Abschlussarbeit, was aber weder dem Vorwort noch den Fußnoten zu entnehmen ist. Unter anderem die methodologischen Turnübungen zur Inhaltsanalyse sowie der manchmal jugendlich-flapsige, manchmal auch akademisch verkrampfte Stil lassen darauf schließen. Aufschlussreich ist die Arbeit, weil sie in dreifacher Hinsicht Aufmerksamkeitsmängel sichtbar macht.

Sammelrezension Kriegspropaganda

Rezensiert von Sabine Schiffer | Christian Hardinghaus tritt mit dem Anspruch an, seine Leserinnen und Leser darüber aufzuklären, wie man Propaganda entlarven und so der (beabsichtigten) Manipulation entgehen könne. Das Buch von Jonas Tögel hat das Ziel, die Strategiepapiere und -überlegungen der NATO in einem öffentlichen Diskurs sichtbar zu machen und damit die menschliche Sphäre als möglichen sechsten Kriegsschauplatz – neben Wasser, Land, Luft, Space (Weltraum) und Cyberspace (Internet) – auszuleuchten.

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, vielleicht nutzen Sie Hörfunk- oder Fernseh-Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – besonders, wenn Sie in bedrohlichen Situationen…

Reform oder Reparatur Hilferufe als Klopfzeichen aus dem Maschinenraum der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten

Von Peter Welchering | Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) in der Kritik steht, ist nicht neu. Zu große Regierungsnähe, parteipolitische Einseitigkeiten, mangelnde Ausgewogenheit des Programms, Überbürokratisierung und selbstherrliche Führungskräfte, teilweise mit ausgeprägter Selbstbedienungsmentalität – diese Themen begleiten mich, seit ich vor 40 Jahren meinen ersten Beitrag für den WDR produzierte. Doch bis zur Affäre Schlesinger galt, was Johannes Ludwig im Februar 2009 eine ehemalige Führungskraft des Öffentlich-Rechtlichen sagen ließ: »Das wird an denen abprallen«. Und: »Die Öffentlich-Rechtlichen glauben es sich leisten zu können.« (Ludwig 2009: 6) Die Causa Schlesinger hat für Erschütterungen gesorgt, die an den öffentlich-rechtlichen Hierarch*innen nicht einfach mehr so abprallten. Zumindest konnten sie sich der Reform-Diskussion nicht mehr verweigern wie bisher. Eine Gruppe allerdings kommt in dieser Debatte kaum zu Wort: die der festen-freien Mitarbeiter*innen. Also diejenigen, die den größten Teil des täglichen Programms der Sender herstellen, in einer gesetzlich legitimierten Scheinselbständigkeit arbeiten und nicht selten in prekären Verhältnissen leben. Und das liegt nicht daran, dass sich diese Mitarbeiter*innen nicht artikulieren könnten. Nein, die Klopfzeichen aus dem Maschinenraum werden ignoriert, weil Rundfunkpolitiker*innen wie Hierarch*innen tatsächlich einen Neuanfang für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wagen müssten, wenn sie die Hilferufe aus dem Maschinenraum ernst nähmen. Davor schrecken viele zurück.

Informationsvorsorge Überlegungen zu einer überfälligen Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland

Von Horst Pöttker | Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland ist in eine Legitimitätskrise geraten, die seine Zukunft gefährdet. Aus einer Außenperspektive wird an seinen rechtlich verankerten Sinn der Vorsorge für verlässliche Informationen sowie entsprechende Beratung, Bildung und Unterhaltung erinnert. Vor dem Hintergrund, dass die Krise an der Verknöcherung seiner Strukturen und an mangelnder Erkennbarkeit des öffentlich-rechtlichen Profils liegt, wird eine Reform mit vier Maßnahmen diskutiert: Zusammensetzung der Aufsichtsgremien nach den Kriterien Kompetenz und Unabhängigkeit; Staffelung der Pflichtabgaben nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit; Werbefreiheit der Programme; und Reduktion der Programmanzahl. Am Ende wird überlegt, wie solche Reformmaßnahmen durchzusetzen sind und welche gesellschaftlichen Chancen und Risiken damit verbunden wären.

Die »Klimakrise« beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk Kommunikationsprozesse, Führungskultur und ihre Bedeutung für den Output – Zur neuen Diskussion um die Rundfunkpolitik aus Anlass des NDR-»Klimaberichts«

Von Hans Peter Bull | In einer Umfrage bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Norddeutschen Rundfunks, bei der mehr als tausend Beschäftigte aller Ebenen angehört worden sind, ist ein schlechtes Betriebsklima festgestellt worden, und den Leitungsorganen des Senders ist von denen, die sich geäußert haben, überwiegend ein schlechtes Zeugnis ausgestellt worden. Von den Vorgesetzten aller Ebenen wird insbesondere eine bessere »Führungskultur« erwartet. Viele Führungskräfte seien durch die gegenwärtig stattfindenden großen Veränderungsprozesse im öffentlich-rechtlichen Rundfunk überfordert und daher nicht in der Lage, klare Richtlinien für den notwendigen Wandel der Organisation zu entwickeln. In dem folgenden Artikel wird die Kritik näher analysiert. Insbesondere wird gefragt, was »Führung« in einer Rundfunkanstalt angesichts der gegebenen äußeren Rahmenbedingungen überhaupt bewirken kann. Die gewonnenen Einsichten werden auf die allgemeine rundfunkpolitische Diskussion und speziell den Wettbewerb des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit der gedruckten Presse bezogen.

Wie blicken Journalistinnen und Journalisten auf die Welt? Eine vergleichende empirische Analyse von Persönlichkeitsmerkmalen und politischen Einstellungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)

Von Katja Schmidt, Tanjev Schultz und Gert G. Wagner | Wie sehr unterscheiden sich Journalistinnen und Journalisten von der Bevölkerung, über die sie berichten? Welche Einstellungen und politischen Meinungen herrschen in der Berufsgruppe vor, welche Persönlichkeitsmerkmale, wie z. B. Risikofreude, weisen sie auf? Diese Fragen untersuchen wir für Deutschland auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Wir nutzen diese große repräsentative Stichprobe, um die darin enthaltenen Journalistinnen und Journalisten anhand ihrer Tätigkeitsangaben zu identifizieren (unter Wahrung der Anonymität). Multivariate Analysen ermöglichen einen Vergleich mit der erwachsenen Gesamtbevölkerung, den Wahlberechtigten und der Gruppe der intensiv politisch Engagierten. Die Ergebnisse bestätigen frühere Studien, wonach Journalistinnen und Journalisten kein Spiegelbild der Bevölkerung sind. Ihre Biografien und Einstellungen entsprechen nur bedingt der Vielfalt der Gesellschaft. Zwar ist der Anteil an Journalistinnen und Journalisten mit Migrationsgeschichte inzwischen ähnlich hoch wie in der Gesamtbevölkerung, doch handelt es sich bei den Herkunftsländern überwiegend um europäische Staaten. Zudem entstammt die Berufsgruppe überdurchschnittlich häufig einem akademischen Milieu, neigt politisch leicht nach links und häufiger zu den Grünen. Journalistinnen und Journalisten halten sich für kreativer, wissbegieriger und fantasievoller als die Vergleichsgruppen; sie sind nach eigenen Angaben risikofreudiger und haben ein überdurchschnittlich hohes Vertrauen in andere Menschen.

Generative visuelle KI in Redaktionen Überlegungen zu Produktion, Präsentation, Auslegung durch das Publikum und Auswirkung auf das Publikum

Von T. J. Thomson und Ryan J. Thomas | KI-Dienste, die Antworten auf Anfragen bereitstellen, wie ChatGPT, haben leidenschaftliche Diskussionen über die Zukunft des Lernens, der Arbeit und der Kreativität entfacht. KI-gesteuerte Text-zu-Bild-Generatoren, wie Midjourney, werfen tiefgreifende Fragen nach dem Zweck, der Bedeutung und dem Wert von Bildern auf, haben jedoch trotz der aufgeworfenen Implikationen für die Produktion und den Konsum von Bildern wesentlich weniger Forschungsaufmerksamkeit erhalten. In diesem Essay werden grundlegende Überlegungen angestellt, die Journalist*innen und Nachrichtenmedien im Auge behalten sollten, wenn sie die Konzeption, Beschaffung, Präsentation oder Überprüfung von KI-generierten Bildern in Betracht ziehen. Insbesondere werden in diesem Essay die Transparenz bezüglich der Auswirkung von Algorithmen sowie Herkunft, algorithmische Vorurteile, Arbeitsethik und die Verdrängung von herkömmlichen Bildjournalist*innen diskutiert. Weiterhin werden in diesem Essay potenzielle Auswirkungen auf Präzision und Repräsentativität von Bildern angesprochen, die das Publikum in Nachrichten sieht, während auch der Mangel entsprechender Vorschriften und Initiativen zur Entwicklung von Richtlinien zur Nutzung von KI-generierten Bildern in Nachrichten bedacht wird. Die Autoren haben dazu acht Bildredakteur*innen bzw. Journalist*innen in entsprechenden Positionen in leitenden Nachrichtenorganisationen in Australien und den USA befragt. Insgesamt arbeitet dieser Essay Schlüsselfragen heraus, die Journalist*innen und ihre Nachrichtenorganisationen im Zeitalter von KI und synthetischen, visuellen Medien in Angriff nehmen müssen.